Schiffbau: Heikler Deal mit Abu Dhabi

16. Dezember 2009
Zukunftsweisend: U-Boot "U31" Quelle: APBild vergrößern
Zukunftsweisend: U-Boot "U31" von HDW mit Brennstoffzellen-Antrieb Quelle: AP
von Gerhard Bläske

Der Bundesregierung droht Ärger mit Nato-Partner Frankreich, wenn sie sich nicht gegen Abu Dhabis jüngsten Investmentwunsch stellt. Die Übernahme von Anteilen der Kieler Howaldtswerke Deutsche Werft durch Abu Dhabi Mar wäre ein heikler Deal.

Die U-Boote der Kieler Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW) sind ein Juwel der deutschen Marinetechnik – und ein internationaler Verkaufsschlager. Denn die ThyssenKrupp-Tochter war der erste Schiffbauer, der U-Boote mit einem Brennstoffzellen-Antrieb ausrüstete, und ist noch heute führend darin. Kein Wunder, dass sich andere nicht nur für die Technik interessierten, sondern gleich für die gesamte Werft. So versucht die französische Staatswerft DCNS seit Jahren, Zugriff auf die deutsche U-Boot-Technologie zu bekommen – bisher vergeblich. Die Bundesregierung lehnt einen Know-how-Transfer ab. Aufgrund des Außenwirtschaftsgesetzes darf Berlin einen Verkauf von mehr als 25 Prozent an einem sicherheitsrelevanten Unternehmen verbieten.

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Nun hat sich ein neuer Interessent für HDW gemeldet: Der führende arabische Schiffbauer Abu Dhabi Mar will 24,9 Prozent der HDW-Anteile übernehmen. Er kennt sich aus in Norddeutschland, hat schon die Rendsburger Schiffswerft Nobiskrug erworben und kauft von ThyssenKrupp große Teile der Hamburger Werft Blohm & Voss. Zudem will Abu Dhabi Mar mit den Deutschen auch beim Bau von Korvetten und Fregatten zusammenarbeiten. Ein Einstieg der Araber bei HDW sicherte dem Kieler Unternehmen gewiss satte Aufträge aus Nahost.

Strategische Weitsicht gefragt

ThyssenKrupp hat schon längst die Lust am Schiffbau verloren. Die Wirtschaftskrise hat nicht nur das Kerngeschäft des Stahlkonzerns getroffen, auch die Werften leiden unter der weltweiten Flaute. Viele Kunden stornieren ihre Aufträge oder versuchen zumindest, den Preis zu drücken. Zudem haben die Werften Probleme, den Bau von Schiffen vorzufinanzieren, wie es traditionell üblich ist. Schon geistert an der Küste die Frage herum: Lohnt sich Schiffbau in Deutschland – auch angesichts der asiatischen Billigkonkurrenz – künftig noch?

Deutschlands Werften müssen sich auf den Bau von hoch technisierten Spezialschiffen konzentrieren. Dazu gehört allerdings auch die Herstellung von U-Booten mit Brennstoffzellen-Antrieb. HDW bleibt also attraktiv. Nun steckt allerdings die Bundesregierung in einem Dilemma. Die Übernahme von 24,9 Prozent der HDW-Anteile durch die Araber könnte sie nicht stoppen. Das Gesetz greift erst bei einem Kauf von mindestens 25 Prozent. Doch soll sie tatenlos zuschauen, wie Abu Dhabi das gelingt, was sie dem Nato-Partner Frankreich verwehrt hat? Hier ist strategische Weitsicht gefragt, nicht konfuse Kurzsicht. Die Bundesregierung sollte Abu Dhabi zu verstehen geben, dass ein Einstieg bei HDW unerwünscht ist.

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Kommentare | 7Alle Kommentare
  • 17.12.2009, 14:28 UhrTorsten Müller

    Mann muss nicht alles verkaufen was wertvoll ist, weder nach Frankreich, noch nach sonstwo.

  • 17.12.2009, 10:30 UhrRalf

    Na immerhin investiert hier ein Staatsfond ordentlich Geld in eine Sparte, die über kurz oder lang in Deutschland eh nicht mehr wettbewerbsfähig sein kann. Hochsubventioniert vielleicht.. bravo.. Zu den U-booten. Mir ist es allemal lieber ein Staatsfonds aus Abu Dhabi erwirbt absolut legal 24.9 Prozent seines Kapitals in die Zukunft einer deutschen industriesparte, als das wieder Steuermillilarden hierbei draufgingen. Die, die das so gerne wollen, können ja gerne aus ihrem eigenen Poremonaie diese Zahlungen leisten. ich bin bereit dazu. Und bezüglich Schreckgespenst Nahost: ein User hat hier gerne mal iran, Syrien und den Abu Dhabi Deal in einen Topf geworfen. Dabei sollte man wissen, dass Abu Dhabi ideologisch eher in Konfrontation mit den erwähnten Ländern steht. Es ist also wahrscheinlich dass Deutschland israel hin und wieder U-boote und Fregatten in Millionenhöhe schenkt, als das Abu Dhabi dies mit dem iran tun würde. ;)

  • 17.12.2009, 05:49 UhrDeutscher

    Hallo Liebe Herren, Wirtschaft hin , Auftrag her es handelt sich hier um Wehrtechnologie zur Landesverteidigung, nicht um Autos, Kühlschränke oder ähnlichen Gütern.
    Die bundesregierung muss hier Strategisch und klug agieren. bei Wehrtechnologie sollte nicht dem schnellen Dollar nachgejagt werden sondern Verteidigungspolitische Fragen entscheiden: Wer kauft die Uboot? Koennen die Uboote gegen die Nato eingesetzt werden? bringt ein Verkauft von Ubooten das strategische Gleichgewicht in einer Weltregion durcheinandner? Man kann nicht alles nur wirtschaftlich laufen lasse. Die Wirtschaft ist dort gefragt wo sie ist. Klar muss auch Thyssenkrupp genug Geld bekommen, wenn keiner Uboote kauft, baut man sie auch nicht, aber bitte ein wenig mehr weitsicht in solchen Dingen. Der Einstieg von Abu Dahbi bringt sicher mehr AUftraege im Nahost, Gefahr ist aber Technologietransfer und Verkäufe an Staaten wie iran oder Syrien.

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