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Siemens-Chef Peter Löscher: "Die Lage ist fragil"

von Michael Kroker

Siemens-Chef Peter Löscher über grüne Technologien, neue Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft und den Innovationsstandort Deutschland.

Peter Löscher (AP Photo/Uwe Quelle: AP
Peter Löscher (AP Photo/Uwe Lein) Quelle: AP

WirtschaftsWoche: Herr Löscher, wie wird die Welt nach der Krise aussehen?

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Löscher: Die Kräfteverhältnisse werden sich verschieben. Die Schwellenländer wachsen nach der Krise deutlich stärker als vorher, und sie gewinnen zudem politisch enorm an Einfluss. Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren etwa die Hälfte des Wachstums aus den Schwellenländern kommen wird.

Wohin verschiebt sich die Nachfrage? 

Weiter nach China, Indien, Brasilien und Russland, in die Länder des Nahen und Mittleren Ostens, aber auch in kleinere Schwellenländern. Grund dafür sind unter anderem die Stimulusprogramme, die sich auf die nachhaltige Erneuerung der Infrastruktur konzentrieren. In immer mehr Ländern gibt es einen klaren Fokus auf Energieeffizienz und grüne Technologien. Wir erwarten, dass weltweit 430 Milliarden Euro aus Konjunkturprogrammen für grüne Technologien ausgegeben werden.

Sind diese Programme nachhaltig?

Ja. In den nächsten drei Jahren werden sie stabilisierend auf die Weltwirtschaft wirken. Sie sind im Übrigen auch eine wichtige Stütze für unser Geschäft. Wir erwarten, dass von den rund zwei Billionen Euro, die weltweit für Wirtschaftsprogramme ausgegeben werden, gut 150 Milliarden Euro von uns adressierbar sind. Wir wollen zehn Prozent dieser Aufträge für Siemens holen, also rund 15 Milliarden. Dies dämpft den Rückgang der privaten Nachfrage.

Aber insbesondere die Konjunkturprogramme im Bereich grüner Technologien werden doch nur kommen, wenn es nicht – siehe Dubai – einen neuerlichen Rückschlag für die Weltwirtschaft gibt.

Die Geschehnisse in Dubai zeigen, dass die Lage zum Teil weiterhin fragil ist. Dennoch glaube ich fest daran, dass die Stimulusprogramme wirken. Nehmen Sie das 800-Milliarden-Dollar-Programm in den USA: Etwa acht Milliarden Dollar fließen in das Thema Hochgeschwindigkeitszüge, rund vier Milliarden in intelligente Stromnetze. Über die Ausgaben für die nachhaltige Infrastrukturentwicklung hinaus geht es auch um massive Investitionen in Forschung und Entwicklung, etwa bei den erneuerbaren Energien.

Sie haben grüne Technologien als Wachstumshebel skizziert. Wo genau setzt Siemens diesen Hebel an?

Wir haben in unserem grünen Portfolio alle Produkte zusammengefasst, die beim Kunden zu mehr Energieeffizienz führen. Das geht weit über die erneuerbaren Energien hinaus. Ein Beispiel ist unsere neue Gasturbine, deren Entwicklung wir gerade abgeschlossen haben und deren Wirkungsgrad deutlich über dem liegt, was bislang im Markt verfügbar ist. Oder unser Hochgeschwindigkeitszug, der nicht nur der schnellste, sondern auch beim Energiesparen Weltspitze ist. Insgesamt erwirtschaftete Siemens mit diesen Produkten im Geschäftsjahr 2009 rund 23 Milliarden Euro.

Züge und Turbinen hat Siemens schon lange im Angebot. Nun werden sie als grün deklariert, weil es besser klingt.

Vielleicht ist es ziemlich Siemens-typisch, Gutes zu tun, aber das nicht besonders herauszustellen. Das ist übrigens auch eine Botschaft des Klimagipfels von Kopenhagen: Die Industrie ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Denn es gibt bereits eine große Zahl sehr wirkungsvoller Produkte zum Bekämpfen des Klimawandels – wir müssen sie nur einsetzen!

Das grüne Portfolio sagt aber nichts darüber aus, wie umweltfreundlich die Produktionsprozesse von Siemens sind.

Das ist ein weiterer sehr wichtiger Punkt. Unsere Produktionsprozesse ’sind jetzt schon sehr effizient – dennoch haben wir uns auch intern das Ziel gesetzt, die Energieeffizienz von 2006 bis 2011 um 20 Prozent zu verbessern. Aber auch bei uns gibt es noch weitere Verbesserungspotenziale. So haben wir uns für die Senkung des Wasserverbrauchs oder die Abfallminderung ehrgeizige Ziele gesetzt und investieren weiter in die Energieeffizienz unserer eigenen Gebäude.

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11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.04.2010, 16:56 UhrAnonymer Benutzer: Siemens Inside

    Guten Tag,

    ich hoffe ich kann mit nachfolgende zeilen etwas klarheit einbringen.
    1. Vom jahre 1995 gibts einen Vorstandsbeschluß der folgende Entscheidung beinhaltet.
    a: Das operatieve Geschäft wird seinen Umsatzzahlen nach, als basis dienend, weltweit angepasst! Was heist das für Deutschland, bei ca. 24% Umsatz? Genau das bedeutet 24% der belegschaft vom Konzern der Siemens AG verbleibt in Deutschlang. Der Rest wird abgebaut. Als weltweites Unternehmen hat Siemens ca. 430 000 Mitarbeiter davon ca. 250 000 in Deutschland, Stand 1995.
    b: Welche Geschäftsfelder dabei geschlossen werden richtet sich nach frei Schnauze-Managment!
    c: Siemens bank hat so viel Geld dass es völlig egal ist, ob man bereiche mit plus Verkauft oder nicht, siehe Verkehrstechnik.
    Es geht einzig und allein nur um die strategische Ausrichtung oder mit anderen Worten: man schaffe sich Monopole um globale Macht zu bekommen bzw. erhalten.
    Also Leute es handelt sich bei Siemens nicht um Managment-Fehler, es ist geplant und geschickt getarnt. Die neue generation von Managern hat kein interesse an Arbeitsplätzen. Die kaufen sich das was Sie benötigen mit der Kohle die von den Arbeitnehmern zwischen 1900 und 2000 erarbeitet wurde.
    Es grüss die Siemens bank..........

  • 24.12.2009, 15:09 UhrAnonymer Benutzer: Dieter

    Genau das ist das Problem - der Vorstand hält die Mitarbeiter für Dumm. Die können einfach nicht kapieren dass es bei Siemens keine Kündigungen gibt - das wird dort Pensionierung, Selbstkündigung, einvernehmliche Vertragsbeendigung und Neuorientierung nach Außen genannt. Jeder würde verstehen dass bei einer Krise gespart werden muss - bei Siemens leider nur bei den Mitarbeiter - und das Einkommen vom Vorstand steigt gleichzeitig. Um eigene Taschen mit paar Millionen dicker zu machen, demotiviert man gleichzeitig 300000 Mitarbeiter. Die Angestellte sind aber leider nicht Dumm wie einer denkt - die Wirkungen werden sich erst zeigen. Die traditionelle Siemens Familienzugehörigkeit ist noch in Pierer Zeiten verschwunden. Jetzt will man noch die Motivation vernichten. Für ein kurzfristiges Gewinn wird heute die Zukunft verkauft.

  • 24.12.2009, 10:03 UhrAnonymer Benutzer: Auch ein Siemensianer

    2. Teil Fortsetzung

    Wie kann man bloss ein Programm auf die beine stellen, bei dem man den Vertrieb abbaut und sich hinterher wundert, dass man nicht mehr so hohe Umsätze macht und Marktanteile an Wettbewerber abgibt? Wie kann man weiterhin Atomkraft- oder Kohlkraftwerke bauen, und das ganze dann als grün bezeichnen. Oder warum wurde das Kommunikationsgeschäft aufgegeben, oder die Automobilsparte, oder die zig anderen Geschäftsfelder? Das zeigt doch nur, wie unbeholfen der Vorstand auf Veränderungen des Marktes reagiert. Wie jetzt bei der iT Sparte. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. So richtig weiß niemand wo es lang gehen soll.
    Ein Unternehmen das einen Pierer und Kleinfeld überstanden hat, wird leider den jetzigen Vorstand nicht mehr überstehen. Wenn es die nächsten zwei oder drei Jahre so weitergeht, dann möchte ich keine Aktien mehr von diesem Unternehmen besitzen, es sei denn zum anzünden des Kaminfeuers. Zu mehr werden die Aktien dann nicht mehr taugen.

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