Schweinegrippe: Eine Spritze für die Pharmakonzerne

Schweinegrippe: Eine Spritze für die Pharmakonzerne

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Die Impung gegen die Schweinegrippe hat begonnen - schon jetzt steht fest, dass Pharmakonzerne zu Gewinnern der Impfung zählen

von Jürgen Salz

Die größte Impfaktion in der Geschichte Deutschlands hat begonnen. Während die Mediziner noch darüber streiten, ob der Piekser gegen die Schweinegrippe überhaupt sinnvoll ist, stehen die Pharmakonzerne bereits als Gewinner fest. Deutsche Medikamenten-Hersteller bleiben dabei allerdings außen vor.

Bei Impfstoffen spielen deutsche Unternehmen keine Rolle. Es sind große, internationale Pharmaunternehmen, die sich den lukrativen Markt gesichert haben: Dazu zählen der britische Konzern GlaxoSmithKline, die Schweizer Novartis und die französische Sanofi.

Am meisten profitiert dabei GlaxoSmithKline (GSK), nach Pfizer der zweitgrößte Pharmakonzern der Welt, von der Schweinegrippe. Mit Pandemrix, so der Name der Spritze, werden in Deutschland ab heute Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte und Krankenschwestern geimpft.

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Anfang November kommen dann chronisch kranke Menschen dran und ab Ende November darf sich jeder Bundesbürger, der möchte, Pandemrix injizieren lassen. Produziert wird der Stoff immerhin in Deutschland - im Sächsischen Serumwerk in Dresden, das zu GSK gehört.

Das Werk arbeitet an der Kapazitätsgrenze. Täglich werden nun in Dresden 380 000 Hühnereier angeliefert, die dann zum Impfstoff weiterverarbeitet werden. Allein 50 Millionen Impfdosen hat die Bundesregierung bei GSK bestellt. Weltweit  bestellten die Regierungen aus 22 Ländern 440 Millionen Impfdosen - was nach Berechnungen der Investmentbank JP Morgan einem Gegenwert von 3,5 Milliarden Dollar für GSK entspricht.

Impfmediziner warnen vor Panikmache

Auf deutlich weniger kommt der US-Konzern Baxter mit seinem Impfstoff Celvapan - hierfür gingen weltweit Bestellungen für nur 80 Millionen Impfdosen ein. In Deutschland wird der Baxter-Stoff an Bundeswehrsoldaten, Politiker und hohe Beamte verabreicht.

Vor einigen Tagen sorgte das für gehörigen Ärger - erregt debattierte die Öffentlichkeit darüber, dass der angebliche bessere Impfstoff Celvapan den hochrangigen Politikern vorbehalten blieben, während die normale Bevölkerung mit dem angeblich schlechteren Impfstoff Pandemrix vorlieb nehmen müsste.

Reine Panikmachen, sagen Impfmediziner. Der Unterschied zwischen beiden Mitteln: Celvapan enthält im Gegensatz zu Pandemrix keine sogenannten Wirkstoffverstärker. Dadurch sind bei der Celvapan-Behandlung weniger Nebenwirkungen wie Schwellungen oder Fieber zu erwarten. Das Mittel hat deswegen allerdings auch einen entscheidenden Nachteil: Ohne die Wirkstoffverstärker fällt auch der Impfschutz schwächer aus.

Tamiflu vor dem Comeback

Fraglich ist, wieviele Deutsche sich überhaupt noch impfen lassen wollen. Die Bundesregierung ist jedenfalls vorbereitet: Falls es zu einem Ansturm bei der Massenimpfung kommt und die Vorräte schnell zur Neige gehen, kann die Regierung noch einmal nachordern. Mit dem Schweizer Konzern Novartis hat sie eine Option auf 18 Millionen Dosen des Impfstoffs Focetria vereinbart. Der Schweizer Konzern liefert sein Mittel außerdem in die USA, nach Frankreich und Japan. Im vierten Quartal 2009 soll Focetria 700 Millionen Dollar in die Kassen spülen, kündigte Novartis-Konzernchef Daniel Vasella kürzlich bei der Vorlage der Bilanzzahlen an.

Indirekt profitiert Novartis auch von dem neuen  Boom bei der Grippepille Tamiflu, die sich in Zeiten der Schweinegrippe wieder einer steigenden Nachfrage erfreut. Hersteller von Tamiflu ist der Schweizer Konzern Roche - und Novartis hält etwa 30 Prozent der Roche-Aktien. Tamiflu ist kein Impfstoff, sondern eine Kapsel, die, sofern rechtzeitig eingenommen, die Grippesymptome deutlich abmildern kann.

Vor etwa vier Jahren war Tamiflu zuletzt groß in den Schlagzeilen, als die Angst vor der Vogelgrippe grassierte. Danach  wurde es ruhig um das Präparat. Jetzt beschert die Schweinegrippe Tamiflu ein unverhofftes Comeback: In den ersten neun Monaten 2009 verfünffachte sich der Roche-Umsatz mit Tamiflu auf etwa zwei Milliarden Dollar - vor allem dank der Pandemievorsorge der Regierungen.

Deutliche Zuwächse erreichte auch die Grippepille Relenza im ersten Halbjahr 2009. Relenza stammt, wie der Impfstoff Pandemrix, von GlaxoSmithKline - dem Pharmakonzern, der wohl am meisten von der Schweinegrippe profitiert.             

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