Schon gehört? : Pat Metheny: Vier Takte Ewigkeit

Schon gehört? : Pat Metheny: Vier Takte Ewigkeit

Ich fühle mich am stärksten angezogen von Musik, die einen guten Grund hat, zu existieren. Wer auch immer sie komponiert, soll den inneren Zwang haben, sie zu erschaffen, um nicht sofort sterben zu müssen. - Der Jazzgitarrist Pat Metheny über Bach und den Broadway.

Mir ist dabei jede Art von Musik recht, solange ich das Gefühl habe, Komponist oder Interpret empfinden sie als richtig für sich selbst. Solche Musik ist auch dort, wo wir sie nicht zuallererst suchen: am Broadway.

Ein Musical, das ich schon fünfmal gesehen habe und auch immer wieder als CD auflege, ist „The Light in the Piazza“, geschrieben und komponiert von Adam Guettel. Seine Musik bricht mit der Soundtradition des Broadways, die oft aus leicht nachzusummenden Melodien besteht. Guettel übertritt die Grenzen des Genres, indem er zur Oper findet und zur neoromantischen Musik mit ihren zahlreichen unerwarteten harmonischen Verschiebungen und sehr langen Melodiebögen. Auch die Texte sind einzigartig, weil sie mit dem gebrochenen Englisch italienischer Einwanderer spielen und dem gebrochenen Italienisch einer amerikanischen Touristin. Aber die Show bietet vor allem eine so große Menge guter Noten, wie ich sie schon lange nicht mehr gehört habe. Seit Stevie Wonders Album „Songs in the Key of Life“ aus dem Jahre 1976 habe ich keine so originelle Popmusik-Bearbeitung gehört wie bei Guettel, der mit viel Piano, Harfe, Gitarre, Streichern und einer Handvoll von Blas- und Percussion-Instrumenten arrangiert.

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Guettel hat außergewöhnliche harmonische Folgen gewählt – und damit genau die Art Musik, die meine Neugier auf Harmonien befriedigt. Diesen Umgang mit Harmonien finde ich sonst nur sehr selten in Musicals, dafür im Jazz und in der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts. Komponisten wie Maurice Ravel oder Claude Debussy sind sehr empfehlenswert, sie haben die Musik vorangetrieben und damit das Feld für den Jazz bestellt.

Harmonien sind für mich ein Spiegel der Gesellschaft. Ich glaube, dass sich die jeweilige Harmonik in der Musik parallel zu der Entwicklung der Gesellschaft bewegt. Auch für mich sind Harmonien eine Möglichkeit, mich mit der Welt zu versöhnen. Es gibt starke Parallelen zur Kunst, auch in der Harmonik ist von Realismus bis zu großer Abstraktion alles möglich. Das abzubilden ist in einer post modernen Ära noch eine größere Herausforderung.

Einer, der das kann, ist Keith Jarrett. In seiner musikalischen Welt – sie kann einfach und sie kann komplex sein – scheinen alle zwölf Noten gleichzeitig zu sein. Am besten ist das bei „Mysteries“ und „The Impulse Years“ aus den Jahren 1973 bis 1976 zu hören. Komplexe Musik darf übrigens ruhig schön sein. Wirklich großartige Musik bietet für beide Perspektiven etwas, für die Betrachtung aus der Entfernung und für die unter dem Mikroskop. Die Beatles haben Musik geschaffen, die meine Kinder mögen, die aber auch für uns Erwachsene so viel bietet, dass sie nie langweilig wird.

Vielfalt und Reichtum prägen das Werk des größten Musikers, den die Welt je hatte, Johann Sebastian Bach. Nehmen Sie irgendwelche vier Takte. Sie können sich damit ein halbes Jahr beschäftigen; Sie hören die Ewigkeit in diesen vier Takten. Und anschließend können Sie mit Ihrer Großmutter ein Bach-Konzert besuchen, und es wird ihr gefallen.

Alles, was mir wichtig ist in der Musik, finde ich auch im Jazz, wenngleich heutzutage immer weniger. Ich bin etwas weniger enthusiastisch, wenn es um den Jazz von heute geht. Vieles wird heute nur noch in Bezug auf frühere Jazzmusiker gemacht. Zu den Musikern, die keine überflüssige Note geschrieben oder gespielt haben, gehören Miles Davis und Wes Montgomery. Der Bach der Jazzwelt ist wohl Thelonious Monk, dessen Musik eine Haltbarkeit haben wird, die mit den Kompositionen Bachs zu vergleichen ist.

Da ich in New York wohne – der Stadt, die wohl wie keine andere dem Jazz eine Heimat gegeben hat –, kann ich Ihnen noch einen Jazzclub empfehlen. „The Jazz Standard“ liegt inder 116 East 27th Street. Dort sehen Sie Künstler wie die Big-Band-Komponistin Maria Schneider oder Gitarrist Kurt Rosenwinkel – um nur zwei zu nennen, die den Jazz auch heute noch beleben.

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