Schon gehört?: Chris de Burgh über Melodien für die Ewigkeit

Schon gehört?: Chris de Burgh über Melodien für die Ewigkeit

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Chris de Burgh

In den Siebzigerjahren sind die besten Werke der Popmusik entstanden, sagt der Komponist und Sänger Chris de Burgh.

Aufgewachsen bin ich mit der Musik der Sechzigerjahre. Es gibt eine Menge Menschen, darunter auch solche, die deutlich jünger sind als ich, die finden, dass damals und noch Anfang der Siebzigerjahre die besten Werke der Popmusik entstanden sind. Ich nehme mal als Beleg dafür, dass meine Kinder die Musik, mit der ich groß wurde, auch mögen – Beatles, Rolling Stones und vieles andere. Ich habe die Musik meiner Eltern sicher nicht geliebt.

Für diese Qualität gibt es zwei Gründe. Mein Gewerbe befindet sich in einer Zwangsjacke. Im Gegensatz zu klassischen Komponisten benutzen wir Popmusiker weniger Harmonien in weniger aufwendigen Schemata für unsere Songs – wichtiger ist die Melodie. Am Ende der Fünfzigerjahre, als die meisten Sänger sich ihre Songs haben schreiben lassen, kamen Musiker wie Bob Dylan oder die Beatles nach oben, und es entstanden einige der schönsten Popmelodien aller Zeiten.

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"Es gibt nur eine gewisse Anzahl an wirklich großartigen Melodien"

Wenn ich heute einige der angesagten neuen Bands höre, kann ich fast sofort erkennen, woher diese Melodie stammt – es gibt einfach nur eine gewisse Anzahl an wirklich großartigen Melodien und musikalischen Motiven in diesem speziellen Genre. Ich bin nicht sicher, ob die Bands wissen, dass sie sich auf Melodien beziehen, die bereits existieren. Ich vermute, sie wissen es oft nicht – zumindest nicht bewusst. Andere verdächtige ich, dass sie sich dessen sehr bewusst sind.

Der zweite Grund für den Erfolg der Musiker von damals ist, dass sie umgeben waren von hochtalentierten Menschen, die besser sein wollten als ihre Kollegen. Wer heute TV-Sendungen sieht, in denen kommende Popstars gemacht werden sollen, dann sieht man Menschen, die versuchen, wie jemand anderes zu sein. Selten findet sich jemand, der wahrhaftig einzigartig ist. Außer Leona Lewis, die eine hervorragende Stimme hat – aber sie schreibt keine Songs. Ob sie so einzigartig wird wie die Sänger der Sechzigerjahre, an die ich denke, wird sich zeigen. Elton John ist einzigartig. Wo sind solche Charaktere heute?

Dennoch hat es keinen Sinn, nur in die Vergangenheit zu schauen. Jede Generation braucht ihre Melodien und ihre eigenen Helden. Und zurzeit passiert etwas, das ich nicht erklären kann: Zum einen gehen die Verkäufe von Alben zurück, aber Konzerte sind viel populärer und stärker besucht als noch vor zehn Jahren. Es gibt da eine Theorie, die ich sehr mag: Die Menschen erleben ihren Alltag als etwas, das sie allein tun. Sie sitzen vor dem Computer, haben Knopfhörer in den Ohren beim Musikhören – ihnen fehlt es, ihre Freude zu teilen. Deswegen gehen sie wieder mehr in Konzerte.

Dass die Verkaufszahlen so dramatisch sinken, ist nicht allein allein ein Problem der Musikpiraterie – es ist auch die fehlende Qualität. Plattenfirmen erlauben Künstlern kaum noch, langsam zu wachsen, sie wollen sofortigen Erfolg. Es gibt nur wenige Bands wie die Kaiser Chiefs oder Coldplay, die so etwas wie eine Langzeitmission haben. Zu diesen Bands zählt auch das britische Trio Muse. Die schreiben hervorragende Melodien und haben ausgefeilte Arrangements.

"Ich mag die ursprüngliche afrikanische Musik"

Aber eigentlich interessiert mich heute ganz andere Musik als die, die im Radio zu hören ist. Ich mag die ursprüngliche afrikanische Musik. Ich habe auch Musik aus Chile, China, dem Libanon, Russland. In meinem Beruf reise ich viel. Unlängst kam ich aus dem Iran zurück mit einer Reihe von CDs mit Musik von dort. Ich höre die Musik, die die Menschen in fremden Ländern gerne hören, davon kann ich lernen. Ich kann nur empfehlen, das auch zu tun.

In der klassischen Musik finde ich ebenfalls viel, auch wenn ich keine klassische Ausbildung habe und Noten weder lesen noch schreiben kann. Aber ich merke, wenn großartige Musik gespielt wird. Als ich in Leipzig in der Thomaskirche die Musik von Johann Sebastian Bach gehört habe, kamen mir Tränen in die Augen. Er hat das Gesicht der Musik, die wir heute kennen, entscheidend verändert. Er war ein unglaubliches Genie. Musik wie seine ist es, die ich meine, wenn ich über Langlebigkeit von Musik spreche – auch wenn Bach natürlich ein extrem hoher Maßstab ist. Und zu der Zeit, zu der Bach gelebt hat, werden die Menschen seine Musik gemocht, aber kaum erkannt haben, dass sie gerade Musik hören, die noch mehr als 300 Jahre später nichts von ihrer Einzigartigkeit und Wirkung verloren hat.

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