SAP vs. Oracle: Milliardenstrafe für Datenklau

SAP vs. Oracle: Milliardenstrafe für Datenklau

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SAP muss an Oracle Schadensersatz zahlen

von Matthias Hohensee

1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz soll SAP nach dem Willen einer kalifornischen Jury an seinen Wettbewerber Oracle zahlen. Zur Freude von Oracle-Chef Larry Ellison, der damit auch Wettbewerber Hewlett Packard eins auswischen kann.

Der Anwalt ist berühmt-berüchtigt. David Boies hat schon Bill Gates als Chefankläger der US-Regierung im Microsoft-Monopol-Prozess schlaflose Nächte bereitet. Bei SAP kann man die Pein des Microsoft-Gründers jetzt nachempfinden. Dienstagnacht deutscher Zeit erstritt der Ausnahmejurist ein spektakuläres Urteil, das im Silicon Valley und im fernen Walldorf wie eine Bombe einschlug. Wegen Verletzung geistigen Eigentums hat eine Jury in Kalifornien SAP zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz an Oracle verurteilt. „Das ist die höchste Summe, die jemals für Software-Piraterie verhängt wurde“, jubelt Oracle-Topmanagerin Safra Catz.

Dass SAP tatsächlich über seine ehemalige Tochter TomorrowNow Software von Oracle unbefugt nutzte, steht außer Frage. TomorrowNow hatte Oracle-Programme im Auftrag von Firmenkunden gewartet und dabei Software von Oracles Webseite illegal heruntergeladen.

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SAP hatte den Lapsus selbst eingestanden und die Tochterfirma geschlossen, in der Hoffnung auf eine außergerichtliche Einigung mit Oracle. Und war bereit, dafür etwas tiefer in die Tasche zu greifen, zwischen 50 und 100 Millionen Dollar wären denkbar gewesen. Mit Schadenersatz in Milliardenhöhe hatten hingegen selbst Beobachter in den USA nicht gerechnet. Das Schuldanerkenntnis war ein Fehler. Denn es zerstreute jegliche Zweifel bei den Juroren.

Larry Ellison hat diebische Freude

Larry Ellison jedenfalls hat diebische Freude daran, den ungeliebten Konkurrenten öffentlich als Betrüger vorführen zu lassen. Er nahm sich sogar die Zeit, um sich höchstpersönlich im Gerichtssaal über die unlauteren Methoden von SAP zu beklagen. Schließlich wurden dem Gründer und Chef des Softwarekonzerns Oracle in der Vergangenheit immer mal wieder unorthodoxe Geschäftsmoden nachgesagt, ohne dass dies jemals mit Fakten untermauert werden konnte. Jetzt sind ausgerechnet die sauberen Deutschen als Betrüger an den Pranger gestellt. Woran sich Ellison nach Auffassung von SAP-Gründer Hasso Plattner weidet.

Nicht nur das. Ellison kann nicht nur SAP, sondern gleich noch Wettbewerber Hewlett Packard eins auswischen. Zwischen HP und Oracle herrscht seit Monaten ein Grabenkrieg, nachdem Ellison kurzerhand den wegen Spesenbetrugs gefeuerten Ex-HP-Chef Mark Hurd als einen seiner Stellvertreter anheuerte. Seit September steht nun der ehemalige SAP-Chef Léo Apotheker an der Spitze von HP. Sehr zum Verdruss von Ellison. Denn es ist klar, dass Apotheker seinen neuen Arbeitgeber stärker ins Softwaregeschäft führen wird und damit auf Konfrontationskurs mit Oracle.

So richtig loslegen konnte der deutsche Manager bislang jedoch nicht. Noch nicht mal sein neues Büro in Palo Alto konnte er beziehen. Sein Aufenthaltsort wurde streng geheim gehalten. Denn der Datenklau von TomorrowNow fand in der Amtszeit von Apotheker statt.Oracle wollte ihn deshalb im Prozess vorladen lassen, um ihn aus Sicht von HP öffentlich vorzuführen und zu schikanieren.  Doch Ellisons Ermittler konnten Apotheker nicht aufspüren.

Das Urteil schränkt Apotheker nun  gleich mehrfach in seiner Handlungsfreiheit ein. Denn sein Ex-Arbeitgeber wird gegen die astronomische Schadenersatzsumme in Berufung gehen müssen. Weiteres Theater im Gerichtssaal ist damit programmiert, diesmal mit Beteiligung von Apotheker. Denn der HP-Chef muss  ja irgendwann mal am Firmensitz in Palo Alto auftauchen. In der Branche wird gemunkelt, dass Apotheker vor allem deshalb den Posten bei HP bekam, um seinen neuen Arbeitgeber durch die Übernahme von SAP aus dem Stand zu einer Größe im Softwaregeschäft zu machen.

Sollte es den Plan tatsächlich geben, so ist er erst einmal vereitelt. Niemand wird SAP übernehmen, so lange der Rechtsstreit mit Oracle nicht abschließend geklärt ist. Ellison hat schon deshalb kein Interesse daran, ihn vorzeitig zu beenden. Schließlich kann er so gleich zwei Konkurrenten in Schach halten. Zwar könnte SAP die 1,3 Milliarden Dollar zahlen – der Konzern hat 3,85 Milliarden Dollar Barreserven. Doch dann würden mit Sicherheit die Aktionäre von SAP auf die Barrikaden gehen.

Auch für Boies gibt es keine Verschnaufpause. Im Auftrag von Oracle verklagt er Google wegen der Verletzung von Patenten. Und dürfte damit dessen Chef Eric Schmidt noch einige Kopfschmerzen bereiten.

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