Schiesser: Im Feinripp aufs Börsenparkett

KommentarSchiesser: Im Feinripp aufs Börsenparkett

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Schiesser-Unterwäsche: Viele Verbraucher kennen die Marke schon aus Kindheitstagen

Mit Unterstützung des Modeschöpfers Wolfgang Joop macht sich Schiesser aus der Insolvenz heraus fit für den Börsengang. In der Marke steckt noch Musik, meint WiWo-Redakteur Peter Steinkirchner.

Heinrich und Hanna sind aus feinstem Doppelripp gefertigt, Annabel besteht aus Jersey und Veronika, ja, Veronika lockt doch tatsächlich mit feinstem Feinripp – die klassischen Unterwäschemodelle von Schiesser machen sich seit einigen Jahren einen Spaß daraus, allein schon durch die Wahl ihrer Produktnamen mit dem arg verstaubten Image der Wäschefirma zu spielen und es durch ironische Umarmung ins Gegenteil zu verkehren: Feinripp-Nerds sind angesagt. „Schiesser Revival“ heißt diese Untermarke des Radolfzeller Traditionsunternehmens, die bei Berlin-Mitte-Hipstern in ganz Deutschland noch immer einen guten Klang hat. Und Schiesser Revival kann zugleich als Überschrift über der jüngsten Entwicklung des Unternehmens stehen: Heute Abend stimmte die Gläubigerversammlung des Herstellers von Unter- und Nachtwäsche dem Insolvenzplan von Volker Grub zu.

Hoffnung für die Gläubiger

Der sieht vor, die Feinripp-Firma im zweiten Quartal 2011 an die Börse zu bringen. Geht der Plan auf, sollen aus dem Erlös aus der Notierung im Prime Standard die Forderungen der Schiesser-Gläubiger bedient werden. Die belaufen sich seit der Insolvenz des Wäscheherstellers im Februar 2009 auf 67 Millionen Euro. Hauptgrund für die Pleite waren damals vor allem unrentable Lizenzverträge mit Marken wie Levi's und Hilfiger, die inzwischen jedoch größtenteils aufgelöst worden sind. Schiesser selbst schreibt bereits wieder schwarze Zahlen. Vor dem Hintergrund hatte Grub den Gläubigern mutig eine Rückzahlungsquote von mindestens 70 Prozent avisiert. Spült der Börsengang wie erhofft mehr Geld in die Kassen, soll das in künftiges Wachstum investiert werden. Wenn das klappt, könnte sich die Quote womöglich auch 100 Prozent annähern.

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Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Plans ist jedoch, dass die Marke noch funktioniert. Natürlich macht Grub schön Wetter für sein Sorgenkind. Doch steckt dahinter wohl tatsächlich mehr als Zweckoptimismus - auch in der Modebranche sieht man durchaus Chancen für ein wiederbelebtes Schiesser: „Wenn es den Schweizern der Edelmarke Zimmerli gelungen ist, ihre Wäsche zum begehrenswerten Markenartikel zu machen, warum sollte das nicht auch mit Schiesser funktionieren?“, sagt ein Branchenkenner. Vorbild könnte auch die Strumpfmarke Falke sein – den Sauerländern ist es gelungen, der simplen Socke durch Qualitätsanspruch und cleveres Marketing in den Augen der Kundschaft zu einem Mehrwert zu verhelfen. Warum sollte das nicht auch mit Schiesser klappen. Die nötige Bekanntheit bringen die Schlüpfer-Fertiger auf jeden Fall mit.

Trends setzen

Ob es dazu aber wirklich nötig und klug ist, mit Wolfgang Joop einen Star als Kreativchef einzuspannen – da ist schon eher Skepsis angesagt. Denn wenn Schiesser mehr sein will als ein alterndes Label mit einem coolen Vorzeigeableger, dann sollte die Marke auch im Gros ihrer Kollektionen wirklich neue Wege gehen und sich nach einem anderen Frontmann umschauen. Zwar wird auch bei Trendsettern das Wirken des Altmeisters nach wie vor mit Respekt gesehen – Joops Marke Wunderkind erntet sehr viel Lob für seine kreativen Entwürfe. Doch einen wirklichen Trends setzenden Einfluss mag man Joop nicht mehr wirklich abnehmen.

Stattdessen sollte Schiesser sich etwas mehr Zeit gönnen und sich etwa ein Beispiel an der lange Zeit leidenden Sportmarke Reebok nehmen: Das Sorgenkind aus der Adidas-Gruppe findet gerade zurück in die Erfolgsspur – indem es neue Produkte auf den Markt zu höheren Preisen auf den Markt brachte, sich aus dem Preiswert-Segment herauszog und nach harten Jahren nun die Begehrlichkeit für die US-Marke neu weckte.

Ähnlich könnte es bei Schiesser funktionieren. Tödlich allerdings wäre es für die Marke und ihre Zukunft, nur einseitig auf Masse zu setzen – Unterhosen gibt es schließlich viele auf dem Markt. Heinrichs und Hannas jedoch nur bei Schiesser.

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