Schon gesehen?: Francis Ford Coppola: Der jugendliche Abenteurer

Schon gesehen?: Francis Ford Coppola: Der jugendliche Abenteurer

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Francis Ford Coppola, 1939 in Michigan geboren, genießt dank des Mafia-Epos "Der Pate" und dem Vietnamkriegsfilm "Apocalypse Now" einen legendären Ruf. Erfolge feierte der dreifache Oscar-Gewinner in den letzten Jahren allerdings eher mit seinem Weingut im Napa Valley. Am 6. März startet sein neuer Film, "Jugend ohne Jugend"

Francis Ford Coppola über die Notwendigkeit, die Grenzen der Wahrnehmung zu durchbrechen.

Die Fähigkeit unseres Gehirns zu verstehen ist begrenzt. Schließlich ist es nur aufs Überleben programmiert. Das bedeutet, wir können die Welt nicht so wahrnehmen, wie sie wirklich ist. Deshalb hat es auch einige Zeit gedauert, bis wir begriffen haben, dass die Erde keine Scheibe ist. Aber wir sind imstande, diese Beschränkungen zu überwinden – durch unsere Liebe zur Schönheit, durch die Mathematik, durch die Kunst, und natürlich auch mithilfe von Filmen. Allerdings nur, wenn diese Filme nicht unseren vorgefertigten Schablonen von dem entsprechen, wie Kinogeschichten auszusehen haben.

Das ist nicht ungefährlich, denn das Publikum lehnt häufig Filme ab, die die Regeln brechen. Das ist mir bei „Apocalypse Now“ passiert; das geschah einem Stanley Kubrick, als sein „2001 – Odyssee im Weltraum“ herauskam. Aber ein Filmemacher sollte den Geist eines Abenteurers haben, und das bedeutet, er muss bereit seit, dem Misserfolg zu trotzen. Ich persönlich habe diese Art von Kino immer geliebt, das sich den Erwartungen verweigert. Schon als Kind mochte ich Alfred Hitchcocks „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“, gerade weil hier verschiedene Genres, Liebesgeschichte und Krimi, ineinander übergreifen und die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwimmen.

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Noch viel ausgeprägter ist das in dem polnischen Film „Die Handschrift von Saragossa“ von Wojciech Jerzy Has, der von den fantastischen Abenteuern eines belgischen Soldaten im 17. Jahrhundert handelt. In einer surrealen Atmosphäre entfaltet er eine Serie von zusammenhängenden Geschichten zwischen Sein und und Schein –- ganz ähnlich habe ich das mit meinem Film „Jugend ohne Jugend“ versucht. Mit ihm möchte ich genau zu diesem radikalen Filmemachen zurückkehren, das ich am Anfang meiner Karriere im Sinn hatte. Inspiriert von Autorenfilmern wie Federico Fellini, Akira Kurosawa oder Ingmar Bergman wollte ich persönliche, ja experimentelle Geschichten erzählen, ohne Rücksicht auf kommerzielle Aspekte. Dann kam allerdings der Erfolg des „Paten“, und ich fand mich als großer Starregisseur wieder. Erst jetzt im Alter finde ich zu meinen Wurzeln zurück.

Zum Glück bin ich da nicht allein auf weiter Flur. Da gibt es Regisseure aus meiner Generation wie David Lynch, die konsequent ihre eigene avantgardistische Richtung verfolgen. Und ich sehe viele junge Filmemacher, die ebenfalls dieses Abenteurer-Ethos verkörpern. Ich erinnere mich, als ich die Komödie „Punch Drunk Love“ von Paul Thomas Anderson gesehen habe. Ich konnte nicht mal sagen, ob sie mir gefiel, aber das spielte keine Rolle, denn so ein Film war mir noch nicht untergekommen. Das war das Entscheidende. Das Gleiche gilt für die Werke von Wes Anderson, ob „Life Aquatic“ oder sein aktuelles Werk „Darjeeling Limited“. Die sperren sich gegen alle Klischees, und deshalb durchbrechen sie unsere Wahrnehmungsgewohnheiten. Wenn ich nach einer Viertelstunde schon weiß, worauf alles hinausläuft – das ist die enttäuschendste Erfahrung überhaupt.

Zum Glück gehören auch meine Kinder Roman und Sofia zu diesem Schlag von Filmemachern, die ihren persönlichen Obsessionen folgen. Ihre Filme haben das, was man im Weinanbau Terroir nennt – Charakteristika, die ihre Werke völlig unverwechselbar machen. Das erfordert freilich Konsequenz und Opferbereitschaft. Wer das schnelle Geld ablehnt, der muss auch bei seinen Lebensumständen Abstriche machen. Manche junge Regisseure leben in regelrechter Armut. Ich muss da an Tamara Jenkins denken, die das einfühlsame Familienporträt „Hauptsache Beverly Hills“ drehte. Danach machte sie acht Jahre lang keinen Film mehr, weil sie nur ihre eigenen Projekte durchboxen wollte. Aber dieses Stehvermögen machte sich bezahlt. Im letzten Jahr kam ihre Familiengeschichte „Die Geschwister Savage“ in den Vereinigten Staaten heraus, und die Kritiker sind voll des Lobes.

Ich selbst bin da in der glücklichen Lage, dass ich meine Filme aus eigener Tasche finanzieren kann – solange sie nicht über 20 Millionen US-Dollar kosten. Während ich als junger Mann die Erfolge eines alten Hasen hatte, kann ich es mir jetzt leisten, die Filme eines Jungen zu machen. Ich will nicht behaupten, dass diese Filme besser sind als meine bisherigen. Aber darum geht es gar nicht. Mein einziges Ziel ist es, ein bisschen mehr Licht auf das Geheimnis des Lebens zu lenken. Fürs Geldverdienen habe ich schließlich immer noch meine Weinberge.

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