Schleckers Apothekenpläne: Pillen-Tresen in Tschechien

Schleckers Apothekenpläne: Pillen-Tresen in Tschechien

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Die Zentrale der Drogeriemarktkette Schlecker, nahe Ehingen (Alb-Donau-Kreis)

Im Nachbarland hat die Drogeriekette bereits ihre ersten Apotheken eröffnet und baut den Online-Handel mit Medikamenten auf.

In Deutschland ist Anton Schlecker Start in den Arzneimittelhandel vorerst missglückt. Zwar hat die nach ihrem Gründer ihm benannte, mit 10 000 Filialen größte deutsche Drogeriekette Schlecker angekündigt, noch in diesem Monat in die Domäne der Apotheker einbrechen zu wollen – bisher jedoch gelingt es Schlecker-Gegnern offenbar, dies mit Eilklagen zu verhindern.

Mehr Erfolg hat Schlecker mit seinen Apothekenplänen bereits im Nachbarland Tschechien: Das grüne Kreuz mit der Schlange und dem Äskulapstab leuchtet dort bereits über  sieben Schlecker-Läden. In der Apotheken-Hauptfiliale, mitten in einem tristen aber bevölkerungsreichen Plattenbauviertel der Hauptstadt Prag gelegen, rahmen Regale mit Wimperntusche Marke Maybelline, Biomüsli und billigen Regenschirmen den Apotheken-Tresen ein. Schlecker integriert seinen Pharmaverkauf nach amerikanischen Drugstore-Vorbild in seine Drogeriegeschäfte. Vorn liegt das gewohnte Angebot aus Körperpflegemitteln, Haushaltsartikeln und Lebensmitteln aus. An der Rückseite des Ladens befindet sich ein separater Pharma-Tresen, unterteilt in einen Schalter für freiverkäufliche und einen für verschreibungspflichtige Medikamente. Im Raum dahinter reichen Schubladen mit fachgerecht sortierter Ware bis unter die Decke – ganz wie in jeder anderen Apotheke in Tschechien und Deutschland.

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Den Unterschied macht der Preis: Für Standard-Arznei wie Aspirin-Brausetabletten, Canesten-Pilzcreme oder schmerzlinderndes Voltaren-Gel verlangt Schlecker durchschnittlich 15 Prozent weniger als konventionelle Apotheken. Ganz so großzügig wie in Deutschland, wo die Drogeriekette Medikamente bis zu 45 Prozent billiger verkaufen will, ist das Unternehmen auf seinem Testmarkt Tschechien offenbar nicht.

Auch Tschechien allerdings kann Schlecker nicht nach Lust und Laune mit Apotheken pflastern, denn auch dort darf nicht jeder Drogist einfach eine Apotheke eröffnen. Er braucht eine Lizenz des staatlichen Arzneimittel-Kontrollinstituts, zudem muss ein staatlich geprüfter Apotheker mit Universitätsabschluss hinter dem Tresen stehen.

Aber Anton Schlecker hatte Glück: Die tschechische Pharma-Lizenz fiel ihm in den Schoß, als er im vergangenen Jahr die 130 Filialen der Drogeriekette Droxi von der österreichischen Meinl-Gruppe übernahm. Droxi hatte bereits Lizenzen für vier Geschäfte. Nun will Schlecker das Netz ausweiten. In den Städten Budweis und Brünn gibt es bereits Schlecker-Apotheken, nach Brancheninformationen soll auch in Karlsbad nahe der deutschen Grenze eine öffnen.

Allein mit dem traditionellen Pillen- und Salbenhandel gibt Schlecker sich jedoch nicht zufrieden: Unter dem Namen „Clevere Apotheke“ baut das Unternehmen in Tschechien auch einen Internet-Bestelldienst auf: Kunden können sich bereits auf der Website der cleveren Apotheke registrieren. Bald sollen sie ihre Medikamente im Internet ordern und dann innerhalb von fünf Tagen bei der Schlecker-Filiale ihrer Wahl abholen können. „Für den Online-Dienst warten wir jetzt auf das Startsignal aus Deutschland“, sagt eine Prager Schlecker-Apothekerin. In zwei Monaten, bestätigt eine Mitarbeiterin in der tschechischen Schlecker-Zentrale, solle es losgehen.

Branchenkenner beurteilen Schleckers Chancen im tschechischen Online-Medikamentenhandel skeptisch: „Schleckers neue Methode ist zwar interessant“, sagt Peter Ivancak, Gesundheitsmarktexperte des Marktforschungsunternehmens GfK Tschechien, „aber das Interesse der Bevölkerung am Online-Handel mit Medikamenten scheint noch nicht groß zu sein.“ Er schätzt den Online-Anteil am tschechischen Medikamentenmarkt auf höchstens zwei Prozent. Durchaus möglich, dass die Tschechen sich in den kommenden Jahren für Billig-Medikamente per Inernet-Bestellung erwärmen. Dann jedoch droht Schlecker starke einheimische Konkurrenz: Die tschechische Post bereitet einen eigenen Online-Versandhandel mit Medikamenten vor.

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