Schmiergeldaffäre: Umstrittene Provisionszahlungen bei MAN auch heute noch üblich

Schmiergeldaffäre: Umstrittene Provisionszahlungen bei MAN auch heute noch üblich

Das korruptionsanfällige Provisionssystem des Nutzfahrzeugherstellers MAN, das Anfang Mai umfangreiche Korruptionsermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft auslöste, existiert auch heute noch.

Bei LKW und Bussen mit bis zu 15,9 Tonnen Gesamtgewicht zahlt das Unternehmen maximal 1000 Euro, bei schwereren Fahrzeugen bis zu 1500 Euro Vermittlungsgebühr. Das belegen interne Dokumente, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Ein Rundschreiben der Geschäftsführung des Nutzfahrzeuge-Vertriebs vom 22. Oktober 2002 an die Verkaufsmitarbeiter definierte die Provisionsobergrenzen, die noch heute gelten.

Die Dokumente belegen auch, dass das Management um den damaligen MAN-Nutzfahrzeug- und heutigen Konzernchef Hakan Samuelsson die Korruptionsanfälligkeit des Systems und seine Schwachstellen kannte. In dem Schreiben von 2002 wird betont, erlaubt seien nur Entgelte „für tatsächlich geleistete Vermittlertätigkeit“. Die Worte „tatsächlich geleistete“ sind fett hervorgehoben. Unterschrieben ist der zweiseitige Text vom heutigen Vorstand der MAN-Nutzfahrzeugsparte, Peter Erichreineke, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt und der derzeit sein Amt ruhen lässt.

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MAN versuchte Schmiergeldzahlungen einzuschränken

Immer neue Regeln sollten in den folgenden Jahren den Schmiergeldfluss drosseln. 2003 verbot das Management dem Vertrieb zwar in einem Schreiben „ausdrücklich“, Preisnachlässe „verdeckt in Form von Vermittlerprovisionen zu gewähren“. Ab 2006 waren „Provisionen an Gelegenheitsvermittler grundsätzlich zu vermeiden“, Ausnahmen in „begründeten Einzelfällen“ sollten aber möglich bleiben. 2008 wurde daran erinnert, bei „Provisionen für verkaufsunterstützende Berater“ sei ein von der Zentrale genehmigter Beratervertrag Voraussetzung – offenbar nicht immer gängige Praxis.

Bei MAN wird es als Erfolg gesehen, durch die ständig verschärften Vorschriften das Volumen der gesamten Provisionszahlungen in Deutschland von rund zwei Millionen Euro pro Jahr bis heute auf einen sechsstelligen Betrag gedrosselt zu haben. In den Jahren 2002 bis 2005 sind demnach rund zehn Millionen Euro an Provisionen geflossen - zehn Prozent davon, rund eine Million Euro, hält die Staatsanwaltschaft bisher für unrechtmäßige Zahlungen.

Korruptionsverbote bei MAN nach Ländern abgestuft

Ob die Konzernspitze um Samuelsson hart genug durchgegriffen hat, stellt ein weiteres MAN-Dokument in Frage. Eine interne Anweisung vom Februar 2007„zur Bekämpfung von Korruption“ differenziert deutlich zwischen unzulässigen Zahlungen in Deutschland und EU einerseits und in „Drittländern“ andererseits.

„Das Anbieten, Versprechen oder Gewähren von Vorteilen an Private im geschäftlichen Bereich“ sei hierzulande unzulässig, heißt es darin. In Drittländern sei dies „in jedem Fall dann unzulässig, wenn dadurch der deutsche Wettbewerb beeinträchtigt wird“. Der Revisionschef eines Dax-Konzerns hält die MAN-Direktive für „definitiv falsch“. Zu beachten seien auch Gesetze anderer Länder: „Und seit 2002 verbietet das Strafgesetzbuch Korruption auch im Ausland.“

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