Siemens-Bestechungsaffäre: Prozessauftakt gegen Ex-AUB-Chef Schelsky

Siemens-Bestechungsaffäre: Prozessauftakt gegen Ex-AUB-Chef Schelsky

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Der Schelsky-Knast

588 Tage wird Wilhelm Schelsky in U-Haft gesessen haben, wenn morgen in Nürnberg sein Prozess in der Siemens-Bestechungsaffäre beginnt.

Gemeinsam sitzen von morgen an zwei Beschuldigte in der Siemens-Korruptionsaffäre auf der Anklagebank des Landgerichts Nürnberg-Fürth. Der eine ist der frühere Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer. Der andere, Wilhelm Schelsky, war über 20 Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger, kurz AUB. Siemens hatte die Arbeitnehmerorganisation heimlich finanziert, um den Einfluss der IG Metall im Konzern zu schwächen. Feldmayer ist der Untreue angeklagt, laut Staatsanwalt soll er an Schelsky 30,3 Millionen Euro gezahlt haben, ohne dass Siemens dafür adäquate Gegenleistungen erhielt. Schelsky, 59, muss sich wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue verantworten.

Der Sturz für beide war tief, doch besonders tief fiel Schelsky. Feldmayer wurde am 27. März 2007 verhaftet, konnte die Justizvollzugsanstalt Bamberg aber nach einer Woche verlassen. Schelsky dagegen wird, wenn der Prozess am 24. September beginnt, genau 588 U-Haft-Tage abgesessen haben. Am 14. Februar 2007 – dem Valentinstag – nahm ihn die Polizei in seiner Ostsee-Villa in Lubmin fest und brachte ihn zur Justizvollzugsanstalt (JVA) Nürnberg. Seitdem ist der einstige Gesprächspartner des Siemens-Top-Managements einer von 400 Untersuchungshäftlingen in Nürnberg.

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4,30 Meter mal 2,10 Meter, so lang und so breit ist Schelskys Zelle im neueren Teil des U-Haft-Trakts – neun Quadratmeter, von denen noch mal ein Quadratmeter abgeht für die abgetrennte Toilette.

588-mal morgens um sechs geweckt werden und heißen Kaffee bekommen – Brot und Marmelade für das Frühstück gibt es schon am Vortag. 588-mal eine Stunde Hofgang, 588-mal Gemeinschaftsdusche ab neun Uhr, 588-mal Ausgabe des Mittagessens gegen elf Uhr. Zwei bis drei von 24 Stunden kann Schelsky die Zelle verlassen, 21 Stunden ist die knallgelbe Tür zu. 588 Tage ohne Büro, Telefon, Bewegungsfreiheit, kaum Kontakte. Besuch von Familie und Freunden: eine Stunde im Monat. Der Anwalt ist die Haupt-Kontaktperson nach draußen. Privatpost lesen die Ermittler.

Kein Platz für 200 Leitz-Ordner

Ex-AUB-Chef Wilhelm Schelsky Quelle: Frank Boxler

Ex-AUB-Chef Wilhelm Schelsky

Bild: Frank Boxler

Weil Schelsky das Ermittlungsmaterial – 200 Leitz-Ordner – auf seinen neun Quadratmetern nicht unterbringen könne, müsse er aus der U-Haft entlassen werden, hatte laut Münchner „Abendzeitung“ sein Anwalt Jürgen Lubojanski gefordert. Doch keine Chance – JVA-Leiter Hans Welzel bietet Schelsky stattdessen „einen Raum für sonst drei Personen“ an, hat aber keinen entsprechenden Antrag erhalten.

Für Feldmayer – einst Kronprinz des Vorstandschefs Heinrich v. Pierer – verlief die Zeit komfortabler und doch demütigend. Gegen fünf Millionen Euro Kaution in Form einer selbstschuldnerischen Bankbürgschaft holte ihn Anwalt Martin Reymann-Brauer nach acht Tagen aus der U-Haft – unter Auflagen. Der 51-Jährige meldete sich zweimal pro Woche auf einer Polizeiwache, später einmal im Monat. Ende 2007 wurden Haftbefehl und Auflagen aufgehoben.

Feldmayer hatte die Schelsky-Zahlungen nur fortgeführt. Wie sie entstanden, müssen Ex-Vorstände und -Aufsichtsräte von Siemens nun als Zeugen erklären.

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