Schon gehört?: James Blunt steht auf handgemachte Musik

Schon gehört?: James Blunt steht auf handgemachte Musik

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Der britische Musiker James Blunt bei der Verleihung des Deutschen Schallplattenpreises "Echo".

Nur Gitarre und Klavier: Der britische Sänger über Liedermacher, die sein Herz bewegen.

Wenn wir auf Tour sind, sitzen wir viel im Bus auf der Fahrt von einer Stadt in die nächste. So hocken wir dann nach den Konzerten oft zusammen, mit einem Bier in der Hand, und spielen uns gegenseitig unsere gesammelte Musik vor. Auf diese Weise lerne ich eine Menge neue Sachen kennen. Und weil ich selbst einer bin, habe ich eben eine große Neigung für Songwriter. Etwa für Elliott Smith.

Seine Musik lernte ich kennen, als ich meine ersten Sachen aufnehmen wollte. Ich hatte ein paar sehr unschuldige Songs geschrieben und machte mir Gedanken, wie ich die produzieren sollte. Es ist nicht so einfach, seine Songs so aufzunehmen, dass sie ehrlich und aufrichtig klingen, ohne die Unschuld zu verlieren, die diese Songs auszeichnen. Und nicht nach dem Ego irgendwelcher Produzenten. Als ich aber Elliott Smith das erste Mal hörte, spürte ich Würde und Authentizität dieser Aufnahme, die offenbar durch die Arbeit seines Produzenten Tom Rothrock unterstützt wurde. Deshalb landete ich auch bei ihm.

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Alle Scheiben von Elliott Smith sind hervorragend, aber mein Favorit ist das Album „Either/Or“, und einer der interessantesten Songs darauf ist gleich der zweite: „Alameda“. Er ist ein wenig ungeschliffen und besitzt eine starke Kraft. Er ist auf diese besondere Art ganz einfach – genau das, was einen Song so großartig werden lässt. Um mit einer Botschaft durchzudringen, ist es manchmal besser, wenn sie nicht zu kompliziert ist. Klarheit und Emotion kommen so am besten beim Hörer an. Wir haben für mein aktuelles Album sogar das Schlagzeug genommen, das Elliott Smith für „Either/Or“ benutzt hat. Es hat einen sehr speziellen Sound – den wollte ich auch gerne für mein eigenes Album haben.

Von Elliott Smith aus habe ich mich mit weiteren Songwritern beschäftigt, und eine Frau hat mich besonders beeindruckt:  Cat Power. Sie ist ein weiteres großartiges Beispiel für eine Musikerin, die unglaublich einfache Songs schreibt oder arrangiert, die aber emotional hochkomplex sind.

Ich mag auch Songs mit einer einfachen Akkordstruktur. Manche Songs können prätentiös werden durch zu aufwendige Strukturen. Simplizität ist kein einfaches Konzept. Nur einfach zwei Akkorde zu spielen macht einen Song schließlich nicht automatisch zu einem guten Song. Ich denke, dass es wichtig ist, nicht den Effekt zu suchen, sondern den ehrlichen, aufrichtigen Weg zu gehen mit einem Song. Jeder Hörer merkt doch sofort, wenn ihn ein Song packt und Spuren hinterlässt.

Das alles gilt für Cat Power. Ihre Musik kommt vom Herzen und ist nicht einfach eine Pose. Ich habe von ihr gelernt, niemandem etwas vorzugaukeln mit einem Song. Wir schreiben diese Musik ja zunächst einmal für uns selbst, und es hat keinen Sinn, sich selber etwas vorzumachen. Mein Lieblingsalbum von Cat Power ist „You are free.“ aus dem Jahr 2003. Üblicherweise höre ich das ganze Album, aber es gibt schon Songs, die ich auf Repeat stelle und mehrmals hintereinander höre – auf diesem Album ist es „Maybe not“, für mich der beste Song darauf.

Auch live habe ich Cat Power schon gesehen, und sie wirkte unglaublich nervös. Manchmal springt vielleicht der Funke nicht über, weil der Künstler zu aufgeregt ist, aber an dem einen Abend bot Power, trotz ihrer Nervosität, eine großartige Show. Sie sang die Melodie und das Publikum die Backing-Vocals – die kannten alle Texte auswendig. Schon sehr bemerkenswert, den Künstler von der Bühne zu hören und die Zuhörer, die für sie die Backings singen – das war magisch.

Nachdem ich mich mit zeitgenössischen Songwritern beschäftigt hatte, ging ich zurück in die goldene Zeit des Songwritings – die Siebzigerjahre. So kam ich zu Lou Reed, Leonard Cohen, Cat Stevens, Paul Simon, Elton John, Neil Young, David Bowie und auch Don McLean und als Bands Steely Dan, Fleetwood Mac und The Band von Bob Dylan. All die großen Klassiker, denen ich bis dahin nicht viel Zeit gewidmet hatte. Für mich haben alle etwas gemeinsam, und ich habe etwas aus der Zeit gelernt.

Diese Musik entstand nicht dadurch, dass jemand in ein Studio ging und ein paar Drumbeats in einem Computer programmierte. Es sind Männer und Frauen, die nur eine Gitarre oder ein Klavier benötigten. Ihre Konzentration lag auf der Melodie. Und den Texten. In ihren Songs hört man nicht nur Emotionen, sondern auch viel vom menschlichen Geist.

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