RWE: Stromrechnungen: Ein heißer Kostenfaktor namens Sonne

RWE: Stromrechnungen: Ein heißer Kostenfaktor namens Sonne

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RWE-Zähler

von Andreas Wildhagen

Eine Rechnung erst nach zwei Jahren zu bekommen, gilt als wenig kundenfreundlicher Zug des Lieferanten. Genau dies geschieht zur Zeit mit einigen mittelständischen RWE-Kunden, denen nachträglich ein sogenannter "Nachforderungsbescheid" (auch dieser Ausdruck ist nicht gerade marketingtauglich) der Stromrechnung aus dem Jahr 2008 zugeschickt wird.

Dass dies böses Blut erzeugt, liegt auf der Hand. Ob es streng juristisch mit rechten Dingen zugeht, muss ein Gericht entscheiden.

Zwar steht seit Anfang 2009 im EEG-Gesetz, dass Nachforderungen bis 30. November des Folgejahres zu verschicken seien, andernfalls verfallen. Allerdingssind Rechnungszeiträume davor von diesem Gesetz nicht betroffen. RWE beruft sich auch auf Übergangsregelungen und bilaterale Vereinbarungen in den Stromverträgen, die solche Nachforderungen juristisch rechtfertigen. Das Handelsblatt berichtet exklusiv in seiner heutigen Ausgabe auf Seite 1 von einer Musterklage des Berliner Stromhändlers Ampere gegen RWE, die unverhoffte Nachzügler-Rechnungen aus den Angeln hebeln soll.

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"Die Musterklage ist bei uns noch gar nicht angekommen", sagt ein RWE-Manager. Er spricht von einem sehr kleinen Kreis von Kunden und beziffert das Klagerisiko von RWE auf "vier bis sechs Millionen Euro". In der RWE-Vertriebsgesellschaft war auch zu hören, dass mit den betroffenen Gewerbekunden jetzt für zukünftige Stromlieferungen Einzelverhandlungen beginnen. Schlaue Abwehrstrategie eines ertappten Großversorgers?

Teurer Strom aus Solarzellen

Ein Akt der Kundenliebe stellen solche gepfefferten Rechnungsnachzügler sicher nicht dar. Aber jenseits des undiplomatischen Ungeschicks und der Vertragsfragen zeigt sich die Brisanz des späten Schlucks aus der Pulle. Sonnenenergie ist sündhaft teuer - und zwar für alle Stromkunden. Es gab einen regelrechten Ansturm auf Subventionsmillionen, die das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) versprach. Normalerweise werden für die Einspeisung einer Kilowattstunde in das Netz fünf Cent bezahlt. Kommt der Saft aber nicht aus einem Kohle-, Atom- oder Gaskraftwerk, sondern aus einer blinkenden Solarzelle, ist der Betrag achtmal höher.

So richtig war es in den von der augenblicklichen Hitze mattgestellten Köpfen der Stromverbraucher nicht angekommen, dass sie diese Mehrkosten zu tragen haben - nicht die Versorger. Die EEG-Umlage wird von allen Verbrauchern berappt. Da die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne stark schwankt - es ist manchmal windstill und nicht so heiß wie jetzt - können die EEG-Kosten erst ein Jahr später errechnet und dann auf die Kunden verteilt werden. Die merken oft - wie jetzt - erst nach langen Monaten, dass regenerative Energien sehr teuer sein können.

Haushaltskunden kommen erst nächstes Jahr dran

Die Windparks, die zur Zeit im gesamten Nordseeraum mit Milliarden-Investitionen entstehen, sollen eines fernen Tages diese Schwankungen zumindest teilweise abfedern und künftig berechenbarer machen. Aber bis dahin ist es noch weit. Es fehlt vor allem das intelligente und extrem belastungsfähige Netz, das alle Kraftwerke - ob auf dem Dach, auf dem Berg, unter der Atomkuppel oder auf dem Meer - belastungs- und umspannsicher miteinander verbindet.

Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Haushaltskunden werden von solchen Nachforderungen nicht bedroht. Überhänge aus den EEG-Kosten "werden", so tröstet ein Energiemanager eines deutschen Versorgers den Privatkunden, "erst bei der nächsten Preiserhöhungsrunde berücksichtigt". Das bedeutet dann Preiserhöhungen für das nächste Jahr.

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