Schmiergeld: Deutsche Konzerne auf Bewährung

Schmiergeld: Deutsche Konzerne auf Bewährung

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Ein Bauschild von Bilfinger Berger liegt Montag an einer U-Bahnbaustelle in Düsseldorf. So korruptonsfrei, wie lange behauptet wurde, ist das Unternehmen wohl doch nicht.

Unternehmen legen detaillierte Compliance-Programme auf, die gegen Bestechlichkeit vorbeugen sollen. Doch der Nutzen ist umstritten. Verschwinden werden die dunklen Seiten des deutschen Exporterfolgs nur begrenzt, wie risante Schmiergeldfälle mit deutscher Beteiligung zeigen. Geschäfte in korrupten Staaten bleiben Vabanquespiele.

Auf Fragen nach den Geschäften von Bilfinger Berger im korruptionsbelasteten Nigeria reagierte Vorstandschef Herbert Bodner stets glatt. Schon vor dem Fall Siemens habe er „ein Compliance-System eingeführt, also eine Struktur, die Korruption im Geschäft unterbindet“, antwortete der Chef des zweitgrößten deutschen Baukonzerns vor einem halben Jahr. Jeder Mitarbeiter wisse, „wie ernsthaft wir mit der Sache umgehen“. Auch Julius Berger – Bilfingers nigerianische 49-Prozent-Tochter – habe ein Compliance-System. Das heiße zwar nicht, so Bodner, „dass es in Nigeria keine Korruption gäbe. Aber nicht bei Julius Berger“.

Heute gibt sich Bodner weniger sicher. Mitte Februar offenbarte der Manager, der Bilfinger seit elf Jahren führt und im Juli den Stab an den ehemaligen hessischen Regierungschef Roland Koch übergibt, die US-Justiz interessiere sich für Julius Berger. Es gehe um einen sieben Jahre alten Fall, in den ein amerikanischer Konsortialpartner von Julius Berger involviert sei. Vergangene Woche wurde bekannt, dass auch in Deutschland ermittelt wird. Angeblich geht es um 170 000 US-Dollar, die 2004 an nigerianische Amtsträger geflossen sein sollen. Bilfinger- beziehungsweise Julius-Berger-Manager haben sich selbst angezeigt bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, die den Fall jetzt an die Kollegen in Frankfurt abgegeben hat.

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Schattenseiten deutscher Exporte

Wundern tut das keinen, der die Verhältnisse in dem westafrikanischen Land kennt. Julius Berger ist mit 18 000 Mitarbeitern Nigerias größter privater Arbeitgeber und gilt als Machtzentrale, die sich sogar um die medizinische Behandlung des früheren Staatschefs Umaru Yar’Adua gekümmert haben soll. Schmiergeldvorwürfe gab es immer wieder, nur kein Urteil. Auch Ermittlungen wegen Korruption und Geldwäsche gegen drei deutsche Berger-Manager endeten im Herbst 2010 mit einem Vergleich: Julius Berger zahlte 29,5 Millionen Dollar in Nigerias Staatskasse.

Der Fall wirft ein grelles Licht auf die Schattenseite deutscher Exporterfolge. Zwar verpflichten die Unternehmen, seit große Korruptionsskandale Siemens, MAN, Daimler und Ferrostaal erschüttern, ihre Mitarbeiter mit strikten Compliance-Programmen zur Rechtstreue. Gleichzeitig feiern sie ihre Ausfuhren in Länder, die zu den korruptesten der Welt gehören. Nach Russland etwa lieferten deutsche Unternehmen 2010 Waren im Wert von mehr als 25 Milliarden Euro – die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) führt das Land bei der Bestechlichkeit auf Platz 154 – in einem Ranking, das mit den saubersten Staaten Singapur, Dänemark und Neuseeland beginnt und mit den korruptesten auf Rang 178 endet.

Gute Geschäfte mit dem Sudan

Selbst die sind nicht tabu – etwa der Sudan, der bei TI auf Platz 172 rangiert. „Für uns ist das ein wichtiges Land“, sagt etwa Bernd Kordes, Geschäftsführer des Ingenieur- und Energiedienstleisters Lahmeyer International mit Sitz in Bad Vilbel bei Frankfurt. Die Hessen zählen eigentlich zu den Korruptionssündern, die Umkehr schwören. Lahmeyer wurde 2004 im südafrikanischen Königreich Lesotho verurteilt, weil das Unternehmen in den Neunzigerjahren bei einem großen Staudamm-Projekt in sieben nachgewiesenen Fällen Schmiergeld gezahlt hatte. Dafür wurde Lahmeyer von 2006 bis 2013 von Aufträgen der Weltbank ausgeschlossen.

Um den Wandel in der Geschäftspolitik zu dokumentieren, gibt es bei Lahmeyer seit 2007 „Grundsätze der Geschäftsethik“. Die weltweit 1150 Mitarbeiter müssen „in allen Aspekten ihres professionellen Handelns Gesetzestreue, Aufrichtigkeit und Fairness walten lassen“, heißt es in dem Elf-Seiten-Papier. Keiner darf „Zahlungen, persönliche Geschenke oder Einladungen verlangen oder anbieten, von denen bei vernünftiger Betrachtung angenommen werden muss, dass sie geschäftliche Transaktionen beeinflussen“. Niemand darf den „Geschäftspartnern im öffentlichen und privaten Sektor unzulässige Vorteile anbieten oder gewähren“.

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