Schaeffler/Continental: Continental läuft die Zeit davon

Schaeffler/Continental: Continental läuft die Zeit davon

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Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

Im Streit um Schaeffler und Continental stehen sich die Banken gegenseitig auf den Füßen. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann läuft die Zeit davon.

Dreikommafünf Milliarden Euro, es ist diese Zahl, die Continental-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann schon seit Monaten umtreibt und die er auch am Donnerstag in der Aufsichtsratssitzung wohl nicht nur einmal erwähnen wird. In einem Jahr muss der Autozulieferer ein Kreditpaket über genau diese Riesensumme ablösen. Und schon in diesem August muss Conti einen weiteren Kredit über 800 Millionen Euro zurückzahlen.

Angesichts der Summen, die Neumann mobilisieren muss, erscheint auch ein Jahr plötzlich kurz. Dem Chef des Reifenherstellers und Autozulieferers läuft die Zeit davon. Der Zusammenschluss mit dem Rivalen Schaeffler stockt. Die Struktur des künftigen Konzerns ist weiter völlig unklar – so es überhaupt zu einem Zusammenschluss kommt. Das machte Neumann vor wenigen Tagen auch in einem nicht mehr ganz freundlichen Brief an Maria-Elisabeth Schaeffler und Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger deutlich. Darin zweifelte er offen an, dass Schaeffler bereit sei, „die zur Klärung der offenen Probleme notwendigen Schritte anzugehen“.

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Lösung der Schuldenpobleme nicht in Sicht

Die Nervosität auf beiden Seiten ist verständlich. Continental und sein Übernehmer Schaeffler haben gemeinsam mehr als 22 Milliarden Euro Schulden – weit mehr als beide Unternehmen derzeit wert sind. Und eine „Lösung der Schuldenprobleme ist nicht in Sicht“, heißt es in Finanzkreisen. Erschwert wird die Lage dadurch, dass es auch unter den beteiligten Banken erhebliche Konflikte gibt. Viele Beteiligte scheinen derzeit vor allem darauf zu setzen, dass sich das operative Geschäft von Conti und Schaeffler so weit erholt, dass sich die Schuldenlast durch steigende Gewinne verringern lässt. Eine gefährliche Wette.

Continental, das durch die Übernahme von Siemens VDO unter mehr als zehn Milliarden Euro Schulden ächzt, braucht dringend frisches Kapital. Das würde Neumann gerne durch die Ausgabe neuer Aktien hereinholen. Einen entsprechenden Vorschlag will er am Donnerstag dem Conti-Aufsichtsrat unterbreiten. Doch noch ist unklar, ob die Vertreter des Großaktionärs Schaeffler um Aufsichtsratschef Rolf Koerfer dem zustimmen wollen – oder dürfen. Denn einige Schaeffler-Banken sollen sich gegen eine Kapitalerhöhung sperren.

Banken ringen um Kapitalerhöhung

Die Lage ist verzwickt. Einige Banken sind für eine Kapitalerhöhung um ein bis zwei Milliarden Euro mithilfe von externen Investoren, weil der Conti-Kurs dadurch steigen könnte: Die Aktie wird wieder leichter handelbar. Derzeit gilt das Papier durch den niedrigen Streubesitz als illiquide, sodass Fonds und andere Investoren es meiden. Eventuell, so die Hoffnung, könnte Conti wieder in den Leitindex Dax aufsteigen, was die Aktie zusätzlich beflügeln würde. Conti flog nach der Übernahme durch Schaeffler aus dem Dax.

Andere Kreditinstitute bezweifeln, dass Investoren wegen der verworrenen Lage großes Interesse zeigen. Und sie lehnen eine Kapitalerhöhung ab, weil diese die Schaeffler-Anteile an Conti, die derzeit bei den Banken verpfändet sind, stark verwässern würde. Der Anteil sänke von 90 auf mutmaßlich unter 70 Prozent.

Daran haben, wie Insider berichten, mehrere Institute kein Interesse, weil sie ihre Schaeffler-Kredite bereits weitgehend abgeschrieben hätten und nun darauf setzen, dass sich die Conti-Aktien auch ohne Kapitalerhöhung erholen. Ähnliches gelte für Maria-Elisabeth Schaeffler. Schließlich überstiegen die Schulden von Schaeffler den Wert der Vermögensgegenstände, sodass sie nichts zu verlieren habe und ruhig noch eine Weile auf eine sich wieder erholende Automobilkonjunktur setzen könnte. „Frau Schaeffler hat nichts von einer Verwässerung ihrer Anteile“, sagt ein ranghoher Frankfurter Banker. Es gilt deshalb noch keineswegs als ausgemacht, dass die Schaeffler-Vertreter im Conti-Aufsichtsrat der Kapitalerhöhung zustimmen werden.

Die große Unbekannte in der gesamten Rechnung ist die Automobilkonjunktur. Conti hat stark von der Abwrackprämie auf dem Heimatmarkt profitiert. Das und die massiven Stellenstreichungen, die Neumann durchgezogen hat, haben dazu beigetragen, dass das zweite Quartal bei Conti wieder profitabel war. Doch die Prämie wird in diesem Herbst wohl auslaufen und das erste Quartal 2010 könnte für den deutschen Markt extrem schwierig werden. Daher warnt ein Banker: „Aus Neumanns Sicht wäre es daher geradezu fahrlässig, auf steigende Gewinne zu hoffen und mit einer möglichen Kapitalerhöhung bis fünf vor zwölf zu warten.“

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