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Schwindende Nachfrage: Rohstoff-Lieferanten senken Preise

von Martin Murphy und Katharina Slodczyk Quelle: Handelsblatt Online

China gibt den Ton vor: Die Konjunktur in der Volksrepublik kühlt sich ab, daher geht die Nachfrage nach Rohstoffen zurück, vor allem die nach Eisenerz und Kokskohle. Das macht Eisenerz und Kokskohle billiger. Etliche Hersteller fahren nun die Produktion zurück.

Die Nachfrage nach Kohle und Erz ist rückläufig. Etliche Hersteller reagierten mit Preissenkungen. Quelle: Reuters
Die Nachfrage nach Kohle und Erz ist rückläufig. Etliche Hersteller reagierten mit Preissenkungen. Quelle: Reuters
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FRANKFURT/LONDON. Es liegt an China - mal wieder. Weil sich die Konjunktur in der Volksrepublik abkühlt, geht die Nachfrage nach Rohstoffen zurück, vor allem die nach Eisenerz und Kokskohle. Das lässt auch die Preise sinken - zum ersten Mal in diesem Jahr.

Der weltweit größte Rohstoff-Förderer BHP Billiton hat mit einigen wichtigen Kunden einen Abschlag von gut sieben Prozent auf die bisherigen Preise für Kokskohle vereinbart. Der Konzern verkaufe damit im kommenden Quartal eine Tonne für 209 Dollar, teilten die japanischen Stahlhersteller JFE Holdings und Kobe Steel gestern mit. Der Rest der Branche in Asien, Europa und Amerika orientiert sich für gewöhnlich an den Verträgen, die die ersten Stahlhütten mit einem der Rohstoff-Riesen abschließen.

Der Abschlag auf Eisenerz werde noch höher ausfallen, heißt es in der Branche. Die Preise könnten um bis zu zwölf Prozent sinken - von derzeit noch 147 Dollar pro Tonne auf 130 Dollar.

Die Nachfrage nach Rohstoffen gilt als ein Konjunkturindikator. Kokskohle und Eisenerz sind die beiden wichtigsten Materialien für die Stahlerzeugung. Die Kosten für Stahl beeinflussen die Preise von zahlreichen Alltagsgütern, vom Auto bis zur Waschmaschine.

BHP Billiton hatte bereits bei der Veröffentlichung seine Jahreszahlen vor einer Woche angedeutet, dass die Wachstumsraten in China auf Normalniveau sinken und damit die Nachfrage der Stahlhütten nach Eisenerz und Kokskohle zurückgeht. Viele Hersteller haben im vergangenen Quartal wegen der verringerten Nachfrage ihre Produktion zurückgefahren.

China ist der mit Abstand größte Importeur dieser Rohstoffe, gefolgt von Japan, Südkorea und Deutschland. Rund 40 Prozent der weltweit geförderten 1,6 Milliarden Tonnen Eisenerz werden in den Stahlhütten des Landes verarbeitet.

Starker Anstieg seit Jahresbeginn

Angetrieben durch Chinas Rohstoffhunger sind die Rohstoffpreise seit Jahresanfang deutlich gestiegen. Nach einer Verdoppelung zum zweiten Quartal hoben die Minenbetreiber zum dritten ihre Preise um 20 Prozent an.

Möglich wurde die zügige Verteuerung durch ein neues Preissystem. In den vergangenen vier Jahrzehnten hatten die Stahlhütten und die Rohstoffkonzerne Jahresverträge abgeschlossen, in denen der Preis für die gesamte Laufzeit festgelegt wurde. Im Frühjahr 2010 haben BHP Billiton, Vale und Rio Tinto, die drei größten Minenbetreiber, flexiblere Verträge durchgesetzt. Der Preis orientiert sich jetzt an den Spotmarktkonditionen, die Vereinbarungen haben eine Laufzeit von drei Monaten.

Die Umstellung beschert den Bergbaukonzernen üppige Gewinne, daran wird auch die momentane Preisschwäche nichts ändern. "Wir rechnen mittelfristig mit einer Verteuerung von Eisenerz und Kokskohle", sagte eine Sprecherin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Erst langfristig könnten die Bezugspreise sinken, wenn neue Eisenerzminen in Betrieb genommen würden.

Das von den Minenfirmen diktierte Preissystem hat viele in der Industrie verunsichert. Eine Anhebung der Stahlpreise akzeptierten die Kunden zwar, allerdings lehnen einige Großabnehmer aus der Fahrzeugindustrie einen sogenannten Rohstoffanhänger ab. Über diesen sollen die Schwankungen bei Erz und Kohle an die Kunden weitergegeben werden. Die Autobauer wollen hingegen stabile Preise.

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