Saudi-Arabien: Klammheimlich an die Weltspitze

Saudi-Arabien: Klammheimlich an die Weltspitze

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Mohamed al-Mady: "Nicht Wachstum um des Wachstums willen"

Das saudische Chemieunternehmen Sabic nutzt billiges Öl für seinen Angriff auf BASF & Co.

Wer hätte gedacht, dass es in einem Wüstenstaat ähnliche Probleme gibt wie in der Lagune von Venedig. Zu viel Sand auf der Baustelle kann eben auch von Übel sein, besonders wenn er Salzwasser ansaugt wie an der Golfküste Saudi-Arabiens. Was die Baumeister des Königs allerdings nicht daran hinderte, just dort eine gigantische Chemiestadt aus dem Boden zu stampfen. Die Labore, die Produktionsanlagen, die riesigen rot-weiß gestreiften Schlote und die schier endlosen Rohre – sie alle stehen in Jubail nun auf Stelzen im Salzschlick der Tiefebene.

35 Jahre ist es her, dass der Herrscher des Landes, damals noch König Chalid, sich über die Verschwendung in seinen Ölfeldern zu ärgern begann. Und über den Gestank. Zu dieser Zeit wurde das an den Bohrlöchern ausströmende Erdgas nämlich einfach abgefackelt. Er überlegte, was man aus Erdgas machen könnte – und ließ Kunststoff- und Kunstdüngerfabriken neben den Ölquellen planen.

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Im Ausland nahm man diese Pläne zunächst wenig ernst. Lange taten sich die Manager der 1976 gegründeten Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) schwer, wenn sie im Westen um Joint-Venture-Partner warben. Und das Beduinenzelt, das vor einigen Jahren bei der Weltkunststoffmesse Besucher an den saudischen Stand locken sollte, betrachtete die Branche eher als Kuriosum.

Das dürfte sich inzwischen geändert haben: Bei der internationalen Kunststoffmesse K war der Sabic-Stand einer der größten. Nach Meinung vieler Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis das rasant wachsende Unternehmen auch beim Umsatz die Konkurrenz überholt: die Chemieanbieter Dow und ExxonMobil aus den USA, aber auch den derzeitigen Marktführer – die deutsche BASF.

An der Börse steht Sabic bereits an der Spitze: Die Anleger bewerten den Konzern dieser Tage mit 74,6 Milliarden Dollar und damit höher als alle anderen der Branche. Was vielleicht damit zusammenhängt, dass Sabic selbst im Krisenjahr 2009 mit einem Gewinn von 2,4 Milliarden Dollar profitabler wirtschaftete als BASF & Co.

Die Branche schaut neidisch auf den Newcomer aus der Wüste

Entsprechend nobel ist die Firmenzentrale in der saudischen Hauptstadt Riad: In der Nähe des internationalen Flughafens gelegen, überragt das Doppel-Hochhaus von Sabic wie ein Triumphbogen alles andere in der Umgebung. Drinnen: edler schwarzer Marmor und funkelndes Licht. „Maßanfertigung aus Deutschland“, sagt der Mann, der die Besucherin in der Lobby abholt, und deutet an die Decke. Von der Kuppel hängt ein Kronleuchter herab, der mit gefühlt vier Metern Durchmesser größer ist als alles, was je in einem deutschen Firmenfoyer Platz fand.

Im Jahr 2002 hatte Kronprinz Abdullah – der heutige König – das Hochhaus eingeweiht. Mit Prinz Saud Ibn Abdullah Ibn Thenayan Al-Saud wacht nun ein weiteres Mitglied des Königshauses darüber, dass es weiter nach oben geht. „Wir haben uns ein klares Ziel gesetzt“, schreibt der Aufsichtsratschef im Vorwort der jüngsten Bilanz. Man wolle das „bevorzugte, führende Chemieunternehmen“ werden, „the world’s preferred leader in chemicals“.

Im 16. Stock des Hauses sitzt sein oberster Angestellter, Mohamed Al-Mady, auf einer mit weißer Seide bezogenen Ottomane und bemüht sich, den Ambitionen die bedrohliche Spitze zu nehmen. „Bevorzugt“ und „führend“ bedeute nicht notwendigerweise das „größte“ Unternehmen, sagt er betont bescheiden. „Wir wollen nicht Wachstum um des Wachstums willen, sondern, dass unsere Kunden die Produkte und den Service noch mehr schätzen.“

Der Mann ist ebenso Manager wie Diplomat. Einerseits gibt er seinen Mitarbeitern stramme Ziele vor: Nachdem sich die Produktion im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelte, soll sie nun jedes Jahr weitere zehn Prozent wachsen. Bis 2020 will Al-Mady dabei die 100-Millionen-Tonnen-Grenze überschreiten. Doch andererseits möchte er die Konkurrenz offenbar nicht mehr als nötig alarmieren. Nur so lässt es sich verstehen, dass Sabic sich als das „sechstgrößte petrochemische Unternehmen“ bezeichnet, obwohl Experten den Konzern längst auf Platz vier verorten.

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