Siemens-Beschäftigungsgarantie: Wenn nicht jetzt, wann dann?

KommentarSiemens-Beschäftigungsgarantie: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Passanten vor dem Siemens-Forum in München.

Siemens will bis mindestens 2013 auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland verzichten – eine Zusage mit schalem Beigeschmack, denn nichts dürfte dem Siemens-Management aktuell leichter fallen, als auf Ärger mit seinen Mitarbeitern zu verzichten.

Auf den ersten Blick kann Siemens-Chef Peter Löscher seinen Beschäftigten heute eine gute Nachricht verkünden: Der seit Juli 2008 und eigentlich Ende dieses Monats auslaufende Pakt zwischen Management, Gesamtbetriebsrat und IG Metall wird unbefristet verlängert; ja mehr noch: Der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen wird sogar auf den ganzen Konzern erweitert, weil er künftig – bis auf eine Ausnahme – auch für alle Tochtergesellschaften von Siemens in Deutschland gilt. „Siemens ist ein verantwortungsvoller Arbeitgeber“, lässt sich Löscher in einer Pressemitteilung von heute zitieren. „Jeder einzelne Mitarbeiter ist uns wichtig.“

So weit, so platt. Denn zum einen dürften für die rund 2000 Mitarbeiter, die aktuell bei der krisengeplagten und zum 1. Oktober auszugliedernden Siemens-IT-Sparte SIS abgebaut werden, solche Worte wie Hohn klingen. SIS ist nämlich als einzige Tochtergesellschaft von dem Pakt ausgeschlossen, der übrigens Beschäftigungs- wie auch Standortsicherung umfasst. Sind das erste Vorboten von drohenden Standortschließungen bei SIS? Überdies ist die Vereinbarung auch im Rest des Konzerns nicht komplett unbefristet: Sie gilt einstweilen bis 2013 und verlängert sich dann quartalsweise, sofern sie nicht gekündigt wird.

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Vermeintliches Zugeständnis im Rekordjahr

Zum anderen dürfte es kaum je ein Versprechen gegeben haben, das Löscher leichter gefallen ist als das jetzige. Immerhin ist Siemens – vor allem auch dank früh eingeleiteter Sparprogramme und wegen des Verzichts vieler Mitarbeiter in Form von Kurzarbeit – besser durch die Krise gekommen als fast alle anderen großen Industrie- und Elektrokonzerne. Trotz zwischenzeitlich rückläufiger Aufträge und Umsätze erzielte Siemens im Krisenjahr 2009 einen operativen Rekordgewinn von 7,5 Milliarden Euro. Und wie Löscher Ende Juli bei der Bekanntgabe der Zahlen fürs dritte Quartal verkündete, soll der Gewinn im Ende September ablaufenden Geschäftsjahr 2010 sogar noch „deutlich darüber liegen“.

So positiv eine unbefristete Beschäftigungs- und Standortgarantie als Signal auch ist – für Siemens und seine rund 128.000 Mitarbeiter in Deutschland ist sie unter den aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wenn nicht jetzt, wann dann – möchte man da fragen. Daher erzeugt Löschers Eigenlob vom verantwortungsvollen Arbeitgeber gleichzeitig auch einen leicht schalen Beigeschmack.

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