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Schmiergeldaffäre: Siemens: Ermittler der US-Behörde SEC im Anflug

von Andreas Wildhagen

Beamte der US-Börsenaufsicht SEC wollen in der Siemens-Schmiergeldaffäre Manager vernehmen. Ex-Aufsichtsräte und Vorstände bei Siemens dürfen sich auf einiges gefasst machen. Denn die Ermittler aus den USA gelten als wenig zimperlich.

Siemens an der US-Börse Quelle: dpa
Siemens an der US-Börse: Vor Euphorie die Regeln übersehen Quelle: dpa

Für so manche Siemens-Manager verliefen die Nächte in diesem Sommer unruhig – nicht nur wegen der Hitze. „Viele machen sich Sorgen um den nächsten Tag“, sagt ein verschreckter Mitarbeiter aus dem Mittelbau.

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Die Angst vieler einst so stolzer Siemensianer gilt Einladungen, die jeden Tag im Briefkasten liegen können, deren wahre Bedeutung sie nicht einschätzen können und deren Ausgang sie fürchten müssen. „Es sind mehr Vorladungen als Einladungen für Vernehmungen“, klagt ein ehemaliger Siemens-Manager, der das schon erlebt hat und der lieber anonym bleiben möchte. Nun kritisiert Ulrich Wastl von der Münchner Kanzlei Westpfahl & Spilker, einer der Anwälte der Vorgeladenen: „Die Vernehmungen bei Siemens entsprechen nicht deutscher Rechtskultur.“

Hunderte von Mitarbeitern des Münchner Konzerns sind in den vergangenen Monaten von Vertretern der US-Rechtsanwaltskanzlei Debevoise & Plimpton in die Zange genommen worden. Die Amerikaner wurden von Siemens beauftragt, im Zuge der Korruptionsaffäre Verantwortliche und Mitwisser herauszufinden. „Das war mehr ein Verhör als eine Vernehmung“, erschaudert der Ex-Simensianer noch heute.

Doch das war erst das Vorgeplänkel. Für Siemens und seine Manager kommt jetzt alles noch dicker. Zwei Ermittler der US-Börsenaufsicht SEC haben sich in München angekündigt. Sie wollen mit den zuständigen Staatsanwaltschaften Nürnberg und München Beschuldigte und Zeugen in der Korruptionsaffäre vernehmen.

US-Staatsanwälte schalten sich ein

Zugleich öffnen US-Ermittler gerade eine zweite Front gegen Siemens: Der Konzern soll jahrelang den griechischen Telekomkonzern OTE bestochen haben, Siemens-Produkte überteuert zu kaufen. Da OTE – wie Siemens – an der Börse in New York gelistet ist, hat zum einen auch hier die SEC Handhabe für Ermittlungen. Zum anderen schalten sich nun US-Staatsanwälte ein und ermitteln gegen frühere Siemens-Manager, weil die Korruptionszahlungen von bisher festgestellten 1,5 Milliarden Euro amerikanische Siemens-Konkurrenten außerhalb der USA – etwa in Griechenland – benachteiligt haben sollen.

„US-Staatsanwälte sammeln zurzeit über die griechischen Ermittlungsbehörden Material über den Bestechungsfall OTE durch Siemens“, sagt ein ehemaliger Siemens-Manager in Griechenland, der auch selbst durch Fragen von US-Ermittlern in Bedrängnis gebracht wird. Ausgelöst haben die neue Welle an Beschuldigungen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Athen gegen fast 40 Personen.

Wenn in den nächsten Tagen zwei Beamte der US-Börsenaufsicht in München sind, dann stehen neue, bohrende Fragen bei Siemens bevor. Zum Beispiel, wer im früheren Siemens-Vorstand von angeblichen Korruptionsfällen in Griechenland wusste. „Gegen sie haben auch US-Konkurrenten von Siemens Schadensersatzansprüche“, befürchtet der Anwalt eines Ex-Siemens-Managers.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.10.2008, 13:34 UhrAnonymer Benutzer: Kalix

    in den US-Geschäften mit Japan und Südostasien ist es gängig, dass die Töchter und Söhne von wichtigen Geschäftspartnern angeboten wird, nach dem Abitur bis zum Hochschulabschluß auf Kosten der US - Firma in USA zu studieren; inkl. Appartement, KFZ und Taschengeld. Was machen die US- Amerikanern in Südamerika, wo in annähernd jedem Land die staatliche Korruption bestimmt, wer was für einen Auftrag erhält?. Warum zwingt die US - Regierung boeing und McDouglas nicht, getrennte bücher für die zivilen und militärischen Aktivitäten zu führen ? Und wir lassen uns von der US-börsenaufsicht vorführen; das ist super, das ist wunderbar.

  • 02.10.2008, 10:24 UhrAnonymer Benutzer: Immer wieder erstaunlich

    ich bin mir überzeugt dass nach den Ermittlungen der SEC Siemens in der heutigen Form nicht mehr existieren wird. Einer der erfolgreichsten dt. industriekonzerne wird unter dem Deckmantel der bestechung systematisch zerstört. Wer mal mit einem LKW über mehrere Grenzen in Richtung Osten fährt wird sehr schnell die Erfahrung machen dass er ohne backsisch nicht weit kommt. Wer glaubt dass irgend ein Großprojekt ohne die entsprechenden Mitteln genehmigt wird glaubt auch an den Weihnachtsmann. Gerade Amerika mit Sicherheit eines der rührigsten Länder in diesem bereich exerziert es in Nahen Osten doch täglich vor. Wieder mal wird ein dt. Unternehmen zur Geschichte weil die dt. Politik dabei noch behilflich ist und die Firmen mit ruiniert.
    Man kann es eigentlich kaum noch fassen.

  • 13.08.2008, 17:42 UhrAnonymer Benutzer: gLobal

    interessante Einhelligkeit der Meinungen zum Thema. Ob das den betroffenen auffällt oder gar interessiert?
    Vielleicht wäre es gut, wenn sich unser Politiker einmal die Anschaffung eines atomgetrieben Flugzeugträgers der Niemitz-Klasse überlegen würden. Diesen an der richtigen Stelle "geparkt" bringt Aufträge ohne Schmiergeldzahlungen zu uns und das völlig frei von jeder Uno-Meinung und SEC Untersuchung. Leider scheitert diese wahrscheinlich innenpolitisch am Atomausstiegskonzept. Während anderswo die Politiker Unternehmen bei der Auftragseinwerbung direkt unterstützen (mit und ohne Flugzeugträger) stellt man sich hierzulande absolut nicht schützend vor seine Unternehmen. Wie auch, wenn gerade erfolglos alle, aus den mageren Diäten, verfügbare Energie eingesetzt wird eine Querulantin der 3.Reihe (Ypsilanti) zu bremsen. Was sind da schon ein paar 1000 Arbeitsplätze bei Siemens, kommt eh nicht mehr drauf an, scheint sich mancher zu denken.

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