Schmiergeldskandal : Siemens-Ex-Vorstand zur Aussage nach Athen

Schmiergeldskandal : Siemens-Ex-Vorstand zur Aussage nach Athen

„Ich bin keiner, der abhaut, daher stelle ich mich zur Verfügung“, sagte Volker Jung, Ex-Zentralvorstand von Siemens, gegenüber der WirtschaftsWoche.

Am kommenden Donnerstag muss Jung laut eigener Aussage in Athen vor dem ermittelnden Richter aussagen. Hintergrund ist die Anklage der Staatsanwaltschaft Athen von April dieses Jahres, wonach Jung in das weltweite Bestechungssystem des Münchner Konzerns involviert sein soll. Jung war von 1992 bis 2003 Mitglied des Zentralvorstands von Siemens und stand von Ende 1998 bis 2003 als Präsident dem Verwaltungsrat von Siemens-Griechenland vor. 

Laut den Befunden der Ermittler in Athen sowie der Staatsanwaltschaft München ist die griechische Siemens-Landesgesellschaft besonders tief in den Schmiergeldsskandal verwickelt. So sollen Siemens-Mitarbeiter in Griechenland unter anderem rund 100 Millionen Euro an die griechische Telefongesellschaft OTE gezahlt haben, um einen Großauftrag in Milliardenhöhe an Land zu ziehen.

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Der frühere Chef von Siemens-Griechenland, Michael Cristoferakos, soll erst vor rund zwei Wochen nach München gereist und in Deutschland untergetaucht sein. Dadurch ist er bis auf weiteres einer geplanten Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft in Athen – und einer möglicherweise drohenden Verhaftung entkommen.

Jung: Keine Kenntnis von Korruptionspraxis

„Alles, was bei Siemens in Griechenland passiert sein soll, wirft man auch mir als Chef des Verwaltungsrats vor“, sagt Jung. Laut eigenem Bekunden habe der Verwaltungsrat der griechischen Siemens-Landesgesellschaft jedoch nur zwei Mal im Jahr getagt. „Ich weiß von den Vorgängen in Griechenland nichts. Man wird mir keine Schuld nachweisen können, weil ich nichts gemacht habe“, beteuert Jung im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Auch in Deutschland ist Jung im Visier der Justiz. Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt ihn, in den Ende 2006 aufgedeckten Schmiergeldskandal des Konzerns verwickelt zu sein. Damit ist Jung einer von insgesamt vier ehemaligen Siemens-Zentralvorständen, die seitens der Staatsanwaltschaft als Beschuldigte geführt werden. Ob – und wenn ja, wann – Anklage gegen die Beschuldigten erhoben wird, ist derzeit offen. Gegenüber beiden Staatsanwaltschaften, Athen und München, hat Jung jegliche Kenntnis von den Korruptionspraktiken des Konzerns bestritten. Jung: „Ich kann bis heute mir kaum vorstellen, was da alles passiert ist.“

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