SAP: Do it again, Henning

KommentarSAP: Do it again, Henning

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Michael Kroker

Henning Kagermann steht in den letzten Monaten als SAP-Vorstandschef vor einer der größten Herausforderungen seiner zehnjährigen Amtszeit an der Spitze des Walldorfer Softwarekonzerns: Er will die Marge bei geringerem Wachstum steigern. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Kroker.

Langjährige Beobachter können sich eines Déjà-vu-Gefühls nicht erwehren: Einstellungsstopp, weniger Geschäftsreisen, Verzicht auf Business-Class-Flüge – ein ähnlich rigides Sparprogramm hatte SAP-Chef Henning Kagermann dem Walldorfer Softwarekonzern auch kurz nach dem Platzen der Internet-Blase und den Anschlägen vom 11. September 2001 verschrieben. Damals wie heute reduzierten die für SAP so wichtigen Großkonzerne weltweit ihre IT-Ausgaben. Kagermann gelang mit einer Vollbremsung bei den operativen Ausgaben das Kunststück, die Profitabilität von SAP allein zwischen 2002 und 2003 von unter 23 auf knapp 27 Prozent zu steigern – und das sogar bei rückläufigem Gesamtumsatz. Nach der Rosskur war SAP deutlich besser als die Konkurrenz für das spätere Wiederanziehen der Konjunktur gewappnet und wuchs überproportional.

Ein ähnliches Kunststück muss Kagermann nun noch einmal vorführen, wenn auch unter ungleich schwierigeren Vorzeichen: Mit dem neu aufgelegten Sparprogramm will er vor dem Hintergrund einer drohenden weltweiten Rezession bis Jahresende rund zehn Prozent der laufenden Kosten einsparen – immerhin rund 200 Millionen Euro. Auch und gerade in der Entwicklung sieht Kagermann Raum zum Sparen: Lagen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2007 bei 14 Prozent des Umsatzes, sollen sie künftig wieder in Richtung des langjährigen Mittels von zwölf Prozent reduziert werden.

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So arbeitet bei SAP intern denn auch bereits eine Taskforce namens „Readiness for Development“, zu Deutsch: Effizienz in der Entwicklung. Deren Befunde sind ernüchternd: Von 36 Produkten, die SAP in der vergangenen Dekade angestoßen hat, haben nur acht mehr als 50 Kunden – ein teures Desaster. Schließlich gab SAP allein 2007 für Forschung und Entwicklung fast 1,5 Milliarde Euro aus. Drohende Flops wie die für ursprünglich für Anfang 2008 angekündigte, aber inzwischen um 12 bis 18 Monate verschobene Mittelstandssoftware Business By Design sprechen ebenfalls nicht gerade für ein gut funktionierendes Management der SAP-Produktentwicklung.

Gleichzeitig darf Kagermann den Bogen beim Sparen – insbesondere bei der Entwicklung – nicht überspannen. Denn bis auf das nicht von der Startrampe kommende Business By Design haben die Walldorfer derzeit keine größeren Softwareneuheiten in der Pipeline. Damit SAP gestärkt aus der derzeitigen Krise hervorgehen kann – wann auch immer deren Ende sein wird – muss das Unternehmen dringend sein Produktportfolio auf Vordermann bringen. Das geht nur mithilfe weiterer Investitionen – ein schwieriger Spagat. Do it again, Henning!

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