Sanierung: Karstadts Ex-Töchter: Erinnerung an BenQ

Sanierung: Karstadts Ex-Töchter: Erinnerung an BenQ

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Arcandor-Chef Thomas Middelhoff

Wehmeyer, Hertie, SinnLeffers – reihenweise brechen Ex-Tochterfirmen von Karstadt zusammen. Auch der Kaufhauskonzern ist längst nicht saniert.

Der Mann ist ein Verkaufstalent. Mit einem Teint wie nach drei Wochen Südseeurlaub und profunden Kenntnissen angelsächsischer Investmentvokabeln hat es Arcandor-Chef Thomas Middelhoff noch stets geschafft, die Hoffnung auf einen "Turn-a-round" seiner Konzern-Töchter Karstadt und Quelle zu schüren. Am Mittwoch wird Middelhoff seine Powerseller-Qualitäten wieder unter Beweis stellen und Quartalszahlen von Karstadt als großen Sanierungserfolg preisen. Die Kaufhauskette soll flächenbereinigt 1,9 Prozent mehr Umsatz gemacht haben als im Vorjahreszeitraum, berichten Insider.

Der Zuwachs ist überschaubar, für Karstadt und die Branche aber tatsächlich erstaunlich. In den vergangenen Wochen brachen der Textilfilialist Wehmeyer, die Kleinkaufhauskette Hertie und zuletzt der Modehändler SinnLeffers zusammen. Die drei Unternehmen gehörten bis 2005 zu KarstadtQuelle, wie Middelhoffs Konzern damals hieß, waren allerdings schon zu dieser Zeit Pleitekandidaten. Doch dann habe Arcandor, „den Dreck an externe Investoren weitergereicht“, beschreibt ein Analyst den Verkauf.

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Die Trennung vom „Dreck“, sprich: von Hertie, Wehmeyer und SinnLeffers, war für den Rest von KarstadtQuelle nach middelhoffscher Lesart der Aufbruch in eine sonnige Zukunft. Nach dem Verkauf von 74 Häusern, die der britische Finanzinvestor Dawnay Day unter dem Traditionsnamen Hertie weiterführte, freute sich der Manager im August 2005, dass die Käufer „eine ganz eindeutige Erklärung abgegeben“ hätten, nämlich „dass der Geschäftsbetrieb auf Dauer erhalten werden soll“. Die Dauer war kurz, drei Jahre später meldete Hertie Insolvenz an, 4100 Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Der offizielle Kommentar von Arcandor zu den Insolvenzen ist kühl. „Das betrifft uns nicht“, sagt einer von Middelshoffs Sprechern und weckt damit Erinnerungen an die Bestattung eines anderen Unternehmens – der Handysparte von Siemens. Auch der damalige Konzernchef Klaus Kleinfeld hatte die marode Tochter, statt sie risikoreich und teuer zu sanieren, lieber verkauft und ihr eine bessere Zukunft prophezeit. Neuer Eigentümer wurde 2005 der taiwanische Elektronikhersteller BenQ, der das Unternehmen aber gut ein Jahr später in den Konkurs schickte. Auf mögliche Bestandsgarantien hatte Kleinfeld gegenüber BenQ verzichtet.

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