Schmiergeldprozess: Wie MANs Auftragsdoping in Augsburg funktionierte

Schmiergeldprozess: Wie MANs Auftragsdoping in Augsburg funktionierte

Bild vergrößern

Lastwagen der Firma MAN

In einem einzigen der rund zwanzig Schmiergeld-Fälle, die in den vergangenen Jahren bei hausinternen Kontrollen auffielen, erstatte MAN Anzeige. Verhandelt wurde der aufschlussreiche Fall 2008 in Augsburg.

Die Augsburger MAN-Niederlassung gehörte unter den 170 Servicebetrieben des Unternehmens jahrelang zu den besten. In einem konzernweiten Ranking belegte sie vor einigen Jahren stets einen der Plätze ganz vorn. Doch 2005 entlarvte die MAN-Revision den Erfolg als Schwindelei. Zwar stimmten die Zahlen, doch der  Niederlassungsleiter hatte, um Aufträge zu bekommen, seine Kunden von 2000 bis 2004 systematisch mit wertvollen Geschenken überhäuft.

MAN erstattete Anzeige. Wie das Augsburger Auftragsdoping funktionierte, brachte der Prozess gegen den Niederlassungsleiter im Januar 2008 ans Licht. Bei einem Elektrogroßhändler kaufte der heute 66-Jährige auf Firmnenkosten Mixer, Kühlschränke, Geschirrspüler, Staubsauger, Toaster, Handys, Fernseher und andere Geräte, die aber als Ersatzteile für LKW abgerechnet wurden - etwa als Standheizungen und Anlasser. Wer Wartungs- und Reparaturaufträge erteilte, bekam dann die Elektroteile  "on top" - für den privaten Bedarf oder als Sachpreis für die Tombola beim Firmenfest.

Anzeige

Verurteilter: "Enormer Erfolgsdruck" von der Zentrale

Wegen Untreue in 207 Fällen wurde der Niederlassungsleiter am Ende verurteilt. MAN bezifferte den durch die falsch deklarierten Elektro-Einkäufe entstandenen Schaden auf fast 200.000 Euro."Ich habe nichts für mich behalten", schwor der geschasste Ex-Niederlassungsleiter vor Gericht, berichtete die "Augsburger Allgemeine". Tatsächlich ging es ihm wohl nur um den Erfolg seines  Betriebs, damit aber auch um den eigenen Ruhm.

Allerdings schob der Verurteilte die Schuld für sein Fehlverhalten auch auf die Unternehmenszentrale in München. Zwei frühere Leiter der dortigen Gebrauchtwagenabteilung hätten ihn unter Druck gesetzt, behauptete er. Konzernintern habe er unter "enormem Erfolgsdruck" gestanden. Er war insgesamt für fünf Werkstätten für MAN-Busse und -LKW in Bayern zuständig und hatte alle "in den roten Zahlen übernommen und in die schwarzen geführt".

Dass die Unternehmenszentrale seine Tricksereien kannte und stillschweigend duldete, hat der damalige Angeklöagte vor anderthalb Jahren allerdings nicht nachweisen können. Verurteilt wurde der MAN-Mann zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Sein Anwalt sagt heute gegenüber der "WirtschaftsWoche": "Es gab keine Anhaltspunkte dafür, dass das, was er machte, vom Unternehmen gewünscht, gedeckt oder gebilligt war."

Insofern wird MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson, der seit 2000 die MAN-Nutzfahrzeugsparte leitete, durch den Augsburger Fall in der aktuellen Schmiergeldaffäre nicht persönlich belastet. Der Fall belegt aber, dass bei MAN - wie bei Siemens, Deutscher Bahn und vielen anderen namhaften Unternehmen - zumindest in diesen Jahren noch der Zweck die Mittel heiligte: Um das gelbe Trikot des Führenden im MAN-Ranking zu erobern, war Auftragsdoping nicht tabu. Die Geschäftsführer des Elektrohandelsunternehmens - in Augsburg ebenfalls zu Bewährungsstrafen verurteilt - waren schlicht davon ausgegangen, "dass die Führung des Unternehmens Bescheid wusste".

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%