Gründe, weshalb der US-Gigant in seinem Heimatland Traumrenditen erzielt, in Deutschland aber kaum von der Stelle kommt, gibt es genug. „Wal-Mart ist in den Regionen der USA stark, wo die Löhne niedrig und die Gewerkschaften schwach sind“, sagt ein Unternehmensberater, der lieber anonym bleiben will. In Deutschland habe der US-Gigant die Arbeitskosten offenbar unterschätzt. 13 000 Mitarbeiter wollen wenigstens Tarifgehälter, darüber wacht der Betriebsrat, Hinzu kommt: Während beispielsweise Zahnpasta-Hersteller in den USA jede vierte Tube an den Kassen von Wal-Mart verkaufen, gilt der Handelskonzern hier zu Lande als kleines Licht. Nicht einmal anderthalb Prozent Marktanteil schaffen die Wuppertaler, die Aldi- Brüder kommen auf fast zwölf. Entsprechend bescheiden fallen die Mengenrabatte für Wal-Marts Deutschlandableger aus. Eine Expansion, die Wal-Marts Einkaufsmacht verbessert hätte, blieb trotz vollmundiger Ankündigungen aus. Nach dem 1998 abgeschlossenen Deal mit Spar fand sich niemand mehr, der seine Märkte abtreten wollte. Gleichzeitig kommen die Amerikaner beim Aufbau eigener Standorte nicht voran – wie an Berlins Alexanderplatz. Vis-à-vis vom Roten Rathaus wollte Wal-Mart auf 11 000 Quadratmetern sein Geschäft betreiben. Doch der US-Konzern verlor das Interesse. „Wir hatten Bedenken wegen der Gebäudesicherheit“, sagt Hafner. Insider glauben dagegen, dass die US-Zentrale ihr Geld heute lieber in hoch rentable chinesische und womöglich demnächst russische Standorte steckt. „Weshalb sollten die ausgerechnet jetzt in Deutschland investieren?“ spottet ein Kölner Handelsexperte angesichts der flauen Wirtschaftslage im Einzelhandel. Branchenbeobachter lästern seit langem schon über ein „Rollback“ auch bei den Märkten – wovon Hafner nichts wissen will: „Es gibt noch zahlreiche interessante Standorte für uns“, sagt er. Seit dem Deutschlandstart hat der US-Händler per saldo drei verloren. An einen baldigen Rückzug der Amerikaner aus Deutschland, wo sie weniger umsetzen, als ihnen Ladendiebe in den USA entwenden, glauben indes nur wenige Experten. Denn während der Deutschlandverlust bei Wal-Marts neun Milliarden Dollar Konzerngewinn kaum ins Gewicht fällt, würde der Gesichtsverlust das Unternehmen schwer erschüttern. „Das zahlen die“, sagt Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers, „aus der Portokasse.“
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