Satellitensystem: EADS droht bei Galileo leer auszugehen

Satellitensystem: EADS droht bei Galileo leer auszugehen

von Gerhard Bläske und Rüdiger Kiani-Kreß

Die Airbus-Mutter EADS gerät beim Satellitensystem Galileo ins Hintertreffen. Nun soll dem Konzern eine Schutzregel für den Mittelstand helfen.

EADS-Chef Louis Gallois hatte noch auf ein kleines Weihnachtsgeschenk aus Brüssel gehofft. Denn ursprünglich wollte die EU-Kommission noch vor den Festtagen den Auftrag für die Satelliten des Navigationssystems Galileo vergeben. Gallois hatte sich gute Chancen ausgerechnet. Doch die Entscheidung fällt jetzt erst Anfang Januar. Der Chef der Airbus-Mutter muss sich darüber nicht ärgern, denn das Votum der EU-Kommission hätte ihm wohl die Feiertagsstimmung verdorben.

Wie aus Industriekreisen zu hören ist, kann die EADS-Raumfahrttochter Astrium wohl bestenfalls mit einem Auftrag für 8 der 22 Satelliten rechnen. Die restlichen 14 darf wahrscheinlich das Bremer Familienunternehmen OHB bauen. Noch Anfang Dezember war Gallois davon ausgegangen, dass er OHB nur die ersten acht Satelliten überlassen muss. „Doch OHB kann vielleicht sogar alle 22 Satelliten bauen“, sagt ein Insider. „Das Angebot der Bremer ist sowohl preislich als auch inhaltlich deutlich besser.“ Die europäische Weltraumagentur ESA, die das Vergabeverfahren organisiert, habe der EU-Kommission empfohlen, die OHB-Offerte anzunehmen. OHB wollte dazu „keinen Kommentar“ abgeben. Bei der EADS-Tochter Astrium hieß es: „Uns liegen keine offiziellen Informationen vor.“

Anzeige

Mittelstandsregel soll schützen

Allerdings ist bei EADS Hektik ausgebrochen. Die im Januar erwartete Entscheidung betrifft möglicherweise nur 14 der 22 Satelliten. Die restlichen acht würden dann später vergeben. Da rechnet sich EADS-Chef Gallois noch Chancen aus. Doch die Bremer haben Astrium schon einmal ausgestochen: Sie bauten die anspruchsvollen Spionagesatelliten Sar-Lupe termingerecht und ohne Aufpreis. Astrium dagegen lieferte die vier Galileo-Satelliten der Erprobungsphase verspätet und rund 400 Millionen Euro teurer als geplant.

Nun klammert sich die EADS ausgerechnet an eine Regel, die den Mittelstand schützen soll. Damit vermeintliche Außenseiter wie OHB eine Chance gegen Konzerne wie EADS oder Thales erhalten, verlangt die EU, den Bau der Satelliten auf zwei Unternehmen zu verteilen. Doch Insider sind nicht sicher, dass EADS davon profitiert: Da die Konzerntochter Astrium die vier Vorserienmodell gebaut habe, verstoße möglicherweise auch ein Auftrag über alle 22 Satelliten an OHB nicht gegen die Dual-Sourcing-Vorschrift.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%