Schaufenster: Cooles Fast Food

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Frische oder vorgekochte Lebensmittel aus dem Kühlregal – Chilled Food genannt – heizen die Fantasie von Händlern und Herstellern an.

Ob gemischte Salate in der Plastikschale, fix und fertig geputzt und mit Balsamico-Dressing bestückt, Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Speck, Antipasti, Sushi oder frisch gepresste Säfte, alles natürlich ohne Konservierungs- und Aromastoffe – die Marketingabteilungen der Nahrungsmittelhersteller setzen verstärkt darauf, dass sich immer mehr Menschen immer weniger Zeit für Einkauf und Zubereitung von Lebensmitteln nehmen: Chilled Food heißt ihre Antwort für die Gehetzten.

Zwar sind die gekühlten, vorgegarten Mahlzeiten nichts anderes als Fast Food. Doch der durch Gammelfleisch, Pestizidbelastungen und Verbrauchergeiz gebeutelten Ernährungsindustrie, die den Umsatz im vergangenen Jahr preisbereinigt um kaum drei Prozent steigern konnte, beschert die Fix-und-fertig-Kost ein willkommenes Umsatzwachstum. Das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK errechnete für das vergangene Jahr einen Chilled-Food-Umsatz von drei Milliarden Euro; ein Plus von sieben Prozent.

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Der Trick dabei: Der Industrie ist es durch geschicktes Marketing gelungen, dem schnellen Essen den Makel des Minderwertigen zu nehmen, in dem sie die fast magische, schnelle Verfügbarkeit und den guten Geschmack anpreist, Nahrungsmittel also, die gekühlt und mit begrenzter Haltbarkeit zwischen drei Tagen und drei Wochen verkauft werden. Im Lebensmittelhandel hat Chilled Food so inzwischen sein Nischendasein verlassen. Alle großen Supermarktketten wie Edeka oder Rewe haben ihre Kühltheken für Chilled Food erweitert. Selbst Discounter wie Aldi und Lidl reduzieren ihr Joghurt-, Käse- und Wurst-Angebot, um Platz für Hotdogs, frische Pasta und vorgegarten Leberkäse zu schaffen. Denn die Hersteller liefern immer neue Alternativen zu Tiefkühl- und Dosenkost. Teilhaben am Goldrausch wollen alle: die großen Markenartikler wie Bonduelle mit frischen Salaten und Dressings, Schwartau mit der gekühlten Marmelade Fruitissima, Knorr mit den Obst- und Gemüsedrinks namens Vie oder der Chilled-Food-Pionier Hilcona. Das auf vorgekochte Nudeln und Nudelsaucen spezialisierte Unternehmen aus dem Fürstentum Liechtenstein (Werbespruch: „Für Besseresser“) mischt mit kühlfrischer Pasta seit 1984 mit. Inzwischen produziert Hilcona 15 der 25 umsatzstärksten Markenprodukte in diesem Segment.

Auch Newcomer und Mittelständler wittern Wachstumschancen: So der Catering-Spezialist Sander aus dem Hunsrück, der unter der Marke Cuisa Fertig-Food für den Handel produziert und pünklich zur Saison drei Spargelgerichte auftischt. Oder Steinhaus aus Remscheid, die Antipasti wie Vitello tonnato vom Rindfleisch mit Thunfisch-Sauce oder Schweinebraten mit Kräuter-Sauce ins Kühlregal bringen. Alle Beteiligten sehen noch Luft nach oben – im Vergleich zu Märkten wie Großbritannien ist Deutschland noch Chilled-Food-Entwicklungsland. Auf der Insel werden mit den Fertigmahlzeiten bereits über zehn Milliarden Euro umgesetzt.

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