Saudi-Arabien: Der tüchtigste Unternehmer von allen

Saudi-Arabien: Der tüchtigste Unternehmer von allen

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Prinz Alwaleed bin Talal wurde als effizientester Unternehmer der arabischen Halbinsel ermittelt

von Hans Jakob Ginsburg

Eine arabische Wirtschaftszeitschrift hat den erfolgreichsten Unternehmer auf der arabischen Halbinsel ermittelt: Es ist der milliardenschwere saudische Prinz Alwaleed Bin Talal. Ihm gratuliert einer unserer Redakteure.

Königliche Hoheit,

Ehre, wem Ehre gebührt: „Arabian Business“, das hervorragende Wirtschaftsmagazin für die Golfregion, so etwas also wie die WirtschaftsWoche der Ölscheichs, hat den effizientesten Unternehmer auf der arabischen Halbinsel ermittelt. Und der Gewinner ist … Sie sind es, königliche Hoheit: Prinz Alwaleed Bin Talal! Der reichste unter den vielen Neffen des Königs von Saudi-Arabien, der große Investor in Banken, Hotels und Medienunternehmen in aller Welt, Nummer 19 unter den reichsten Menschen der Welt auf der berühmten "Forbes"-Liste – das haben wir alles schon gewusst. Aber jetzt auch noch der tüchtigste unter den vielen tüchtigen Unternehmern im Herzen Arabiens: Wie machen Sie das?

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Die Kollegen von „Arabian Business“ haben in ihrem Dubaier Büroturm zwei Daten über alle wichtigen Unternehmen der Golfstaaten durch den Computer gejagt: Zahl der Beschäftigten und offiziell ausgewiesene Gewinne für das erste Halbjahr 2010. Gewinn dividiert durch Mitarbeiterzahl – und fertig sind Effizienzwerte, von denen unsere deutschen Dax-Vorstände wohl noch nicht mal zu träumen wagen: Mobile Telecommunications aus Kuwait hat pro Mitarbeiter von Januar bis Ende Juni 207.000 US-Dollar Gewinn gemacht, ein saudisches Immobilienunternehmen namens Dar Al Arkan („Säulenhaus“ bedeutet der Firmenname) 446.000 Dollar, die First Gulf Bank aus den Emiraten 559.000 Dollar, und auf Platz zwei der Liste darf sich CEO Muhammad Ghannam über die 697.000 Dollar freuen, die von den Beschäftigten seiner Qatar Gas Transport Company erwirtschaftet wurden. Aber wenn man diese vier Werte addiert, kommt man immer noch nicht auf Ihr Ergebnis: Die Kingdom Holding Company in der saudischen Hauptstadt Riad kommt auf 2,96 Millionen Dollar Reingewinn pro Mitarbeiter.

19,4 Milliarden Dollar Vermögen

Großartig für Sie, den mutmaßlichen Alleinbesitzer, unangefochtenen CEO und unermüdlichen Inspirator unternehmerischer Erfolge der Holding. Und jetzt haben Sie sogar Ihr Erfolgsgeheimnis verraten: „Man muss seinen Leuten vertrauen. Man muss ihnen Verantwortung übertragen. Wenn sie hart arbeiten und herausragen, belohnt man sie, wenn sie nicht herausragen, muss man Schluss machen mit ihnen. Im Geschäftsleben gibt es absolut keinen Raum für Irrtümer!“ Toll.

Mit dem Raum für Irrtümer ist das natürlich so eine Sache, wenn wir beispielsweise an Ihr Investment bei der Citigroup oder beim Filmehersteller Kodak denken. Aber selbst da ist das Schlimmste wohl schon überstanden, und die breite Streuung Ihrer Investitionen hat manches Problem ausbügeln helfen: Anteile bei Pepsi-Cola und beim Mediengiganten News Corporation, bei vielen arabischen Unternehmen und bei Walt Disney, an Immobilienbesitz vom Feinsten in New York, London und Paris und an Hotelkonzernen wie Four Seasons und (kennen wir in Deutschland) Mövenpick. Reicht aus, um Sie auf der berühmten Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 19 zu bringen, mit geschätzten 19,4 Milliarden Dollar Vermögen.

Ein Vermögen, das Sie bis auf ein paar mittelständische Paläste in und um Riad nicht verprassen, sondern über Ihre Investmentmentgesellschaft  anlegen. Rühmlich – aber da entdecken wir ein Problem: Kingdom Holding hat natürlich darum bei unseren „Arabian Business“-Kollegen so überirdisch abgeschnitten, weil Sie in Ihrem Riader Büroturm mit 19 Angestellten auskommen. Der gesamte Halbjahresgewinn der Holding betrug vor wie nach Steuern (gibt’s bei Ihnen im Königreich ja keine) 56,2 Millionen Dollar. Mal angenommen, Sie stecken zwei Drittel Ihres Vermögens ins Geschäft (der Rest geht halt drauf für Paläste, Jets, Klamotten und den Notgroschen für alle politischen Fälle bei einer ungenannten Kantonalbank), dann hätte Kingdom Holding im ersten Halbjahr eine Rendite von 0,43 Prozent erwirtschaftet. Klingt bei einer Jahresinflation von deutlich über einem Prozent in den USA nicht mehr ganz so faszinierend.

Ändern Sie was daran, statt sich von „Arabian Business“ feiern zu lassen! Ein Vorschlag: Machen Sie statt dessen die WirtschaftsWoche zum Wochenmagazin Ihres Vertrauens und folgen Sie den Anlageempfehlungen meiner Kollegen aus dem Ressort Geld! Den ganz konservativen Tipps, Tagegeld, Festgeld und all diese Sachen, von denen Sie als Citigroup-Mitbesitzer sicher schon mal gehört haben. Ach ja – wenn Sie jetzt sagen, die WirtschaftsWoche bringe Ihnen nichts, weil Sie kein Deutsch lesen: Stellen Sie einen 20. Mitarbeiter ein, der Deutsch und Englisch kann, Ihnen die WirtschaftsWoche-Empfehlungen übersetzt und entsprechende Investments anregt. Vertrauen Sie ihm ein Milliardchen aus Ihrem Vermögen an, und mit Festgeld, zu zwei Prozent verzinst, haben Sie nächstes Jahr 20 Millionen mehr, von denen Sie dem herausragenden deutschen Mitarbeiter sicher gerne fünf Millionen abgegeben.

Das wäre doch was! Und wenn Sie keinen anderen finden, königliche Hoheit, empfiehlt sich für diesen Job mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung Ihr

Hans Jakob Ginsburg

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