Das Baritonsaxofon sticht sofort ins Auge. „Musik ist für mich die dritte Dimension neben der Uni- und der Businesswelt“, sagt August-Wilhelm Scheer, 64, der die deutsche Szene der Informationstechnologie entscheidend mitgeprägt hat. An der Universität Saarbrücken gründete er das Institut für Wirtschaftsinformatik, eines der ersten dieser Art in Deutschland, 1984 eröffnete er das Softwarehaus IDS Scheer, das er 1999 an die Börse brachte. Seither leitet der Forscher den Aufsichtsrat des Unternehmens, das derzeit 2500 Mitarbeiter beschäftigt und den Konzernumsatz bis 2010 auf 600 Millionen Euro verdoppeln will. Am Freitag dieser Woche wird Scheer mit dem Erich-Gutenberg-Preis ausgezeichnet, benannt nach dem Nestor der modernen deutschen Betriebswirtschaftslehre. Scheer, heißt es in der Laudatio, habe es wie kaum ein anderer seines Genres verstanden, komplizierte Unternehmensprozesse mithilfe von Computerprogrammen transparenter zu machen. Klar strukturiert ist auch das Ambiente in seinem Büro in der Saarbrücker IDS-Zentrale. Der Bauhaus-Stil dominiert. „Ich mag diese Geradlinigkeit, manche Büros liegen an der Grenze zum Aufgesetzten und wirken wie eine Revierabgrenzung“, sagt er und greift zum Glas mit wohltemperiertem Mineralwasser, das stets auf seinem Schreibtisch steht. Von seinem Arbeitsplatz aus hat er freie Sicht auf die Dächer Saarbrückens und auf einen alten Förderturm. „Für mich wirkt das wie eine Symbiose aus Old und New Economy“, sagt Scheer. Er genießt den Weitblick. Abends bevorzugt er die dritte Dimension, die Musik, Stücke etwa von Miles Davis oder Charlie „Bird“ Parker. Oder er spielt selbst. Bebop und Modern Jazz zum Beispiel im „Oliver Strauch/Frank Wunsch Quintett“.
Scheer: Baritonsaxofon im Büro
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