Sachsen: Aufschwung im Silicon Saxony

Sachsen: Aufschwung im Silicon Saxony

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Produktionsstätte der Deutschen Solar AG in Freiberg

Innovative Mittelständler stellen den Aufschwung im Freistaat auf ein breiteres Fundament.

Probleme mit Aufträgen? Bedrohte Jobs? Industriebrache Ostdeutschland? Robin Schild, Geschäftsführer der Von Ardenne Anlagentechnik, sitzt im Besprechungsraum der schmucken Firmenzentrale im Dresdner Villenviertel Weißer Hirsch und lächelt. Mit Krise haben seine Pläne nichts zu tun: „Wir wollen jedes Jahr um 30 Prozent wachsen.“ Das mittelständische Unternehmen produziert Spezialmaschinen für Dünnschicht-Solarzellen und ist Weltmarktführer bei Anlagen zur Beschichtung von energiesparendem Architekturglas. In diesem Jahr klettert der Umsatz voraussichtlich auf 180 Millionen Euro, 130 Millionen waren es 2007. Da hat Schild bereits rund 150 Leute zusätzlich eingestellt, in diesem Jahr sollen weitere 100 dazukommen. Am Weißen Hirsch und im nahen Gewerbegebiet Dresden-Weißig, wo die Produktions- und Montagehallen stehen, ist der Aufschwung Ost mit Händen zu greifen.

Und nicht nur dort. Nach einem Wachstumseinbruch 2005 hat die Wirtschaft in Sachsen insgesamt wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Das Wachstum an Elbe und Mulde lag 2007 bei 2,7 Prozent, das ist der höchste Wert aller Ostländer und mehr als der Bundesdurchschnitt. Triebfeder des Aufschwungs im nach der Einheit weitgehend deindustrialisierten Osten ist nun ausgerechnet das verarbeitende Gewerbe. Dort schoss die Bruttowertschöpfung um 13,3 Prozent in die Höhe.

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Der Erfolg Sachsens ist vor allem mit der Automobil- und Mikroelektronikbranche verknüpft. In „Silicon Saxony“ rund um Dresden ist – auch dank hoher Staatszuschüsse – der größte Halbleiterstandort Europas entstanden. Ökonomisch noch wichtiger ist die Automobilindustrie mit den Zugpferden VW, Porsche und BMW, die im Freistaat rund 70 000 Menschen Arbeit gibt. Doch die Abhängigkeit von den Leuchtturmbranchen hat auch eine Schattenseite: „Eine Krise in einer der Branchen könnte einen Flächenbrand erzeugen“, warnt Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden. Dass der Markt für Chips und Prozessoren übersättigt ist und die Preise purzeln, verhagelt derzeit nicht nur den Dresdner Fabriken von AMD, Infineon und Qimonda das Geschäft, sondern sorgt auch die Politik. „Wir müssen unsere industrielle Basis verbreitern“, sagt Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD).

Dieser Prozess ist in vollem Gange: Jenseits von Auto und IT entwickeln sich in Sachsen neue Wachstumsmotoren. Hier dominieren meist nicht große Konzerne, sondern innovative Mittelständler, die geschickt industrielle Marktnischen besetzen.

Maschinenbau: Die sächsischen Maschinenbauer konnten ihre Umsätze in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern. Im vierten Quartal 2007 reichten die Aufträge aus, um die Produktion mehr als sechs Monate lang auszulasten – ein Rekord. Nicht zuletzt dank enger Kooperation mit Universitäten und Forschungsinstituten haben gerade die Werkzeug- und Sondermaschinenbauer ihre Innovationskraft erhöht. Das Herz des sächsischen Maschinenbaus liegt in Chemnitz (siehe Seite 54).

Textilindustrie: Vor allem im Raum Plauen haben sich Betriebe auf technische Textilien spezialisiert, wie sie etwa von der Bauindustrie oder in der Automobil- und Flugzeugproduktion benötigt werden. Der Umsatzanteil dieser Spezialprodukte, die von Airbaghüllen und Industriefiltern bis hin zu medizinischen Implantaten reichen, ist in der Textilwirtschaft in den vergangenen 20 Jahren von 8 auf rund 40 Prozent gestiegen. Prognosen zufolge wächst der Markt bis 2010 jährlich um mindestens 3,5 Prozent – und die rund 180 auf technische Textilien spezialisierten Unternehmen in Sachsen hoffen auf ein gutes Stück vom Kuchen.

Regenerative Energien: Rund 380 Industrie- und Dienstleistungsbetriebe mit fast 5000 Beschäftigten sind in diesem Segment aktiv und setzen über eine Milliarde Euro um. „Vor allem die Fotovoltaik könnte eine neue Leuchtturmbranche für Sachsen werden“, sagt IHK-Chef Hamann – auch mit Blick auf aktuelle Investitionsprojekte. In Bischofswerda etwa baut der Konzern Arise Technologies für 50 Millionen Euro eine Fabrik für Solarzellen mit rund 150 Arbeitsplätzen. In Döbeln entsteht das europäische Stammwerk des US-Solarmodulherstellers Signet Solar. In Brandis südöstlich von Leipzig zieht die Juwi-Gruppe bis Ende 2009 auf 110 Hektar das weltgrößte Fotovoltaik-Kraftwerk hoch.

Das Problem: Die sächsische Industriestruktur ist sehr kleinteilig, die durchschnittliche Betriebsgröße gering. Daher versucht die Regierung, Kooperationen anzuschieben, um größere Einheiten zu schaffen und typische Wettbewerbsnachteile kleiner Firmen auszugleichen. In bereits fünf Branchen haben sich Unternehmen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, in dem sie etwa bei Auslandsmessen oder Forschungsprojekten zusammenarbeiten. Umso erstaunlicher, dass die Politik von der wirtschaftlichen Dynamik kaum profitiert. Die große Koalition unter Führung von Georg Milbradt (CDU) ist zerstritten. Zuletzt geriet Sachsen mit einer Korruptionsaffäre bei Justiz und Verfassungsschutz („Sachsen-Sumpf“) und der Fast-Pleite der Sachsen LB in die Schlagzeilen. Auch die Landesbank hatte sich am US-Hypothekenmarkt verspekuliert und konnte nur durch einen Notverkauf an die Landesbank Baden-Württemberg und staatliche Milliardenhilfen gerettet werden. Das Land Sachsen übernahm eine Bürgschaft von 2,75 Milliarden Euro – und sieht sich nun mit einem Beihilfeverfahren der EU-Kommission konfrontiert. Hartnäckig halten sich Gerüchte, Milbradt werde bei der Landtagswahl 2009 von Kanzleramtsminister Thomas de Maizière als Spitzenkandidat abgelöst.

Regenerative Energien: Rund 380 Industrie- und Dienstleistungsbetriebe mit fast 5000 Beschäftigten sind in diesem Segment aktiv und setzen über eine Milliarde Euro um. „Vor allem die Fotovoltaik könnte eine neue Leuchtturmbranche für Sachsen werden“, sagt IHK-Chef Hamann – auch mit Blick auf aktuelle Investitionsprojekte. In Bischofswerda etwa baut der Konzern Arise Technologies für 50 Millionen Euro eine Fabrik für Solarzellen mit rund 150 Arbeitsplätzen. In Döbeln entsteht das europäische Stammwerk des US-Solarmodulherstellers Signet Solar. In Brandis südöstlich von Leipzig zieht die Juwi-Gruppe bis Ende 2009 auf 110 Hektar das weltgrößte Fotovoltaik-Kraftwerk hoch.

Das Problem: Die sächsische Industriestruktur ist sehr kleinteilig, die durchschnittliche Betriebsgröße gering. Daher versucht die Regierung, Kooperationen anzuschieben, um größere Einheiten zu schaffen und typische Wettbewerbsnachteile kleiner Firmen auszugleichen. In bereits fünf Branchen haben sich Unternehmen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, in dem sie etwa bei Auslandsmessen oder Forschungsprojekten zusammenarbeiten. Umso erstaunlicher, dass die Politik von der wirtschaftlichen Dynamik kaum profitiert. Die große Koalition unter Führung von Georg Milbradt (CDU) ist zerstritten. Zuletzt geriet Sachsen mit einer Korruptionsaffäre bei Justiz und Verfassungsschutz („Sachsen-Sumpf“) und der Fast-Pleite der Sachsen LB in die Schlagzeilen. Auch die Landesbank hatte sich am US-Hypothekenmarkt verspekuliert und konnte nur durch einen Notverkauf an die Landesbank Baden-Württemberg und staatliche Milliardenhilfen gerettet werden. Das Land Sachsen übernahm eine Bürgschaft von 2,75 Milliarden Euro – und sieht sich nun mit einem Beihilfeverfahren der EU-Kommission konfrontiert. Hartnäckig halten sich Gerüchte, Milbradt werde bei der Landtagswahl 2009 von Kanzleramtsminister Thomas de Maizière als Spitzenkandidat abgelöst.

Dabei kann sich die Bilanz Milbradts nach sechs Amtsjahren sehen lassen – nicht nur wegen des Wirtschaftswachstums. Sicher, Sachsen kämpft nach wie vor mit einer hohen Arbeitslosigkeit; in strukturschwachen Regionen wie der Oberlausitz, dem Erzgebirge oder Torgau-Oschatz kommt der Aufschwung kaum an. Doch hat das Land durch eine solide Haushaltspolitik die nach Bayern niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung aller Bundesländer und punktet mit der höchsten Investitionsquote. Laut einer Standortanalyse des Beratungsunternehmens IBM-PLI werden in keinem anderen Bundesland so viele Jobs durch Auslandsinvestitionen geschaffen.

Von-Ardenne-Geschäftsführer Robin Schild fühlt sich jedenfalls an seinem Standort wohl. Rund elf Millionen Euro investiert das Unternehmen derzeit in neue Hallen im Gewerbepark Dresden-Weißig. Schild: „Die Baugenehmigung dafür dauerte gerade mal sechs Wochen.“

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