Schelsky-Prozess: Zeugin: AUB-Mitarbeiter wurden von Siemens bezahlt

Schelsky-Prozess: Zeugin: AUB-Mitarbeiter wurden von Siemens bezahlt

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Ex-AUB-Chef Wilhelm Schelsky (l) mit seinem Anwalt Rainer Steffens

Der Siemens-Konzern hat einer Zeugin im Schelsky-Prozess zufolge jahrelang Mitarbeiter bezahlt, obwohl diese ausschließlich für die Arbeitnehmerorganisation AUB tätig waren.

Das ergab die Aussage der Sekretärin heute im Prozess gegen den ehemaligen AUB-Bundesvorsitzenden Wilhelm Schelsky und den ehemaligen Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schelsky und Feldmayer vor, mehr als 30 Millionen Euro verdeckt an die AUB geleitet zu haben. Feldmayer muss sich wegen Steuerhinterziehung und Untreue verantworten, Schelsky wegen Steuerhinterziehung, Beihilfe zur Untreue und Betrug.

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Als Zeuge sagte auch der frühere Siemens-Personalleiter Eberhard Koffka aus. Er hat nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft einen ersten Rahmenvertrag ausgearbeitet, mit dem Schelsky beim Aufbau einer Gegengewerkschaft zur IG Metall unterstützt werden sollte. Der 82-jährige Koffka räumte ein, dass er Dokumente unterschrieben habe. Er habe aber immer auf Weisung der früheren Zentralvorstände Hermann Franz oder Günter Wilhelm gehandelt. Von wem er die Anweisungen genau bekommen habe, wisse er nicht mehr. „Wie die Zahlungen liefen, war mir nicht bekannt“, sagte er. Er habe keine Ahnung gehabt, dass Siemens mit Millionenbeträgen die AUB finanziert habe. Zahlungen zu überprüfen, sei nicht seine Aufgabe gewesen.

Koffka ergänzte, er wisse, dass Siemens-Mitarbeiter zur AUB-Geschäftsstelle gewechselt seien. Er wisse aber nicht, dass sie von Siemens weiterbezahlt worden seien. Es sei ihm auch unbekannt, wozu sie Sonderzahlungen bekommen hätten.

Siemens zahlte weiter

Die heute geladene Zeugin war bis 1990 Sekretärin im Erlanger Betriebsratsbüro von Siemens und damit die Sekretärin von Wilhelm Schelsky gewesen. Als dieser sich selbstständig machte, ging sie mit. Sie arbeitete bis zum Jahr 2000 in der AUB-Bundesgeschäftsstelle in Nürnberg. Danach wechselte sie als Lohnbuchhalterin in Schelskys Unternehmensberatungsfirma. Bis zum April 2001 sei ihr Gehalt dennoch ausschließlich von Siemens bezahlt worden. Sie habe auch mehrfach Sonderzahlungen von Siemens von bis zu 7000 Euro erhalten.

Hinter den Kulissen habe sie alle paar Jahre in eine andere Siemens-Sparte gewechselt. „Das ging alles problemlos“, sagte sie vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. „Da gab es keine großartigen Verhandlungen.“ Sie habe sich nichts dabei gedacht - „Hauptsache, das Geld kam.“ Ab April 2001 wurde sie dann von Schelsky selbst bezahlt. Sie schied offiziell bei Siemens aus, erhielt aber von der Personalabteilung eine fünfjährige Wiedereinstellungszusage.

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