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Schiesser: Finger weg vom Parkett

von Christine Weissenborn Quelle: Handelsblatt Online

Der Unternehmer und Modedesigner Wolfgang Joop will Schiesser an die Börse bringen. Ein ungünstiger Zeitpunkt. Experten halten es für eine Herkulesaufgabe die angestaubte Traditionsmarke Schiesser zu revitalisieren. Das Unternehmen muss erst einmal beweisen, dass es Geld verdienen kann.

Wolfgang Joop: Der Zeitpunkt für einen Börsengang von Schiesser scheint ungünstig zu sein. Quelle: dpa
Wolfgang Joop: Der Zeitpunkt für einen Börsengang von Schiesser scheint ungünstig zu sein. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Wolfgang Joop hatte mal eine Firma, die seinen Namen und ein Ausrufezeichen dahinter trug. Er hat sie längst verkauft, mit "Wunderkind" weitergemacht und auf das Ausrufezeichen verzichtet. Doch seine jüngste Nachricht funktionierte wie selbiges: Eine Minderheitsbeteiligung beim insolventen Traditionsunternehmen Schiesser strebe er an und gemeinsam mit Insolvenzverwalter Volker Grub einen Börsengang. Nach Handelsblatt-Informationen mit finanzkräftiger Unterstützung der Wella-Erben Ströher, die bereits hinter Joops "Wunderkind"-Projekt stecken. Ein Marketingcoup - der Analysten allerdings wenig begeistern kann.

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Denn die Kombination aus dem Pleite-Feinripphersteller Schiesser und Mode-Maestro Joop wäre nicht das erste Gespann, das in diesem Jahr an die Börse strebt. Fulminant waren die Parkettgänge in den meisten Fällen nicht. Die Berliner Wohnungsgesellschaft GSW Immobilien AG etwa hat nur zwei Tage vor dem geplanten Debüt abgesagt. Der Modehersteller Tom Tailor dümpelt noch immer bei seinem Einstiegskurs von 13 Euro. Einzig der chinesische Armaturenhersteller Joyou, der Chemielogistikkonzern Brenntag und Kabel Deutschland konnten Gewinne in erwähnenswerter Höhe verzeichnen.

Deshalb reagierten Analysten auf die Ankündigung Joops verhalten. Die angestaubte Traditionsmarke Schiesser zu revitalisieren sei eine Herkulesaufgabe, sagte etwa Klaus Kränzle von GSC Research. Wie bei Tom Tailor sei es Herausforderung genug, das Unternehmen zu stabilisieren. "Den Zeitpunkt für einen Börsengang empfinde ich als unpassend", sagte Kränzle. "Die sollen erstmal zeigen, dass sie Geld verdienen können."

Auch der Berater Franz Schmid-Preissler kann dem Zusammenschluss der Namen Joop und Schiesser wenig abgewinnen. "Ich verspreche mir von dem Namen Joop im Zusammenhang mit Schiesser gar nichts", sagte er. Außer, dass Joop Publizität ernte und das einem möglichen Börsengang nütze, sagte er.

Vielleicht sind die Unkenrufe ohnehin verfrüht - denn dass Wolfgang Joop den Zuschlag erhält, ist nicht einmal sicher. "Die Variante Joop ist nur eine von mehreren Optionen, die dem Gläubigerausschuss präsentiert wird", sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Grub. Noch nicht hundertprozentig klar sei zudem, dass an dem Tag des Gläubigerausschusses auch eine finale Entscheidung falle. "Bis Ende Juni wird an der Option gearbeitet", sagt er. Wie hoch genau die Minderheitsbeteiligung von Joop im Zweifelsfall sein wird, ist gleichfalls noch zu verhandeln. Auch wenn keine konkreten Zahlen genannt wurden, so um die 80 Millionen Euro dürfte Schiesser insgesamt wohl kosten.

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