Schifffahrt: Reederei aus Singapur zögert bei Angebot für Hapag-Lloyd

Schifffahrt: Reederei aus Singapur zögert bei Angebot für Hapag-Lloyd

Bild vergrößern

Hapag Lloyd: Das Kreuzfahrtschiff "MS Europa" im Dock in Hamburg

Vor kurzem stellte der Touristikkonzern Tui seine Reedereisparte Hapag-Lloyd zum Verkauf. Doch das Interesse an der traditionsreichen Hamburger Reederei ist gering: Ronald Widdows, Chef der achtgrößten Reederei NOL aus Singapur und einer von zwei Bietern, lässt sich beim möglichen Kauf von Hapag-Lloyd Zeit.

Bislang habe das Unternehmen mit seiner Marke APL kein bindendes Angebot abgegeben, sagte Widdows heute auf einer Presseveranstaltung in Singapur. Zudem sei noch nicht klar, ob es überhaupt geschehe. “Wir prüfen derzeit, ob wir ein finales Angebot machen”, so Widdows.

Widdows bezeichnete einen Kauf von Hapag-Lloyd weiterhin als erstrebenswert. Gleichzeitig räumte er ein, dass dies "keine einmalige Gelegenheit" im Leben sei. Wenn die Zeit für eine Akquisition jetzt nicht reif sei, dann sei es so. Dann würde er Ausschau nach anderen Akquisitionen halten. Den Kauf von Wettbewerbern präferiert Widdows eindeutig vor organischem Wachstum.

Anzeige

Zwei Bieter für Hapag-Lloyd

NOL ist einer von zwei Bietern für die Tui-Tochter Hapag-Lloyd. Der Touristikkonzern in Hannover  verkauft die Logistiktochter auf Druck von Großaktionären. Der Bieterprozess befindet sich in der zweiten Phase. Die Frist für ein bindendes Angebot läuft voraussichtlich im September ab. Neben NOL steht auch ein Hamburger Konsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne bereit.

Der NOL-Chef betonte weiterhin grundsätzliches Interesse an Hapag-Lloyd. Widdows hob die gemeinsamen Managementphilosophien heraus: Beide Reedereien konzentrieren sich mehr auf Profitabilität als auf Wachstum. Zudem ergänzten sich die Verkehrsnetze optimal. NOL ist mit seiner Marke APL besonders stark im Verkehr innerhalb Asiens und zwischen Asien und Amerika. Hapag-Lloyd ist Marktführer auf der Linie zwischen Europa und Amerika. Bei einem möglichen Kauf würde NOL zur drittgrößten Reederei avancieren - mit Marktführerschaft im transatlantischen und transpazifischen Bereich.

Garantien für Belegschaft und Markenname wollte Widdows mit Hinweis auf den laufenden Verkaufsprozess nicht geben. Es sei “zu früh”, über solche Entscheidungen zu sprechen. Widdows bekräftigte aber, dass er die Vorteile, die aus dem Namen Hapag-Lloyd als Premium-Marke und aus dem hoch qualifizierten Managementpersonal sowie der Besatzungen “auf intelligente Art und Weise” nutzen werde. Den Widerstand gegen einen Verkauf der Hamburger Traditionsreederei bezeichnete Widdows als “nicht überraschend”. Keiner möchte, dass sein Arbeitgeber verkauft werde.

Düstere Aussichten für Schifffahrt

Zu dem möglichen Preis wollte sich Widdows nicht äußern. Mit Blick auf die sich eintrübenden Wirtschaftsaussichten und den hohen Ölpreis könnte ein Angebot aber womöglich deutlich niedriger ausfallen. Die ursprünglich von Beteiligten genannten fünf Milliarden Euro scheinen ohnehin Makulatur. Auch die jüngst genannten 3,5 Milliarden Euro könnten zu hoch gegriffen sein.

Der Grund: Widdows zeichnete ein düsteres Bild der Branche. Auf der transpazifischen Route war das Wachstum der Importe aus Asien nach USA im ersten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahresquartal negativ. “Das haben wir noch nie gesehen”, sagte Widdows. Die Frachtraten seien dort immherin relativ stabil.

Schwieriger sei die Situation auf der Route Europa-Asien. Zwar würde die Nachfrage nach Containerkapazitäten in diesem Jahr weiterhin um rund sechs Prozent wachsen, doch ein Überangebot an Containerkapazitäten von rund sechs Prozent habe die Frachtraten auf der Strecke um rund die Hälfte fallen lassen. Branchenweit sank der Netto-Preis (ohne Treibstoffzuschlag) für einen Container der doppelten Standardgröße auf rund 500 US-Dollar - von ehemals 1000 US-Dollar.

Ein Ende scheint zudem nicht in Sicht. In den kommenden Jahren werden 150 neue Containerschiffe der oberen Größenordnung (mehr als 8000 Standardcontainer) die bestehenden Flotten - insbesondere auf der Europa-Asien-Route - ergänzen. Der Ausbau der Kapazitäten dürfte bei einer weiteren Abnahme der Nachfrage den wirtschaftlichen Druck auf die Reedereien erhöhen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%