Schiffsbranche: "Liquidität der maritimen Wirtschaft verbessern"

Schiffsbranche: "Liquidität der maritimen Wirtschaft verbessern"

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Hans-Joachim Otto

von Hermann J. Olbermann

Der maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto, zum Krisentreffen der Schiffsbranche an diesem Donnerstag.

WirtschaftsWoche: Herr Otto, an diesem Donnerstag kommen Reeder, Schiffbauer, Schiffsfinanzierer und die Wirtschaftsminister der Küstenländer zum SOS-Gipfel nach Berlin. Ist Deutschlands maritime Wirtschaft noch zu retten?

Otto: Ja, ich gehe fest davon aus. Das Treffen hat einen ganz klaren Fokus, nämlich die Liquiditätslage der maritimen Wirtschaft in Deutschland zu verbessern. Wir haben in der Vergangenheit ja schon spezifische Erleichterungen für diese Branche geschaffen: zum Beispiel die Tonnagesteuer für die Seeschifffahrt, die Innovationsbeihilfen für den Schiffbau oder Ausbildungsbeihilfen. Schließlich haben wir mit dem Wirtschaftsfonds Deutschland ein Instrumentarium, das alle Branchen nutzen können, also auch die maritime. Jetzt wollen wir mit den Vertretern der maritimen Branche klären, wie sich die vorhandenen Instrumente so einsetzen lassen, dass sie optimal wirken, ohne andere Branche zu benachteiligen.

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Weitere Hilfen schließen Sie aus?

Es gibt Banken, die sich stärker in der maritimen Wirtschaft engagieren möchten. Sie versuchen, die Liquidität, die es am Kapitalmarkt unstreitig gibt, für den maritimen Bereich zu mobilisieren. Das sind privatwirtschaftliche Lösungen. Weitere staatliche Hilfen sehe ich jenseits der vielen bereits bestehenden Instrumente nicht.

Die HSH Nordbank, der weltgrößte Schiffsfinanzierer, steckt selbst in der Krise.

Selbstverständlich kommt auch die HSH Nordbank zu dem Treffen am Donnerstag. Sie wird zu ihrer Verantwortung stehen. Immerhin ist sie eine Staatsbank, und die HSH-Anteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein haben ein starkes Interesse an einem weiteren Engagement der Bank.

Mehrere Werften haben schon Insolvenz angemeldet, Reeder können ihre Schiffe nicht auslasten. Warum sollten sich Banken in diesem Bereich stärker engagieren?

Die grundlegende Einschätzung ist: Wir haben hier ein tiefes Tal zu durchschreiten, aber nach zwei, drei oder fünf Jahren werden Seeschiffbau und Seeschifffahrt in Deutschland wieder rentabel arbeiten.

Warum halten Sie am Schiffbau in Deutschland fest, obwohl asiatische Werften kostengünstiger arbeiten und selbst deutsche Reeder dort ordern?

Wir wollen die exzellente Kompetenz des deutschen Schiffbaus erhalten, insbesondere im Bau von Spezialschiffen. Damit sichern wir auch das ausgezeichnete Know-how der Zulieferindustrie in Deutschland. In einigen Bereichen der maritimen Wirtschaft sind wir sogar Weltmarktführer. Außerdem stehen die meisten Werften in strukturschwachen Gebieten. Für den Standardschiffbau, insbesondere für den Containerschiffbau, sehe ich in Deutschland allerdings keine großen Perspektiven.

Die Nordic-Werften in Wismar und Rostock müssen erneut saniert werden. Gelingt es jetzt?

Der neue Eigner, der russische Unternehmer Witali Jussufow, hat den Auftrag für den Bau eines Spezialtankers an Land gezogen. Und wir sind optimistisch, dass er alles tun wird, um die Finanzierung sicherzustellen. Wir sind auch optimistisch, dass es Anschlussaufträge geben wird. Sie sind zwar noch nicht unterschrieben, ein Abschluss scheint aber möglich. Das haben die Auftraggeber selbst bestätigt.

Wenn es nicht so kommt?

Wir gehen davon aus, dass Nordic neue Aufträge erhält. Eine Sonderregelung des Bundes für diese Werft wie auch für andere wird nicht möglich sein.

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