Sabine Lautenschläger: Die zornige Bankenaufseherin vom Rhein

Sabine Lautenschläger: Die zornige Bankenaufseherin vom Rhein

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Sabile Lautenschläger, Exekutivdirektorin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

von Anke Henrich

Um ihren Job beneidet sie nicht nur in der Finanzwelt derzeit keiner: Sabine Lautenschläger ist Deutschlands oberste Bankenaufseherin. Das Porträt einer Zornigen.

Nein, auch sie hat die Beinahe-Katastrophe nicht kommen gesehen. Da redet Sabine Lautenschläger in ihrem Bonner Büro nicht um den heißen Brei herum. Und ja, sie hat in der Finanzkrise Dinge erlebt, die sie vorher nicht für möglich gehalten hätte. Dabei hat Lautenschläger, 45, seit 1995 bei der Bankenaufsicht, schon viel erlebt.

Seit 2008 untersteht der Juristin als Exekutivdirektorin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Aufsicht über die gesamte deutsche Bankenwelt. Sie kann jede Bank schließen, jedem Vorstand die nötige Lizenz entziehen. Schon die Androhung wirkt in den meisten Fällen Wunder. Mit „24/07“, also Arbeit Tag und Nacht die ganze Woche über, beschreibt sie lakonisch das vergangene Jahr: „Die deutschen Banken waren von den internationalen Marktverwerfungen hart getroffen.“ Die Aufsicht damit auch.

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BaFin vor neuen Aufgaben

2010 soll für die Aufseher besser laufen. Dem Vorwurf, sich dem deutschen Klein-Klein jeder Sparkasse gewidmet, aber wichtige Entwicklungen auf dem Globus verschlafen zu haben, will sich die Beamtin nie mehr ausgesetzt sehen. Doch den guten Vorsätzen liegen noch Altlasten im Weg, gestapelt in Form bunter Aktenberge auf dem Sideboard hinter ihrem Schreibtisch: Sie tragen Namen wie Hypo Real Estate, WestLB, Landesbank Baden-Württemberg, BayernLB oder Sal. Oppenheim.

Was war das für ein Gefühl, 2009 von einer Bankenrettungsrunde in die nächste zu hechten? Nachts, wenn daheim der letzte Aktenvermerk geschrieben ist, mit der Hoffnung schlafen zu gehen, dass sich tatsächlich kein neues Risiko mehr entwickelt, wo ihre Kontrolleure keines vorhergesehen haben. Man kann es nur ahnen.

Die nächsten Aufgaben stehen an. „Wir fragen uns: Wo in der Welt bildet sich die nächste Blase? Die Liquidität, die seit den staatlichen Rettungsaktionen überreichlich im System ist, muss ja irgendwo hin“, sagt Lautenschläger, und es klingt beunruhigend, wenn sie konkret wird. „Wir beobachten in diesem Jahr eng sämtliche Banken im Besonderen auf ihre Kreditrisiken etwa in Osteuropa, bei Gewerbeimmobilien, Schiffs- und Autofinanzierung. Und wir fragen uns, wie sich die Rezession 2010 und 2011 in den Büchern niederschlagen wird.“

Lautenschläger startet 1995 in der Bankenaufsicht

Ihre Härte, ohne die sie es in dem Beamtenapparat nicht an die Spitze geschafft hätte, sieht man der zugewandten, genussfreudigen Rheinländerin nicht an. Die selbst gebackenen Plätzchen auf ihrem Besprechungstisch und die Kinderzeichnung an der Bürowand verleiten Besucher zum Irrtum. Gebacken hat ihr Vater, sie hat die Kekse am Morgen auf dem Sprung ins Büro bei ihm abgeholt. Lautenschläger ist ein Familienmensch, aber sie muss dort nicht jeden Job selbst machen.

Die Kinderzeichnung stammt noch von Tochter Laura. Die ist inzwischen fast volljährig, steht vor dem Abitur und verteidigt längst flammend ihre Mutter, wenn die Bankenaufseherin angegriffen wird. Lautenschläger ist eng und liebevoll verbunden mit Mann, Tochter, Familie und rheinischer Heimat. Eine Glucke ist sie nicht, sondern ehrgeizig und straff organisiert. 1990 schließt sie ihr Jurastudium ab, 1991 heiratet sie ihren Freund aus Grundschultagen, ein Jahr später bringt sie während des Referendariats Laura zur Welt. Ihr Gatte, gelernter Handwerker und ein geerdeter Mensch, hält ihr den Rücken frei. 1995 startet sie in der Bankenaufsicht, die damals noch in Berlin unter dem Namen BaKred residiert.

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