Schon gesehen?: Perlen des Broadways

Schon gesehen?: Perlen des Broadways

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Ute Lemper, 44, war in Musicals wie "Chicago" oder "Cats" zu sehen. Danach hat sich die Wahl-New-Yorkerin als Interpretin von Chansons international einen Namen gemacht.

Die Sängerin und Schauspielerin Ute Lemper über Musicals in New York.

Wer glaubt, der Broadway hole sich seine Themen ausschließlich aus Amerika, der irrt. Die literarischen Vorlagen zahlreicher Musicals stammen aus aller Welt. So ist es auch bei dem neuen Musical, das seit einem Jahr am Broadway gegeben wird: Spring Awakening. Es basiert auf dem 1906 uraufgeführten Drama „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind, der 1864 in Hannover geboren wurde, in der Schweiz aufwuchs und 1918 in München starb. Das Stück wurde zensiert und verboten, weil es für die damalige Zeit so anstößige Themen behandelte wie Masturbation, Abtreibung, Vergewaltigung und Selbstmord. Das Musical zeigt ganz puristisch die Geschichte von Jugendlichen, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert leidenschaftlich an den Ketten der Tradition rütteln. Wie es im Prinzip in jeder Generation der Fall ist, versuchen sie aus der überkommenen Sexualmoral der Eltern auszubrechen. Es ist ein tolles und in seiner Expressivität typisch deutsches Theaterstück. Die Autoren des Musicals sind sehr eng am Original geblieben. Das Bühnenbild, auch die Kostüme orientieren sich an der Entstehungszeit. Und der Komponist Duncan Sheik hat dazu eine wunderbare Musik geschrieben.

Der Broadway ist eben nicht nur, wie es das Klischee will, ein Ort oberflächlicher Unterhaltung. Das gilt besonders für ein Stück, das jahrelang ein Knüller war: Light in The Piazza von Adam Guettel, ein außergewöhnliches Musical vor allem deshalb, weil die Musik entschieden zeitgenössisch ist, sehr frei, sehr jazzig, und eine bestechende Choreografie dazu geboten wurde. Das Stück lief im Lincoln Center am Central Park. Es lohnt sich allemal, die DVD anzuschauen oder zumindest die CD zu hören. Das gilt ebenso für „The Color Purple“, eine Geschichte aus der Welt der Schwarzen im ländlichen Georgia, die in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts spielt, und mit der uns allen zuerst Steven Spielberg durch seine Verfilmung das Herz brach, die aber auch am Broadway ihre Wirkung zeigt. Es gibt am Broadway immer wieder solche Perlen, Musicals, die versuchen zeitgenössische und cineastische Themen aufzugreifen. Ansonsten geben Disney-Produktionen wie The Little Mermaid den Takt an, Stücke, die – ähnlich wie Andrew Lloyd Webbers Musicals – bei allen Generationen Beifall finden.

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Die sind oft großartig gemacht. Besonders beeindruckt hat mich beispielsweise die Choreografie von The Lion King. Auch A Chorus Line, das schon in den Siebzigerjahren die Musicalszene revolutionierte, wurde jetzt wieder neu aufgelegt. Es zeigt sich eben, dass Musicals dieser Qualität ihren Wert behalten. Meine Tochter hat mich schon dreimal mitgenommen, sie war ganz begeistert. Als ich Ende der Siebzigerjahre das Stück zum ersten Mal sah, hat es mir einen Schock versetzt, mich aber auch träumen lassen von Bühne, Musik und Tanz. Heute wirkt es auf mich geradezu antik, obwohl viele Elemente, wie es bei Wiederaufnahmen von Musicals üblich ist, modifiziert wurden.

Die Qualität eines Musicals am Broadway hängt nicht zuletzt ab vom Können der Schauspieler. The Producers war zunächst sehr erfolgreich, wurde aber schon nach wenigen Jahren wieder abgesetzt. Als die Stars gingen, ließ auch die Begeisterung des Publikums nach. Nathan Lane war der Hauptdarsteller, auf der DVD sind noch Matthew Broderick in der zweiten Hauptrolle und Uma Thurman zu sehen. Es war schwierig, einen Nachfolger zu finden, der die Rolle so witzig, so ironisch meisterte wie Lane – das Stück lebte von der Comedy.

Viele Musicals brauchen einen langen Anlauf, bis sie am Broadway ankommen. Auf Umwegen hat es auch der Sänger und Songwriter Stew geschafft, ein großartiger Darsteller und außergewöhnlicher Liedschreiber, der sehr politisch und ironisch ist, fast ein Comedian. Früher ist er oft in den kleinen Clubs im East Village aufgetreten. Passing Strange heißt sein neues Stück, er hat jahrelang daran gearbeitet – und es nun an den Broadway gebracht. Ich kenne Stew schon länger. Seine Werke sind gespickt mit politischer Satire, eine Mischung aus Kabarett und coolem Blues.

Aber wenn Sie in New York sind, dann kaufen Sie nicht nur Tickets für die Musicals. Es gibt hier so viele gute Jazzclubs, die jeden Besuch lohnen. Hier spielen Gruppen, wie „The Bad Plus“, die etwas „corky“, etwas „verrückt“ sind, die man in Deutschland noch nicht so gut kennt, die aber mit Sicherheit auch in Europa auf den großen Festivals spielen werden. In New York kann man sie noch auf kleinen Bühnen erleben.

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