Sanierung: Traditionsmarke Collonil auf Erfolg gebürstet

Sanierung: Traditionsmarke Collonil auf Erfolg gebürstet

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Frank Becker sanierte und rettete die Traditionsmarke durch Expansion und Innovation

von Jürgen Salz

Ein schuhbesessener Manager lebt seinen Tick aus und verleiht der alten Marke Collonil neuen Glanz.

Der Mann ist verrückt nach Schuhen. Etwa 50 Paare besitzt Frank Becker, mehr als seine Frau. Der 50-Jährige sagt, dass er am Schuh den Charakter eines Menschen erkenne. Den Umgang mit Bürste, Tuch und Schuhwichse hat ihm seine Mutter beigebracht. Die Eltern betrieben ein Café in Bremerhaven. Becker lernte, dass es vor den Kunden auch auf Äußerlichkeiten – wie gute Schuhpflege – ankommt. „Papa putzt Schuhe“, sagt Beckers kleine Tochter Mathilda, wenn sie nach dem Beruf ihres Vaters gefragt wird.

Becker ist der Typ, der seiner Passion frönt, indem er Unternehmer wurde. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler hat die deutsche Traditionsschuhcreme Collonil gerettet. Die gleichnamige Berliner Firma warb einst mit Marlene Dietrich und gilt als Erfinder des Schuhschwämmchens. Becker gelang es, dass Collonil wieder glänzt und sich die Bürsten und Cremes aus Berlin nun auch in Saudi-Arabien und Japan gut verkaufen.

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Qualität für den Fachhandel

Die Bottiche in den Produktionshallen im Stadtteil Reinickendorf sind randvoll. 35 Rohstoffe enthält die Paste, erklärt Ulrich Drechsler – vor allem Wachs, Öl und Fette. Dazu kommen je nach Bedarf Stoffe, die sich ansonsten vorwiegend in Kosmetika finden – Aloe Vera, Zitronenminze oder Mandelöl. Die fertigen Cremes gibt es in allerlei Farben, auch in Flieder, Avocado und Pink. Ein Stockwerk höher werden sie maschinell abgefüllt. Collonil produziert etwa 60 000 Tuben am Tag.

Qualität ist wichtig; die besonders weichen Bürstenhaare stammen schon mal von westjordanischen Ziegen. Becker liefert vor allem an den Fachhandel; das Geschäft mit Supermärkten und Discountern überlässt er anderen. Entsprechend teuer verkauft sich Collonil: Eine Schuhputzkiste mit Putz- und Polierbürsten sowie Pflegeprodukten kostet etwa 250 Euro.

Der Chef trägt braune Halbschuhe zum Businessanzug. Vor 13 Jahren hat ihn eine Personalberatung in Portugal aufgespürt, als er dort gerade eine Gerberei sanierte. Nun soll er Collonil helfen. Dort sind 1998 Saniererqualitäten gefragt. Die Inhaberfamilie Salzenbrodt ist durch Todesfälle geschwächt, der Absatz stagniert, der Wegfall der Berlin-Zulage nach dem Mauerfall reißt ein Loch in die Kasse. Der US-Konzern Sara Lee und Werner & Mertz („Erdal“) trachten nach der Übernahme.

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