Serie Unternehmer: Der Prozesskönig

Serie Unternehmer: Der Prozesskönig

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Otto Schwimmbeck

von Mario Brück

Kein Studium, nur mittlere Reife und Lehre – mit Detail- und Technikbesessenheit hat es Otto Schwimmbeck trotzdem zum globalen Wägetechnikspezialisten gebracht.

Der Notruf kommt um 0.34 Uhr aus einer Titan-Schmelze bei Xian, einer Millionenstadt in der chinesischen Provinz Shaanxi. Es gibt Probleme beim Wiegen und Mischen der Grundstoffe. Doch die zwei Chinesen, die mit der Steuerung der Anlage vertraut sind, fallen aus. Produktionsleiter Feng Lan ist auf Dienstreise, sein Stellvertreter erkrankt.

Kein Problem für die Firma OAS in Bremen. 45 Minuten nach dem Anruf übernehmen Mitarbeiter von hier aus die Kontrolle über das 7600 Kilometer entfernte Monstrum – per Fernwartung über das Internet. Nach fünf Tagen ist einer der Chinesen wieder an Bord, Zeit für die Hanseaten, sich auszuklinken.

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Ohne Studium zum globalen Unternehmen

Die Superspezialisten, die in der Lage sind, überall einzugreifen, haben ein großes Vorbild: ihren Chef Otto Schwimmbeck. Ohne Studium, nur mit mittlerer Reife und einer Lehre zum Industriekaufmann, wurde der 65-Jährige zum Star einer ebenso kleinen wie wichtigen Branche, der Wägetechnik. OAS steht für den Entrepreneur Otto A. Schwimmbeck, wie er sich vollständig nennt. Zu Beginn der Achtzigerjahre gründet der gebürtige Bayer ein kleines Ingenieurbüro für industrielle Wäge- und Anlagentechnik in der Nähe von Bremen. Innerhalb von drei Jahrzehnten wurde daraus eine Aktiengesellschaft mit 180 Mitarbeitern, vier Niederlassungen und einem Umsatz von 30 Millionen Euro. Damals wie heute dreht sich in dem nicht börsennotierten Unternehmen, an dem Schwimmbeck 99 Prozent hält, alles ums Wiegen.

Schwimmbeck mischt in vielen Branchen mit: in der Farben- und Lackindustrie, im Automobilbau, bei Chemie- und Baustoffherstellern bis hin zur Lebensmittelindustrie. Er hat aus dem sprichwörtlichen Nichts eine High-Tech-Schmiede aufgebaut, die für viele Unternehmen unverzichtbar geworden ist. Schwimmbecks wichtigste Geschäftsfelder sind die Prozessleittechnik, die Wägetechnik und die Verarbeitung der dabei anfallenden Daten. Ob bei der Herstellung von Titan, beim Mischen von Jacobs-Kaffee, beim Brauen von Beck’s-Bier oder auf dem Weg der Rohkarosse durch die Fertigungsstraße bei Mercedes in Bremen: Überall steckt Wissen von OAS drin.

Gründung mit Unternehmen

Schwimmbeck bekam das Unternehmerdasein zwar in die Wiege gelegt, doch mehr als die Hälfte seines Lebens deutete nichts auf eine eigene Unternehmer-Karriere hin. Er wird wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im oberbayrischen Bad Kohlgrub bei Oberammergau als Sohn eines Kaminbau-Unternehmers geboren. Nach Schule und Lehre beim damaligen Flugzeughersteller Messerschmitt in Augsburg absolviert Schwimmbeck ein Praktikum bei Pfister, einem Augsburger Traditionsunternehmen für Wäge- und Dosiertechnik – und findet seine Berufung.

Schwimmbeck lernt schnell, sich durchzuschlagen. Er wird bayrischer Juniorenmeister im Box-Schwergewicht. Bei Pfister vertritt er das Unternehmen als Vertriebsmitarbeiter in Paris, dann in Hannover und später in Bremen. Als Pfister 1970 vom Kölner Motorenhersteller Klöckner-Humboldt-Deutz geschluckt wird, reifen in Schwimmbeck Pläne, sich selbstständig zu machen. Er gründet mit einem Dutzend ehemaliger Pfister-Kollegen OAS.

Der Durchbruch gelingt Schwimmbeck, als er 1985 den ersten eichfähigen Rechner entwickelt: einen Computer samt Software, der sich ähnlich wie ein Bierglas oder eine Zapfsäule von staatlichen Behörden eichen – und dann nicht mehr manipulieren lässt. Die Idee von damals ist noch immer die Basis heutiger Wägetechnik bei der OAS.

Mit der Suche nach einem Nachfolger lässt er sich Zeit. Es gebe einen Plan für den Notfall, darunter auch die Option für einen Börsengang, sagt Schwimmbeck. Zugleich hat er seine Tochter Kerstin auf der Rechnung. Die 41-jährige Diplomkauffrau hält rund ein Prozent am Unternehmen und leitet einen eigenständigen Geschäftsbereich, der mittelständische Unternehmen mit IT-Systemen ausrüstet und deren Soft- und Hardware wartet.Eile, den Stab abzugeben, hat Schwimmbeck nicht. „Ich möchte bis 90 arbeiten“, sagt er, „danach allerdings nur noch halbtags.“

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