Du musst schnell sein, und du musst lächeln! Diese zwei Dinge bringt Mads Veirup den Anfängern als Erstes bei. Fünf bis zehn Sekunden haben seine Verkäufer, um einen Kunden zu bedienen. Schaffen sie es in der knappen Zeit nicht, bildet sich eine Schlange. Und das schadet dem Geschäft. Zu manchen Zeiten stürmen die Menschen sekündlich in den kleinen Seven-Eleven-Laden, den der 31-Jährige in der dänischen Hafenstadt Aarhus betreibt. Rund 1800 Kunden sind es am Tag. Sie kaufen Schokoriegel, Joghurtdrinks, Shampoos, die Bestseller der lächelnden Verkäufer sind Hotdogs. Über den Mitarbeitern flackern 24 Stunden am Tag Werbespots auf einem Plasmabildschirm – Coca-Cola, Häagen- Dazs – bezahlt von den Herstellern. Auch das gehört zum Konzept der erfolgreichsten Tante-Emma-Ladenkette der Welt. Veirups Seven-Eleven ist einer von 55 in Dänemark, von 200 in Europa, von gut 28.000 weltweit. Die Kette gehört zur Seven & I Holdings mit Sitz in Tokio, dem größten Einzelhändler Asiens. In Deutschland hat die Kette jedoch wegen der rigiden Ladenöffnungszeiten noch keinen ihrer meist auf Franchisebasis betriebenen Convenience Stores, wie sie im Fachjargon heißen: Sie halten sich kein Lebensmittelvollsortiment, sondern wollen ihren Kunden mit mikrowellentauglichem Abendessen, verzehrfertigen Salaten oder Bankautomaten das Leben „bequem“ machen. Die Abstinenz vom deutschen Markt könnte bald vorbei sein. Der Koalitions-vertrag der neuen Regierung in Berlin sieht vor, dass Ladenschlusszeiten Ländersache werden. Elf der 16 Bundesländer haben inzwischen schon angekündigt, den gesetzlichen Ladenschluss von Montag bis einschließlich Samstag ganz aufzuheben, sobald sie die Zuständigkeit dafür erhalten. Ein Signal, dem die norwegische Reitan-Gruppe entgegenfiebert. Sie besitzt bereits die Seven-Eleven-Lizenzen für Norwegen, Schweden, Dänemark. Auf Deutschland werfen die Norweger schon lange ein Auge. Im Herbst dieses Jahres plant Reitan in Deutschland erste Geschäfte zu öffnen, wahrscheinlich in Berlin. Das Unternehmen bringt damit Bewegung in den Markt der Kleinstläden, den der Handel lange vernachlässigt hat – unverständlicherweise, sagen Stadtentwickler und Einzelhandelsverband. Seven-Eleven gilt als Meister der Convenience Stores und der japanische Konzernchef Toshifumi Suzuki als Guru des Lieferkettenmanagements.
Richtig groß geworden ist Seven-Eleven in Fernost. Das Unternehmen aber startete schon 1927 in Dallas, Texas. 1946 nannte es sich erstmals Seven-Eleven, um auf neue Ladenöffnungszeiten hinzuweisen – von sieben Uhr morgens bis elf Uhr abends. Inzwischen sind fast alle Geschäfte rund um die Uhr geöffnet. Der heutige Seven-Eleven-Chef Suzuki begann 1974 als Lizenznehmer der amerikanischen Handelskette. Da er schon früh mit Computern das Käuferverhalten analysierte, konnte er die richtigen Produkte zur richtigen Zeit in die Läden liefern. Selbst den Wetterbericht bindet er in das Bestellsystem ein. Ist Dauerregen angesagt, werden kurzerhand Regenschirme ins Sortiment genommen. Das Geschäft in Japan wuchs bald schneller als das in Amerika. Heute betreibt Suzuki in Japan rund 11.000 Shops. Als die Seven-Eleven-Mutter in den USA Anfang der Neunzigerjahre ins Trudeln geriet, stieg Suzuki ein. Im vergangenen Herbst erwarb er die restlichen Anteile und nahm das Unternehmen von der New Yorker Börse. Die neue Seven & I Holdings, nun Dach der Kette, ist seit September vergangenen Jahres an der Tokioter Börse notiert. Seit der Erstnotiz legte der Börsenkurs um rund 25 Prozent zu. Seven & I erzielte im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von umgerechnet rund 28 Milliarden Euro einen Nettogewinn von gut 630 Millionen Euro. Die familiengeführte norwegische Reitan-Gruppe betreibt wie einst Suzuki als Lizenznehmer das Franchisesystem Seven-Eleven in Skandinavien. Die Expansion nach Deutschland sei für das Unternehmen ein großer Schritt, sagt Magnar Møkkelgård, der das Projekt leitet. Die Reitan- Gruppe wolle die Läden zunächst ein bis zwei Jahre selbst führen, bevor sie Franchisenehmer sucht. Was die Anzahl der Geschäfte angeht, druckst Møkkelgård. Oslo, mit einer halben Million Einwohner, habe 70 Seven-Eleven. Bei Berlin sei das Potenzial entsprechend größer. Über bundesweite Zahlen will er nichts sagen.










