Sal. Oppenheim : Finaler Einschlag ins Kontor

Sal. Oppenheim : Finaler Einschlag ins Kontor

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ARCHIV - Ein Mann betritt die Privatbank Sal. Oppenheim in Köln (Archivfoto vom 30.09.2004). Die Deutsche Bank will bei der in Bedrängnis geratenen Privatbank Sal. Oppenheim einsteigen. Die Deutsche Bank habe ein unverbindliches Angebot hinsichtlich einer Kapitalbeteiligung an Sal. Oppenheim abgegeben, teilte der heimische Branchenprimus am Mittwoch (05.09.2009) in Frankfurt mit.

Die Deutsche Bank hat der angeschlagenen Privatbank ein unverbindliches Angebot für eine Kapitalbeteiligung unterbreitet. Offiziell erklärt die Deutsche Bank, sie sei nur an einer Minderheitsbeteiligung interessiert. Sal. Oppenheim hat den Frankfurtern bereits die Bücher für eine so genannte Due Dilligence, den Einblick ins finanziell Innerste der Bank, geöffnet.

Noch vor vier Wochen hatten die Privatbankiers einen externen Investor ausdrücklich ausgeschlossen. Sal. Oppenheim, 1789 gegründet und in der Hand von rund 40 Familienaktionären, leidet unter den Folgen der Finanzkrise, vor allem aber unter ihrem fehlgeschlagen Investment beim Arcandor-Konzern. Das Eigenkapital ist trotz familiärer Finanzspritzen in Millionenhöhe gefährlich zusammengeschmolzen.

Haben die Gesellschafter gelogen oder hat es in den vergangenen Wochen neue Einschläge beim Bankhaus Sal.Oppenheimer gegeben? 

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Die beiden persönlich haftenden Gesellschafter Matthias Graf von Krockow und Friedrich Carl Janssen haben noch am 8.Juli gegenüber dem Handelsblatt erklärt, die Überlegung einen externen Kapitalgeber ins Boot zu holen stehe nicht zur Debatte und sei selbstverständlich ausgeschlossen.

Davon kann keine Rede mehr sein. Beide Bankhäuser haben das Frankfurter Angebot an die Privatbank mit Hauptsitz in Luxemburg bestätigt. Die Deutsche Bank erklärte, die strategische Partnerschaft habe für sie das Ziel, den Kunden von Sal.Oppenheim den Zugang zum weltweiten Netzwerk der Deutschen Bank zu ermöglichen und die Position der Frankfurter im Geschäft mit den vermögenden Kunden zu stärken.  

An letzterem mangelt es der Deutschen Bank, dieser Bereich darbt im eigenen Haus.

Ob die Sal.Oppenheim-Kunden den Zugang zur Deutschen Bank bisher vermisst haben, darf bezweifelt werden. Viele entschieden sich gerade  deshalb für die  vermeintlich kleine Privatbank , weil sie sich unter dem Dach eines Global Players nicht individuell genug behandelt fühlten. 

Neue Einschläge beim Bankhaus Sal.Oppenheim?

Für die Privatbankiers wäre der Einstieg der Großbank das Ende der Unabhängigkeit nach 220 Jahren, womöglich der finale Schlag ins Kontor.

Die Bank mußte wegender Finanzkrise 2008 zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg Verluste ausweisen, 117 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 255 Millionen Euro Gewinn.  Das betreute Vermögen lag bei 132 Milliarden Euro, 20 Milliarden weniger als im Vorjahr und geschuldet sowohl der Abwanderung von Kunden als auch dem Einbruch auf den Kapitalmärkten.

Der erwogene Verkauf der Unternehmens-Tochter BHF-Bank scheiterte kürzlich, offiziell an zu niedrigen Angeboten.

Die 200 Millionen Euro Kapitalspritze, die die beteiligten Familien erst vor kurzem zugeschossen haben, können die aufreißenden Löcher nicht füllen. Vor allem die 24,9 Prozent-Beteiligung an dem mittlerweile insolventen Handels- und Touristikkonzern Arcandor bringt die Bank in Schwierigkeiten. Ebenso ihr Engagment beim Immobilienkonzern IVG. Dazu kommt der Zusammenbruch des lukrativen Zertifikatemarktes durch die Finanzkrise, in dem die Kölner stark engagiert waren.

Heute wurde unterdessen unauffällig Tafelsilber verkauft: Die Sal.Oppenheim-Tochter BHF verkaufte ihre Frankfurter Fondsbank (FFB), über die Investmentfonds-Anteile im Auftrag professioneller Investoren verwaltet werden,  an die Fondsgesellschaft Fidelity. Über den Kaufpreis wurde Schweigen vereinbart.

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