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Siemens-Affäre: Ex-Vorstand Ganswindt vor Gericht

von Michael Kroker

Noch nie stand ein Ex-Zentralvorstand von Siemens wegen des Korruptionsskandals vor Gericht. Doch das ändert sich jetzt: In München beginnt der Prozess gegen den früheren Top-Manager Thomas Ganswindt. Es ist der zweite Anlauf.

Thomas Ganswindt, ehemaliges Quelle: dpa
Thomas Ganswindt, ehemaliges Siemens-Vorstandsmitglied, Quelle: dpa

Wenn am heutigen Dienstag vor der Wirtschaftsstrafkammer des Münchner Landgerichts der Prozess gegen ihn beginnt, dürfte Thomas Ganswindt zunächst vor allem ein Gedanke durch den Kopf gehen: "Endlich!"

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Denn das Verfahren gegen den 50-jährigen Ex-Manager ist aus mehrerlei Gründen ein Unikum: Mit Ganswindt muss sich erstmals seit der Aufdeckung des gigantischen Schmiergeldskandals bei Siemens Ende 2006 ein ehemaliges Mitglied des Zentralvorstandes - also des höchsten und innersten Führungszirkels der Münchner - als Angeklagter vor Gericht verantworten.

Dabei wirft die Staatsanwaltschaft Ganswindt  nicht einmal vor, selber aktiv bestochen oder Mitarbeiter zu Schmiergeldzahlungen angestiftet zu haben - im Gegensatz zu den bisherigen Verfahren gegen rangniedrigere Siemens-Manager. Vielmehr habe der einstige Chef der besonders korruptionsverseuchten Telekommunikationssparte von Siemens in den Augen der Ankläger seine Aufsichtspflicht vorsitzlich verletzt sowie mittelbar Steuerhinterziehung begangen.

Schwierige Beweisführung im Prozess erwartet

Ganswindt, der als einer der wenigen Beschuldigten in der Korruptionsaffäre Ende 2006 sogar zehn Tage in Untersuchungshaft verbringen musste, hat ein persönlichen Fehlverhalten bestritten und stets beteuert, öffentlich für seine Unschuld kämpfen zu wollen. Wohl auch aus diesem Grund hat er sich im Unterschied zu den ehemaligen Siemens-Vorstandschefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld bisher geweigert, einen Vergleich mit seinem einstigen Arbeitgeber einzugehen und Schadensersatz zu zahlen.

Wie kompliziert der Sachverhalt tatsächlich ist, beweisen die Umstände im Vorfeld des heutigen Prozessauftaktes: Eigentlich sollte die Verhandlung gegen Ganswindt bereits in der dritten Januawoche starten. Doch nach wenigen Minuten wurde der Prozess wieder unterbrochen - Ganswindts Anwalt Kurt Bröckers hatte erfolgreich moniert, die Besetzung der Wirtschaftsstrafkammer mit nur zwei Berufsrichtern sei angesichts der Komplexität des Verfahrens zu wenig.

Nach Ansicht von Bröckers steht die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen seinen Mandanten auf dünnem Eis. "Bislang wurden eine ganze Reihe entlastender Umstände nicht berücksichtigt", äußerte er im Vorfeld des Prozessauftaktes gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. So hätten diverse betriebsinterne Untersuchungen zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf Korruption ergeben. Dass auch die Ankläger von einer schwierigen Beweisführung ausgehen, beweist zudem der zeitliche Rahmen des Prozesses: Angesetzt ist er auf stolze 23 Verhandlungstage.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.04.2011, 20:18 UhrAnonymer Benutzer: Schmu

    "So hätten diverse betriebsinterne Untersuchungen zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf Korruption ergeben."
    bärenstarkes Argument.
    Der ganze Verein ist mafiös strukturiert.
    Da geht doch kein Großauftrag ohne vorherigen Schmiergeldfluß ein.
    im Anbetracht der übermächtigen Konkurrenz benutzt man alte Kontakte immer und immer wieder.
    Wir (Deutschen) m¨ússen endlich der Realität ins Auge sehen:
    Wir müssen auf bildung setzten und zwar kompromisslos.
    Das ist alles was wir an Ressourcen haben.
    Firmen wie Siemens reiten auf der Verblödung der Menschen durch Film und Fernsehen (und nicht zu letzt schrumpfender bildungsetats) auf kurzfristige Erfolgswellen.
    Wir bluten uns langsam aus.
    ich sehe schwarz für die Zukunft, aber solange es noch Menschen wie meinen Vorredner gibt, die glauben Obergangster wie Ganswindt seien keine bedrohung für unser schönes Land, solange ist das Ungleichgewicht gesichert, zu Gunsten ein paar Weniger auf Kosten der breiten Masse.

  • 05.04.2011, 10:32 UhrAnonymer Benutzer: Hugo Boss

    Einige Mitarbeiter haben bestochen. Ganswind hat das (so der Artikel) nicht inittiert, ja noch nicht einmal davon gewusst. Den Mann dafuer in Untersuchungshaft zu nehmen und vor Gericht zu zerren, scheint mir unverhaeltnismaessig.

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