Schmiergeldprozess: Ex-BayernLB-Manager vor Gericht

Schmiergeldprozess: Ex-BayernLB-Manager vor Gericht

Bild vergrößern

Gerhard Gribkowsky

Seit fast zehn Monaten sitzt der ehemalige Bankvorstand Gerhard Gribkowsky in U-Haft. Spuren hat die lange Zeit nicht hinterlassen. Zum Auftakt des Prozesses wegen Untreue und Bestechlichkeit gab er sich lässig und siegessicher.

Der Banker hat sich seinen Stil bewahrt: Dunkler Anzug mit Weste, Krawatte, Einstecktuch. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht München erschien der frühere BayernLB-Manager Gerhard Gribkowsky wie zu einer Vorstandssitzung. Nach fast zehn Monaten in Untersuchungshaft gab er sich vor Gericht gut gelaunt und ließ sich auch von der Anklage nicht aus der Ruhe bringen. Mit einem leicht belustigten Blick hörte er zu, was sie ihm vorwirft: 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld soll "Dr. Gri“, wie er in den Unterlagen heißt, von Bernie Ecclestone, dem Chef der Formel 1, angenommen haben.

Damit hat er sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft der Untreue und Bestechlichkeit schuldig gemacht. Ob sich der Angeklagte dazu äußern möchte, fragte der Richter. "Nein danke“, sagte Gribkowsky. Mehr als 40 Zeugen müssen deshalb in dem Mammutprozess aussagen, darunter auch Ecclestone selbst. Schlimmstenfalls drohen Gribkowsky nach Angaben einer Sprecherin bis zu 15 Jahre Haft, falls er verurteilt wird. Soweit wird es nach Einschätzung seiner Anwälte aber nicht kommen. Sie gehen davon aus, dass die Anklage in sich zusammenfällt undGribkowsky das Gericht als freier Mann verlassen wird. Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat die millionenschweren Korruptionsvorwürfe zurückgewiesen. „Fakt ist, dass unser Mandant eine Bombe entschärft hat“, sagte sein Verteidiger Rainer Brüssow am Montag zum Prozessauftakt. Gribkowsky habe durch sein geschicktes Verhandeln beim Verkauf der Formel-1-Rechte durch die Landesbank den Steuerzahler vor dem Verlust von hunderten von Millionen Euro bewahrt.

Anzeige

Der ganz große Deal für Doktor Gri

Sein altes Leben in Freiheit ging für Gribkowsky am 5. Januar 2011zu Ende. Damals stand die Staatsanwaltschaft vor der Tür seiner Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald und brachte ihn in die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Zum Verhängnis geworden war dem Manager mit einem Jahresgehalt von mehr als einer halben Million Euro ein ganz großer Deal, für den er als Vorstand bei der BayernLB verantwortlich war: Er sollte die Anteile an der Formel 1, die der Bank als Sicherheit für einen Kredit der insolventen Kirch-Gruppe geblieben waren, zu Geld machen. Ecclestone war heilfroh darüber, die Banken endlich loszuwerden, die aus seiner Sicht keine Ahnung von dem Rennzirkus hatten. Gegen den Briten wird selbst ermittelt. Er spielt laut Anklage eine Hauptrolle in dem Krimi, schließlich sollen von ihm die Gelder an Gribkowsky stammen, die als Beratungshonorare getarnt waren. Gribkowskys Verteidiger Brüssow erklärte, er rechne in dem Verfahren mit einem Freispruch. Sein Mandant habe seinerzeit das Beste für die Landesbank herausgeschlagen und sich nichts Strafbares zu Schulden kommen lassen. „Solche Zahlungen sind in der Formel 1 üblich, auch in dieser Höhe.“ Die Staatsanwaltschaft habe die Beweise einseitig zu Lasten des Ex-Bankers ausgelegt und betreibe eine „heilige Hetzjagd“.

„Die Banken hatten, ganz anders als Ecclestone, keine Erfahrungen mit dem Formel 1-Sport“, sagte Staatsanwalt Martin Bauer. Ihr Engagement dort sei keine strategische Entscheidung gewesen, sondern Folge der Kirch-Insolvenz. „Dies wurde von Ecclestone als Bedrohung der Formel 1 und somit seines Lebenswerks gesehen.“ Als Käufer für die Anteile wünschte er sich den britischen Investor CVC, der ihn als Chef akzeptierte. Gribkowsky sollte laut Anklage dafür sorgen, dass der Verkauf gelang und dafür mit 44 Millionen Dollar bei Laune gehalten werden.

66,5 Millionen Dollar Schaden

Gribkowsky verkaufte die Anteile schließlich für rund 840 Millionen Dollar an CVC. Dieser Preis war aus Sicht der Anklage zwar in Ordnung und nicht zu niedrig angesetzt. Zusätzlich musste die BayernLB aber auch noch eine Provision an Ecclestone von 41,5 Millionen Dollar und weitere 25 Millionen an dessen Familienstiftung zahlen - und das wäre nach Ansicht von Staatsanwalt Bauer ohne die angebliche Kungelei zwischen Gribkowsky und Ecclestone nicht nötig gewesen. Macht für Bauer unter dem Strich einen Schaden von 66,5 Millionen Dollar für die BayernLB. Als der Staatsanwalt die Summen auflistete, setzte Gribkowsky seine Brille auf und las in seinen Unterlagen mit.

Die Sprache der Juristen ist ihm bestens vertraut: Er ist promovierter Rechtswissenschaftler, hat sich aber nach dem Studium für eine Karriere entschieden, die mehr Geld und Glamour versprach als die im Gerichtsgebäude. Erst arbeitete er sich bei der Deutschen Bank weit hoch und wechselte dann 2003 in den Vorstand der BayernLB. Dort können sich immer noch viele Mitarbeiter an den großen, selbstbewussten Dr. Gribkowsky erinnern. Viele sind angesichts der Anklagevorwürfe fassungslos. „Jeder in der Belegschaft fragt sich, wofür Herr Gribkowsky die Millionen bekommen hat“, sagt der Vorsitzende des BayernLB-Personalrats, Ralf Haase. Alle Mitarbeiter der gebeutelten Bank arbeiteten daran, das Ansehen des Instituts in der Öffentlichkeit wieder herzustellen. „Auch wenn dies leider durch Altlasten wie den Gribkowsky-Prozess erschwert wird.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%