Schiffbau: Frankreich greift nach deutscher U-Boottechnik

Schiffbau: Frankreich greift nach deutscher U-Boottechnik

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Die Bundesregierung warnt vor der Fusion DCNS/ThyssenKrupp

Paris drängt die französische Staatswerft DCNS dazu, mit der ThyssenKrupp-Schiffbausparte zu fusionieren. Ein internes Papier der Bundesregierung warnt dem Zusammengehen. Die Befürchtung der Deutschen: Frankreich würde so leicht an deutsche U-Boottechnik gelangen.

Wie ein Ozeanriese schiebt sich der dreistöckige Klinkerbau in der Nähe des Eiffelturms spitz in die Rue Michel Sextius. Der Pariser Firmensitz der DCNS spiegelt das Selbstbewusstsein eines Schiffsbaukonzerns wieder, der seit fast 400 Jahren französische Marinegeschichte schreibt. Die Direction des Constructions Navales Services (DCNS) steht auch heute noch mit dem Flugzeugträger Charles de Gaulle und atomgetriebenen U-Booten für einen wesentlichen Teil der nuklearen Abschreckungs-Strategie der Grande Nation.

Dieses ruhmreiche Unternehmen ist in Schwierigkeiten geraten, niemand auf der Welt ordert mehr Flugzeugträger oder Atom-U-Boote. Deshalb hat Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin einen Plan ausgeheckt: Die DCNS, mehrheitlich im Staatsbesitz, soll mit dem Marinegeschäft des deutschen Rivalen ThyssenKrupp fusionieren. Der baut Brennstoffzellen-U-Boote, die billiger, leiser und kleiner sind. Sie sind bestens für den Küstenschutz geeignet und für die Terroristenjagd. Und sie sollen innerhalb eines großen deutsch-französischen Werftkonzerns helfen, das Dilemma veralteter Großtechnik, unter dem die Franzosen leiden, zu überwinden. Einziger Haken: Die Deutschen sträuben sich gegen eine Zusammenarbeit. Und auch das Berliner Wirtschaftsministerium gibt Schützenhilfe gegen die Avancen von Morin. Ein internes Gutachten, das Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Auftrag gegeben hat – und das der WirtschaftsWoche vorliegt – urteilt harsch: Bei einem Einstieg der Franzosen „droht der Verlust der inländischen Technologiebasis“.

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Der Griff nach den ThyssenKrupp-Werften wäre die zweite Stufe, die Morin zur Sanierung der französischen Werftenszene zünden würde. Die Schwäche der Werften von Brest und Cherbourg milderte er mit dem erzwungenen Einstieg des französischen Rüstungsunternehmens Thales, das DCNS als Systemlieferant Elektronik zuliefert. Nationale Konsolidierung war das Stichwort. Mit dem angestrebten Zusammengehen mit den ThyssenKrupp-Werften soll die Gesundung der DCNS jetzt auf europäischer Ebene stattfinden. Setzt sich Paris durch, könnte ein Werftengigant mit zehn Schiffbaustandorten entstehen, die Hälfte davon in Frankreich, mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro.

Die ThyssenKrupp-Manager wehren sich standhaft gegen alle Avancen – und sind sich dabei mit den Verteidigungspolitikern, die das Anti-Trust-Gutachten vorsorglich in die Öffentlichkeit lancierten – völlig einig. Die Abwanderung deutscher Rüstungstechnologie an die oft dominant auftretenden Franzosen soll unter allen Umständen verhindert werden – auch wenn die plötzlich aufgetretenen, massiven Probleme im Stahlmarkt eine neue Konzernstrategie nötig machen sollten. ThyssenKrupp drosselt jetzt seine Stahlproduktion. Das Schlaraffenland im Stahlgeschäft scheint unterzugehen. Das könnte den Verkauf von Randgeschäften – auch des Schiffbaus – in gar nicht so ferner Zukunft realistisch erscheinen lassen.

Zwei Welten

Zwei Welten: Werftstandorte von ThyssenKrupp und DCNS (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Doch die Furcht, die weltweit einzigartige Technologie deutscher Unterwassergefährte zu verlieren, ist größer als die Angst vor einem von der Stahlkrise gebeutelten ThyssenKrupp-Konzern. „Der französische Wunsch ist durchsichtig, sich unserer Technik zu bemächtigen“, sagt daher ein deutscher Werftenmanager. Auch die bei ThyssenKrupp mächtige IG Metall ist strikt gegen einen Ausverkauf der Werfttechnologie an die französische Staatswerft. „Das führt nur zur Verlagerung unserer Arbeitsplätze an die Côte d’Azur“, sagt ein Metaller. Die DCNS produziert in Saint-Tropez Torpedos, die auch ThyssenKrupp in Kiel bei der HDW herstellt.

Laut Glos-Studie passen ThyssenKrupp und DCNS nicht zusammen. Knapp 40 Prozent des Umsatzes erziele DCNS mit atomgetriebenen U-Booten – ein Geschäftsfeld, das für das deutsche Unternehmen tabu ist. Und das konventionell angetriebene DCNS-U-Boot Scorpène hat nicht nur auf den Märkten gegen die deutschen Brennstoffzellen-Tauchboote keine Chance, sie lassen sich anscheinend nur durch Korruption und staatliche Unterstützung verkaufen. Tatsächlich flossen nach französischen Presseberichten in den vergangenen Jahren Millionenbeträge an Mittelsmänner in Drittwelt-Staaten über ein System von Firmen in Steueroasen wie der Isle of Man oder den Bahamas.

In einen solchen Korruptionsstrudel will man sich bei ThyssenKrupp nicht hineinziehen lassen.

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