Schon gehört?: Hören Sie Livemusik

Schon gehört?: Hören Sie Livemusik

Bild vergrößern

Der Sänger Laith Al-Deen

Der Sänger Laith Al-Deen über Musik für die Autofahrt.

In dem Roman „High Fidelity“ von Nick Hornby werden ständig für alle Gelegenheiten Best-of-Listen erstellt, und das ist eigentlich eine sehr schöne Idee: die Musik zu sortieren, die einem gut gefällt. Die Frage nach den klassischen Top Ten oder gar Top Five ist dagegen eigentlich ein Unding. Ich musste einmal antworten und habe mich sehr gewunden. Also helfen viele Listen. Das beste Beispiel ist das Auto. Das ist der Ort, wo ich die meiste Musik höre. Ich versuche immer ein sehr abwechslungsreiches Programm dabeizuhaben. Außerdem hat eine Autofahrliste natürlich auch Einfluss darauf, wie und wo ich gerade Auto fahren möchte.

Ich bin vor allem mit Soul und Blues groß geworden, danach ging es quer durch alle möglichen Stile zum Rock und ansatzweise auch zum Jazz. Auf dieser Strecke liegen viele Welten, in die man eintauchen kann. Und ob sie einem gefallen, hängt oft von der Lebenssituation ab, in der man sich gerade befindet. Wer nie fehlen darf, ist Curtis Mayfield, neben James Brown ein anderer Godfather of Soul. Er ist weniger an der rhythmischen Funk-Ecke orientiert.

Anzeige

Die politischen Motive, die er als Schwarzer in ganz vielen Songs aufgegriffen hat, haben mich nie besonders interessiert. Es geht mir um das Gefühl in seinen Songs. Ich empfehle definitiv alle Alben aus der Zeit vor den Achtzigerjahren. Da finden Musiker Dinge, die sie begeistern, wie Zusammenspiel oder raffinierte Sounds; aber auch normale Zuhörer haben ihre Freude, weil sie merken, mit viel Herz hier gespielt wird. Es ist gar nicht so lange her, da gab es eine zweijährige Phase, in der ich unentwegt Curtis Mayfield gehört habe. Egal, zu welcher Tageszeit, in welcher seelischen Verfassung ich seine Musik auflege, das Gefühl, was sich dann einstellt, ist immer das gleiche. Das macht seine Musik so wahnsinnig verlässlich. Seine Livekonzerte finde ich noch spannender als seine Studioaufnahmen. Meine Empfehlung: „Curtis/Live!“ von 1971. Ein Livealbum mit vergleichsweise wenigen Hits. Oder „Curtis in Chicago“, wo er von einigen Gästen wie Gene Butler begleitet wird. Das ist eine leicht zugängliche und sehr entspannte Musik.

Im Moment lasse ich seine Musik absichtlich ein wenig liegen, ich will nicht überreizt werden. Wenn Sie so wollen, therapiere ich mich gerade von Curtis Mayfield und mache eine Art Entziehungskur. Es gibt noch andere großartige Musiker und Musikerinnen. Vielleicht überrascht es Sie, aber ich empfehle Nana Mouskouri. Es gibt ein Album mit dem lustigen Titel: „Nana Mouskouri in New York – The girl from Greece sings“. Produziert hat es Quincy Jones, der Produzent von Musikern wie Count Basie, Miles Davis oder Michael Jackson. Nana Mouskouri interpretiert Jazzstandards. Sie war zur Zeit der Aufnahme 25 Jahre alt. Und wenn man nicht wüsste, dass es Nana Mouskouri ist, würde man sie nicht erkennen. Man sieht vor dem inneren Auge nicht die Brille, und man sieht auch nicht die Frisur.

Sie singt es auch ohne das klassische Vibrato. Es ist eine komplett andere Welt. Das Album stammt aus den Sechzigern, und wie so oft, wenn etwas gut gemacht ist, merkt man, dass die Musiker die Stücke zusammen aufgenommen haben. Das vergisst man heutzutage gerne: dass es früher möglich war, in relativ kurzer Zeit, gemeinsam ein Album einzuspielen. Ich habe es oft anderen Menschen vorgespielt und ihnen erst nach ein paar Takten verraten, wer da singt, und alle waren regelmäßig erstaunt. Eine unglaublich entspannende Platte.

Eine aktuelle Sängerin, die hervorragenden Popjazz macht, ist die Norwegerin Silje Nergaard. Ich bevorzuge ihr vorletztes Album: „Nightwatch“. Es ist mein ständiger Begleiter im Auto. Ich habe mich in dieses Album verliebt. Silje Nergaard wird von ihrer Band toll unterstützt und kann mit ihrer Stimme dynamisch zwischen hohem und tiefem Register wechseln. Im Übrigen kann ich nur bestätigen, was Roger Cicero an dieser Stelle schon mal empfohlen hat: Frank Sinatra und die Count Basie Big Band im Sands – ein Knüller. Darauf ist die beste Version von „Fly me to the moon“, die es je gegeben hat und je geben wird.

Aber auch instrumentale Musik ist mir wichtig. Der schwedische Pianist Esbjörn Svensson ist vor einigen Monaten leider tödlich verunglückt. Das Album „Seven days of falling“ gehört zu denen, die volle Aufmerksamkeit verlangen. Es bringt nichts, nur einzelne Stücke zu hören oder die Titel nebenher laufen zu lassen. Man muss sich von der Platte einsaugen und dann dorthin bringen lassen, wohin die Platte einen bringen möchte.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%