Schon gesehen?: Existenzielle Qualen

Schon gesehen?: Existenzielle Qualen

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Ex-Bayern-Torwart Oliver Kahn

Warum Christiane Paul Fan von Oliver Kahn ist. Aber niemals eine Ärztin spielen möchte.

Eigentlich sollte ich es für mich behalten – ich werde immer schief angeguckt, wenn ich zugebe: Ich bin Fan des FC Bayern München. Toll, mit welcher Professionalität dieser Verein seit Jahrzehnten geführt wird. Mein Lieblingsspieler – bitte festhalten: Oliver Kahn. Wie präzise er sich vorbereitete, wie fokussiert er auf dem Platz stand, mit welchem Kampfeswillen er in jedes Spiel ging – einfach großartig. Schade, dass seine Karriere jetzt zu Ende ist. Er ist ein Vorbild. Und selbst über Dieter Bohlen kann man sagen, was man will – wenn er Fleiß und Disziplin einfordert, hat er einfach recht. Ob singen oder schauspielern: Ich glaube, wer Höchstleistungen bringen will, muss Professionalität mitbringen. Talent und Jugend sind nicht alles. Man muss Kritik annehmen können und bereit sein, sich weiterzuentwickeln. Selbst Genies wie Leonardo da Vinci, Pablo Picasso oder Albrecht Dürer waren disziplinierte Arbeiter mit breitem Wissen. Ich denke, nur so kann man sich kreativ entfalten. Warum ich mich trotz abgeschlossenen Medizinstudiums fürs Schauspielen entschieden habe? Die Lust am Unkonventionellen hätte mir gefehlt. „Mit dem Hirn schmusen“ – so wie es die Band „Zimmermänner“ in einem Song formuliert, halte ich es mit der Schauspielerei. Ich will linke und rechte Gehirnhälfte, Denken und Emotionen vereinen.

Am liebsten sehe ich Filme, die mich emotional berühren. Eines meiner ersten Erlebnisse dieser Art: "Der Amphibienmensch", ein russischer Film von 1962, den ich mit sechs Jahren in einem Ferienlager gesehen habe. Er handelt von einem Mann mit Schwimmhäuten und Kiemen, der unter Wasser lebt, wegen seiner Andersartigkeit gejagt, gefangen genommen und ausgestellt wird. Und daran zugrunde geht. Ein tragischer, ernster Stoff, der mir bis heute nahegeht. Überhaupt habe ich als Kind schon viel ferngesehen. Auch Filme, die für dieses Alter nicht unbedingt geeignet waren – die ich aber noch heute für hochsehenswert halte. In "Die drei Tage des Condor" sagt Robert Redford als CIA-Agent Joseph Turner immer: „Erzähle mir nichts, ich habe das alles gelesen.“ Daran habe ich mich bis heute gehalten – beeindruckend, wie klug diese Figur ist, sich kraft ihres Intellekts durchsetzt gegen alle Verfolger. Oder "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" mit Jane Fonda als Gloria Beatty, die an einem Tanzwettbewerb teilnimmt, um ein paar Dollar zu verdienen. Wer gewinnt, bleibt am Ende bewusst offen, weil es um etwas anderes geht: eine eindrucksvolle Sozial- und Charakterstudie, die zeigt, wofür Menschen sich hergeben, um Erfolg zu haben. Oder einfach nur zu überleben.

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Manchmal gehe ich auch ins Kino, um mich auf Rollen einzustimmen. Etwa "Solaris" von Andrej Tarkowski – ich wollte eine Antwort auf die Frage finden, warum ich mich überhaupt auf die Schauspielerei einlasse. Das extrem langsame Erzähltempo und die kräftige Bildsprache waren gewöhnungsbedürftig, aber die Botschaft des Films hat mich berührt: Ein Mann wird auf eine Raumstation geschickt, wo ihm alles wieder gegenwärtig wird, was er verdrängen wollte. Mir wurde klar: Man muss sich seinen Konflikten stellen, sonst werden sie zur existenziellen Qual.

Andere Filme haben mich dazu angehalten, mich mit einem Thema weiter zu beschäftigen – etwa "Camille Claudel", eine der wenigen gelungenen Biografie-Verfilmungen überhaupt. Eine beeindruckende Bildhauerin, die ausbrechen wollte aus der ihr aufgezwungenen Rolle in einer engen Gesellschaft. Claudel war ihrer Zeit weit voraus, hat anderen den Weg geebnet. So wie auch Romy Schneider. Eine grandiose Schauspielerin, die mir besonders in "Der gekaufte Tod" gefallen hat. Ins Auge eines jungen Reporters, gespielt von Harvey Keitel, ist eine winzige Kamera eingepflanzt, die dessen Beobachtungen an die Zentrale eines TV-Senders weitergibt. Er wird auf Schneider angesetzt, die nur noch zwei Monate zu leben hat und deren Sterben zu einem öffentlichen Ereignis stilisiert wird, das der TV-Sender medial ausschlachten will. Sehr berührend. Umgehauen hat mich auch "Der Pate". mit einem beeindruckenden Al Pacino als Paten-Sohn Michael Corleone, der sich vom schüchternen Jungen zur gereiften Persönlichkeit mit klarem Denken, konsequentem Handeln, souveräner Problemlösung entwickelt. Eigenschaften, die ich gern ins richtige Leben mitnehmen würde.

Wenn ich’s mal nicht ins Kino schaffe, bleibe ich vor dem Fernseher bei Dr. House hängen – eine der wenigen guten Arzt-Serien. Ich selbst aber würde eine Rolle als Medizinerin ablehnen. Dafür habe ich den Beruf einfach zu gut kennengelernt.

Paul, 34, gehört zu den gefragtesten deutschen Schauspielerinnen. Die promovierte Ärztin wuchs in Ostberlin auf, wurde nach einer kurzen Model-Karriere mit Filmen wie „Das Leben ist eine Baustelle“, „Im Juli“ und „Neues vom Wixxer“ bekannt. Zurzeit ist sie in „Die Welle“ im Kino und im Düsseldorfer Schauspielhaus im Tschechow-Stück „Iwanow“ zu sehen.

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