Siemens: Cromme jagt von Pierer weiter

Siemens: Cromme jagt von Pierer weiter

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Klaus Kleinfeld, Heinrich von Pierer: Den beiden ehemaligen Siemens-Lenkern droht ein Ermittlungsverfahren der US-Börsenaufsicht

von Andreas Wildhagen

US-Ermittler und SEC lassen nicht locker: Sie wollen den früheren Siemens-Chef Heinrich v. Pierer in den USA vor Gericht bringen. Welche Rolle spielt dabei Siemens-Aufsichtsratschef Cromme?

Es schien nach einem Ende mit Schrecken auszusehen: Als der frühere Siemens-Chef Heinrich v. Pierer auf Druck der deutschen Ermittlungsbehörden ein Millionenbußgeld zahlte, schien es, als ob die Aktendeckel über den größten Schmiergeldskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte zugeklappt werden könnten. Für die beiden Ex-Siemens-Chefs v. Pierer und Klaus Kleinfeld war die Sache nach Lage der Dinge ausgestanden. Die Staatsanwaltschaft München erhob keine Anklage gegen die beiden - und so konnten die Top-Promis von Siemens wieder ihrer Arbeit nachgehen - v. Pierer als Pensionär mit einer Beratungsfirma in Erlangen, Klaus Kleinfeld als Chef der US-Aluminiumhütte Alcoa. Doch offenbar sieht die Sache anders aus.

Es gab in den vergangenen Wochen neue Gespräche der amerikanischen Ermittlungsbehörden mit Cromme, der seit zwei Jahren Aufsichtsratchef von Siemens ist und den Aufklärungsprozess von Anfang an begleitet und sogar angestoßen hat. Vorher gehörte der dem Prüfungsausschuss von Siemens an, was ihm den Vorwurf einbrachte, auch etwas von den Schmiergeldzahlungen gewusst gehabt zu haben - was die internen Ermittler aber stets offiziell verneinten. Cromme fühlte und fühlt sich selbst als Betrogener. Von wem? Von v. Pierer? Das weiß zur Zeit niemand. Aber es bedarf bezweifelt werden, ob seine Aussagen sehr entlastend für v. Pierer gewesen sind.

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Denn nun passiert etwas, was die Ermittler von der SEC nur sehr selten tun: Sie reisen demnächst nach Deutschland und erkundigen sich bei der Münchner Staatsanwaltschaft und auch bei Siemens selbst über den damaligen Ermittlungsstand bei v. Pierer, wollen wissen, was der US-Kanzlei Debevoise & Plimpton damals erfahren hat, als sie den Fall Siemens mit einer Bestechungssumme in Höhe von 1,5 Milliarden Euro - mit Scheinkonten und Strohmännern - aufrollte. Schon vor einem Jahr berichtete die WirtschaftsWoche über die wach gehaltene Neugier der amerikanischen Ermittler. Siemens als US-Unternehmen muss sich den sehr viel strikteren Gesetzen in Amerika und einer sehr viel schärferen Aufsicht stellen. Der "Spiegel" berichtet nun, dass die Ermittler v. Pierer noch vor Gericht bringen wollen.

Hat General Electric eine Rechnung offen?

Da macht es kein gutes Bild, dass beispielsweise ein früherer Siemens-Vorstand, zuständig für das Griechenland-Geschäft, zur Zeit "auf der Flucht" sei, sagen Juristen. Er hätte seinen Ferienort auf einer griechischen Insel nicht verlassen dürfen, weil Athener Richter ihn noch verhören und ihn nicht nach Deutschland ausreisen lassen wollten. Unbemerkt von den griechischen Behörden zog er nach Bayern und umging die juristischen Auflagen der Griechen. Folge: Ein internationaler Haftbefehl.

Zwar ist es unwahrscheinlich, dass Deutschland den Siemensianer je an Griechenland ausliefern wird. Aber die US-Ermittler wird der Fall interessieren. In Griechenland soll der US-Konkurrent General Electric nach eigenen Angaben auch Großaufträge an Siemens verloren haben. Das wiederum macht das Ermittlungsinteresse auch für v. Pierer so lästig.

Hat General Electric eine Rechnung mit v. Pierer offen? Soll der deutsche Vorzeigekonzern geschädigt werden? Soll v. Pierer, der gerade ein Buch schreibt über sein Wirken bei Siemens und auch über die Korruptionsaffäre, als respektable Persönlichkeit in Verruf gebracht werden, wie ein alter Siemensianer verbittert vermutet? Oder will Cromme den letzten seiner Widersacher in der Radikalaufklärung bei Siemens noch einmal in die Ecke drängen?

Es hängt alles davon ab, was Cromme noch über v. Pierer weiß. Cromme ist nicht nur Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp, sondern auch Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens. Als solcher hat er die Pflicht auszusagen, aber auch ein Interesse, den Fall Siemens so gründlich und so nachhaltig wie möglich lückenlos aufzuklären - und dabei im Zweifel eher zuviel zu tun als zu wenig. Es geht auch darum, das Ansehen von Siemens in den USA zu stärken. Für die Verbesserung des Außenbildes in den USA  hat Siemens jetzt auch die politische Beratungsfirma der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright beauftragt.  

Der Fall Siemens scheint sich noch in das Jahr 2011 fortzusetzen. Für den Siemensianer v. Pierer keine sehr beruhigende Nachricht.

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