Sam Palmisano im Interview: IBM-Vorstandschef: "Wir stellen weiter Leute ein"

Sam Palmisano im Interview: IBM-Vorstandschef: "Wir stellen weiter Leute ein"

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Sam Palmisano ist Vorstands-Chef bei IBM

IBM-Vorstandschef Sam Palmisano beschreibt im ersten Interview in Deutschland, wie er dem Konzern eine neue Identität verpasst – und was er Barack Obama rät.

WirtschaftsWoche: Mr. Palmisano, IBM spielt neuerdings den Weltenretter: Egal, ob es um intelligente Stromnetze, Verkehrsleitsysteme oder das Gesundheitswesen geht – wenn es irgendwo knirscht, wollen Sie einspringen. Sind derartige Großprojekte in Zeiten der Rezession überhaupt angesagt?

Palmisano: Bestimmt sogar. Die Menschen erkennen gerade in der Krise, dass sich Dinge ändern müssen. Das würden sie auch selbst tun, wenn sie könnten. Nehmen Sie die Stromversorgung: Wüssten Sie als Verbraucher, wann genau Sie wie viel Strom verbrauchen und welcher Preis dafür anfällt, würden Sie Ihren Lebenswandel ändern. Etwa indem Sie Ihre Waschmaschine nur abends nutzen oder die Klimaanlage ausschalten, wenn Sie ins Büro gehen. Um Verhaltensmuster zu durchbrechen, müssen Sie die Verbraucher aufklären und ihnen diese Informationen mithilfe intelligenter Stromnetze zur Verfügung stellen.

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Dennoch klingt Ihre Werbebotschaft vom „Smarter Planet“, also die Welt durch den Einsatz von Technik intelligenter zu machen, recht großspurig. Überhebt sich IBM nicht daran?

Was wir anpeilen, das kann IBM gar nicht allein schaffen. Und das wollen wir auch nicht. Wir brauchen Partner. Nehmen Sie ein beliebiges Verkehrsleitsystem – da sind im Durchschnitt 30 Partner mit an Bord. Ähnlich ist es bei intelligenten Stromnetzen oder bei der Informationstechnik (IT) im Gesundheitswesen. IBM übernimmt die Rolle als Integrator, damit fühlen wir uns wohl.

Um derartige Großprojekte stemmen zu können, benötigen Sie entsprechend Personal. Es gibt also keinen Einstellungsstopp bei IBM?

Nein, wir stellen weiter Leute ein. Und zwar weltweit in einer Größenordnung von Tausenden Stellen allein in diesem Jahr. Mehr noch: Wir haben lange im Vorstand darüber diskutiert, wie wir bei IBM auf die Krise reagieren sollen. Dabei haben wir entschieden: Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten halten wir unser Bonusprogramm aufrecht – und zwar in einer Größenordnung, die vergleichbar ist mit IBMs Rekordjahr 2007. Und rund 60 Prozent aller IBM-Mitarbeiter erhalten eine Gehaltserhöhung. Davon generell ausgenommen sind weltweit alle Executives, was angemessen ist. Wir kürzen also nicht die Gehälter – denn wir sind anders als unsere Wettbewerber...

…wie etwa Ihr Konkurrent Hewlett-Packard, der trotz Gewinns Stellen abbaut und Mitarbeiter zum Lohnverzicht drängt. Dabei wären derartige Kürzungen derzeit leicht durchzusetzen. Warum machen Sie das nicht auch?

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage wird 2009 für IBM ein weiteres Rekordjahr in Sachen Profitabilität. Mit dem Bericht über das zweite Quartal vor zwei Wochen haben wir unsere Erwartung für den Jahresgewinn pro Aktie sogar von 9,20 Dollar auf 9,70 Dollar angehoben. Und wir liegen weiterhin vor unserer Planung für 2010, den Gewinn dann auf 10 bis 11 Dollar pro Aktie zu steigern. Daher besteht für uns kein akuter Handlungsbedarf.

Aber Sie könnten durch Sparen vorbeugen.

Nein, denn wir wollen vor allem Naturwissenschaftler oder Ingenieure einstellen, die bei unserer Vision vom intelligenten Planeten mitwirken. Doch die können wir nicht von IBM überzeugen, indem wir Gehälter kürzen. Talentierte Menschen haben auch in schwierigen Zeiten berufliche Alternativen. Unser ganzes Geschäftsmodell basiert auf Innovationen, darauf, etwas zu tun, was nicht jeder tut – das liefert pro Umsatz letztlich auch einen höheren Gewinn.

Ist Ihre Vision vom intelligenten Planeten auch ein Versuch, IBM ein neues Image und – einmal mehr – eine neue Identität zu verpassen?

Eigentlich reagieren wir nur auf Veränderungen innerhalb der IT-Industrie. Vor einigen Jahren stellten wir fest, dass sich die IT in eine neue Richtung bewegt. Die Ära des PCs, der 20 Jahre lang Antriebsmotor für die Branche war, ging zu Ende. In dem nun beginnenden Zeitalter sind viele Milliarden Geräte und Sensoren über das Internet vernetzt und ermöglichen den Menschen neue Einsatzmöglichkeiten von Technik. Aus dem Grund haben wir uns Stück für Stück von unserem PC-Erbe getrennt. Das gipfelte im Verkauf der PC-Sparte an Lenovo 2005. Vorher hatten wir uns bereits vom Geschäft mit Speicherchips oder Festplatten verabschiedet. Nun sind wir bei Software und Service stärker geworden. Seit 2003 haben wir mehr als 80 Unternehmen übernommen.

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