Schon gesehen?: Dennis Hopper über unterhaltsame Botschaften

Schon gesehen?: Dennis Hopper über unterhaltsame Botschaften

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Animationsfilm "Kung Fu Panda": "Ich liebe die Charaktere, die Animationen waren unglaublich."

Schmetterling und Taucherglocke, Kung Fu Panda und Pulp Fiction: Schauspieler Dennis Hopper über Botschaften, die unterhalten.

Manchmal unterschätze ich sogar meine besten Freunde. Vor ein paar Jahren kam der Maler Julian Schnabel zu mir und erzählte von einem Film, den er drehen wollte. Ich wusste, dass er ein begabter Regisseur war; das hatte er mit seinen Künstlerbiografien „Basquiat“ und „Before Night Falls“ bewiesen.

Aber sein nächstes Projekt konnte nicht funktionieren, auch wenn es eine wahre Geschichte war – es handelte von einem am ganzen Körper gelähmten Mann, der nur mit einem Auge blinzeln konnte. Noch dazu wollte Julian das auf Französisch drehen. Ich sagte ihm gleich, dass ich das für eine schlechte Idee hielt. Aber er ließ sich davon nicht abhalten.

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Und prompt wurde aus seinem Film, Schmetterling und Taucherglocke, ein Meisterstück. Er bekam sogar eine Oscarnominierung. Ich selbst habe in der Kategorie „Bester Film“ dafür gestimmt. Und warum? Weil Julian in sein Unterbewusstes eintauchte, um eine ganze Welt erstehen zu lassen. Und weil er in dieser Welt eine Geschichte erzählte. Das genau sind die beiden wichtigsten Kriterien für einen guten Filmemacher: Hat er eine eigenständige Fantasie und kann er Geschichten erzählen?

Dennis Hopper Quelle: Laif

Dennis Hopper

Bild: Laif

Manchmal findest du solche neuen Wege aber auch dann, wenn du sie nicht erwartest. Immer wieder werde ich im Kino überrascht. Eine hochkarätige Literaturverfilmung wie Stadt der Blinden hat mich eher enttäuscht – sie war zwar sehr schön gespielt und gefilmt, aber die Geschichte war teilweise sehr unglaubwürdig. Dagegen hat mich ein Kung Fu Panda begeistert – ich liebte die Charaktere, die Animationen waren unglaublich. Dieser Film strahlte für mich eine regelrecht Zen-artige Coolness aus.

Wirklich gute Filme verstehen es nicht nur, eine Botschaft zu vermitteln, sondern sind eben gleichermaßen unterhaltsam. Und das gilt letztlich für alle Filme, die mich im Lauf der Jahrzehnte berührten, ob Orson Welles’ Citizen Kane oder die italienischen Neorealisten – De Sica mit Fahrraddiebe, Rossellinis Rom – offene Stadt – oder Bergman mit seinen unzähligen Werken – darunter Das siebente Siegel oder Die Jungfrauenquelle.

Vielleicht sind das überhaupt die bewundernswertesten aller Filme – denen es gelingt, die Grenzen unserer Wahrnehmung und der Genres zu sprengen. Nehmen wir Beispiele wie Michelangelo Antonionis L’Avventura oder La Notte – wenn er Menschen zeigt, dann bewegen die sich bei ihm mit dem gleichen Tempo und Timing wie in der Realität. Manche Zuschauer hat das wahnsinnig gemacht, denn sie brachten nicht die Geduld auf, einer Figur beim Gehen zuzuschauen.

Ein anderer Filmemacher, der für solche Grenzüberschreitungen bekannt ist, war Luis Buñuel – vielleicht sogar mein absoluter Lieblingsregisseur. Aus seinem Œuvre mag ich ganz besonders Viridiana, die Geschichte einer religiösen jungen Frau, die mit einem Haus, das sie geerbt hat, ihre humanitären Ideale verwirklichen will und dabei grausam scheitert. Gerade diesen Konflikt zwischen Religion und dem Versuch, die Welt umzubauen, finde ich so bemerkenswert. Aber das ist nur einer von vielen Buñuel-Filmen, die ich bewundere – Sie können genauso El Bruto – der Starke nehmen, der eine ganz ähnliche Dramaturgie und Ästhetik besitzt wie Pulp Fiction von Quentin Tarantino Jahrzehnte später. Hier heißt es nicht: „Auge um Auge“, sondern „Auge um 1000 Augen“.

Wobei solche Extreme auch gefährlich sein können. Ich kann das bezeugen. Denn als unschuldiger Farmerjunge dachte ich, dass Künstler nicht nur in ihrer Arbeit Grenzen überschreiten, sondern auch in ihrem Leben. Weil ich so sein wollte wie sie, begann ich zu trinken und Drogen zu nehmen. Das war Teil des kreativen Prozesses.

Ursprünglich hat das auch funktioniert. „Easy Rider“ ist das beste Beispiel dafür – ein Film, der neue Wege eröffnet, so wie er seine Handlung in erster Linie über die Musik erzählt. Es ist auch eine Geschichte, die Tragik und Komik, Spaß und Ernst, im besten Sinne verbindet. Natürlich haben viele Leute erst mal nicht an das Projekt geglaubt, so ungewöhnlich war es. Und ohne Drogen wäre „Easy Rider“ nicht so entstanden.

Doch nach einiger Zeit wurde aus meinem Drogenkonsum pure Sucht. Meine Zeitgenossen und ich glaubten, wir würden unser Bewusstsein erweitern, aber letztlich landeten wir nur im Wahnsinn.

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