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Schmiergeld-Vorwürfe gegen Formel-1-Chef: Ecclestone droht nach Gribkowsky-Urteil schnelle Anklage

von Tobias Döring Quelle: Handelsblatt Online

Bernie Ecclestone soll Gerhard Gribkowsky Millionen Schmiergeld gezahlt haben. Nach einem rechtskräftigen Urteil gegen den Ex-BayernLB-Vorstand könnte es zu einem europäischen Haftbefehl gegen den Formel-1-Chef kommen.

Augen zu und durch? Bernie Ecclestone droht eine Anklage wegen Korruption. Quelle: dpa
Augen zu und durch? Bernie Ecclestone droht eine Anklage wegen Korruption. Quelle: dpa

DüsseldorfNach dem Schmiergeld-Geständnis des ehemaligen BayernLB-Vorstands Gerhard Gribkowsky nimmt der Druck auf Bernie Ecclestone zu. Dem Formel-1-Chef droht eine Anklage wegen Korruption vor dem Landgericht München. Gribkowsky hatte gestanden, von Ecclestone 44 Millionen Dollar „Bestechungsgeld“ bekommen zu haben.

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Am kommenden Mittwoch werden im Gribkowsky-Prozess die Plädoyers gehalten. Danach folgt das Urteil gegen den Ex-Manager der BayernLB. „Ist das Urteil rechtskräftig, kann es ganz schnell gehen“, sagt Otto Lagodny, Professor für ausländisches Straf- und Strafverfahrensrecht in Salzburg Handelsblatt Online. Denn ein rechtskräftiges Urteil gegen Gribkowsky würde das Vorgehen gegen Ecclestone beschleunigen. Es könnte rasch Anklage erhoben werden.

So lange das Urteil nicht rechtskräftig sei, bestehe für Gribkowsky in einem möglichen Gerichtsverfahren gegen Ecclestone „immer die Gefahr der Selbstbelastung“, sagt Lagodny.

Der Strafrechts-Experte geht zum Abschluss des Prozesses gegen Gribkowsky von einer Übereinkunft zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung aus. „Beide Seiten verzichten auf Rechtsmittel, das gehört zu so einem Deal dazu“, sagt Lagodny. Dann könne das Urteil bereits im Gerichtssaal rechtskräftig werden.

Gribkowsky hatte nach fast achtmonatigem Schweigen im Prozess gestanden, von Ecclestone „einen Riesenberg Geld“ erhalten zu haben. Genauer gesagt: 44 Millionen Dollar Schmiergeld. Dafür habe er die BayernLB-Beteiligung an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft an den britischen Investor CVC verkauft. Ecclestone wollte die Landesbank als unbequemen Anteilseigner loswerden.

Der BayernLB entstand ein Schaden von 66 Millionen Dollar, die Ecclestone für den Deal an Provision erhielt – wovon dieser zwei Drittel an Gribkowsky weiterreichte. „Ich hätte diese Provision schlicht ablehnen sollen“, sagte Gribkowsky in seinem Geständnis. Ihm drohen nun bis zu neun Jahre Gefängnis. Bereits vor dem Geständnis hatte Gribkowskys Verteidiger das Gespräch mit der Anklage gesucht, der Prozess war daraufhin vertagt worden.


Gefährliches Spiel für Ecclestone

Ecclestone übernahm nach dem Verkauf an den Investor CVC den Posten als Geschäftsführer der Formel 1. Gribkowsky habe nur versucht, „sich selbst zu retten“, sagte Ecclestone der britischen Zeitung „Daily Telegraph“. In seiner Zeugenaussage vor rund einem Jahr hatte er die Zahlung als Schweigegeld dargestellt. Gribkowsky habe gedroht, ihn bei den Steuerbehörden anzuschwärzen. „Er hat mich erpresst und ich wollte kein Risiko eingehen“, sagte Ecclestone damals.

Die Münchener Staatsanwaltschaft will die Folgen der Gribkowsky-Aussage für Ecclestone nicht kommentieren. „Wir gehen davon aus, dass es bei einer Bestechung auch einen Bestecher gibt“, sagte ein Sprecher lediglich gegenüber der „Financial Times Deutschland“.

Ecclestones Anwalt Sven Thomas hält die Aussage Gribkowskys weder für bindend noch für verwertbar, sollte es zu einem Prozess gegen seinen Mandanten kommen. „Die Einlassung erfolgte, nachdem das Gericht in einer Reihe von Beschlüssen unmissverständlich eine weitreichende Verurteilung angekündigt hatte“, erklärte der Anwalt nach dem Geständnis. Außerdem habe Gribkowsky sich teilweise widersprüchlich geäußert.

Bis zur Rechtskräftigkeit des Urteils gegen Gribkowsky würde nun das Ermittlungsverfahren gegen Ecclestone weitergeführt, erläutert Strafrechts-Professor Lagodny. Dann könnte Anklage erhoben werden - und auch ein Haftbefehl folgen.

„Sobald ein dringender Tatverdacht und ein deutscher Haftbefehl vorliegt, kann ein europäischer Haftbefehl erwirkt werden.“ Ecclestone ist britischer Staatsbürger. „Liegt ein europäischer Haftbefehl vor, könnte Herr Ecclestone in ganz Europa festgenommen werden“, sagt Lagodny. „Das kann für Ecclestone ein ganz schön gefährliches Spiel sein.“


Formel-1-Teams hüllen sich in Schweigen

Der 81-Jährige hätte „Großbritannien-Arrest“ und könnte nicht mehr ausreisen. Das würde Ecclestone als Formel-1-Chef wohl unhaltbar machen. Der „kleine Mann“, wie Gribkowsky den gerade mal 1,60 Meter großen Herrscher des Rennzirkus in seiner Aussage genannt hatte, begleitet die Formel 1 stets mit seinem riesigen Wohntruck.

So fuhr Ecclestone auch am vergangenen Wochenende mit dem Wohnwagen beim Großen Preis von Europa in Valencia vor. Ecclestone ist nach wie vor erster Verhandlungspartner der Rennteams. Aktuell geht es um Sparmaßnahmen und ein neues Concorde Agreement, in dem die Geldverteilung an die Teams, den Internationalen Automobilverband und die Formula One Group geregelt ist.

Daher hüllen sich die Teams zur Schmiergeld-Anschuldigung lieber in Schweigen. Der deutsche Autobauer Mercedes wollte die Angelegenheit mit dem Verweis auf das schwebende Verfahren nicht kommentieren. Einzig McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh sagte: „Das Timing ist denkbar schlecht“.

Neben der Münchener Staatsanwaltschaft muss der Formel-1-Chef nun auch noch die britische Steuerbehörde fürchten. Nach einem Bericht des Magazins „Focus“ wurden Ermittlungen eingeleitet. Die Briten hätten in dem Fall bereits das Bundesfinanzministerium um Amtshilfe ersucht.

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