Siemens-Hauptversammlung: "Ein ganz normales Unternehmen"

Siemens-Hauptversammlung: "Ein ganz normales Unternehmen"

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Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher,

Die Schmiergeldaffäre ist weitgehend aufgearbeitet, die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bleibt. Auf der Hauptversammlung von Siemens hat die Konzernführung vor allem eine Botschaft – die schwere Zeit liegt hinter dem Konzern.

Was für ein Kontrast: Vor der Olympiahalle im Münchner Olympiapark demonstrieren am Dienstagmorgen kurz vor zehn Uhr rund 100 IG-Metaller mit Trillerpfeifen, roten Jacken und ebensolchen Kappen. Ihr Anliegen: Stellenerhalt in den Resten der früheren Siemens-Kommunikationstechnik. Die Stimmung ist trotz der morgendlichen Kälte aufgeheizt.

Gleichzeitig im Innern der Halle: Siemens-Vorstandschef Peter Löscher, Aufsichtsratsboss Gerhard Cromme und die übrigen Vorstandsmitglieder mischen sich kurz vor dem offiziellen Beginn der Hauptversammlung im Innenraum der Olympiahalle unters gemeine Aktionärsvolk. Dort stellen sie sich schon traditionell für einige Minuten im Zwiegespräch den Fragen von Kleinaktionären – sofern die sich trauen, einen der umherflanierenden Manager anzusprechen.

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Löscher, Cromme und Co. wirken dabei ruhig und entspannt; ein Lachen huscht dann und wann über die Gesichtszüge der Manager. Ihre Mimik vermittelt einen tiefen Stoßseufzer: „Vollbracht! Durchatmen.“

Weit weniger drakonische Strafe als befürchtet

„Die schwere Zeit liegt hinter uns“ – das ist auch die Hauptbotschaft in den Eröffnungsreden von Cromme und Löscher vor den rund 10.000 versammelten Aktionären. Chefkontrolleur Cromme referiert lang über die Aufarbeitung der Schmiergeldaffäre, die den Konzern seit Ende 2006 durchschüttelt. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die juristische Beilegung der Ermittlungsverfahren in USA und Deutschland, die der Konzern im Dezember 2008 für viele Beobachter überraschend früh verkünden konnte. 

Zwar musste Siemens in den USA und Deutschland dafür Bußgelder in Höhe von insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro auf den Tisch der Behörden blättern. „Dieser Kraftakt hat sich gelohnt“, sagt Cromme. Denn im Zuge der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre verfüge „Siemens heute über eine klare und transparente Struktur.“

Auch anderswo ist Cromme die Erleichterung darüber anzumerken, dass vor allem die US-Behörden das mögliche Strafmaß gegen den Konzern bei weitem nicht so drakonisch ausgeschöpft haben wir ursprünglich befürchtet. Auf den ersten Blick will der großgewachsene 65-Jährige vor allem Demut und Zurückhaltung versprühen, dennoch blitzt hier und da auch unverhohlen Eigenlob durch.

„Wir konnten die Ermittler durch Offenheit, den Umfang und den Nachdruck beeindrucken, mit dem wir die Ermittlungen von Beginn an unterstützt haben“, sagt Cromme, als er die in seinen Augen positive Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Justizministerium und der Börsenaufsicht SEC beschreibt.

Friede mit Übervater von Pierer soll folgen

Auch Konzernchef Löscher klopft sich in seiner Rede das eine oder andere Mal selbst auf die Schulter. „Neuorganisation, Kostensenkung, Portfolio-Schärfung, Compliance. Der Kurs stimmt“, so Löscher in einem Kurzabriss der Maßnahmen, die er im vergangenen Jahr dem Siemens-Konzern verordnet habe. „Ich möchte vor allem nach vorne blicken“,  so der 51-Jährige Österreicher zu Beginn seiner Ansprache – um dann doch zunächst einen längeren Abriss über die Aufarbeitung der Schmiergeldskandals zu geben.

„Seit Ende 2006 lag die Compliance-Affäre als Schatten über Siemens“, konstatiert Löscher. Jetzt endlich aber sei Siemens, vor allem auch durch die Anstrengungen von Vorstand und Aufsichtsrat in den vergangenen zwei Jahren, wieder „ein ganz normales Unternehmen – frei von Korruption.“

Es ist vorbei – zumindest fast. So fiel der Name des früheren Siemens-Übervater Heinrich von Pierer in den Reden von Cromme und Löscher nicht. Sein Nach-Nachfolger war es freilich, der nur wenig verklausuliert anmerkte, er wolle auch mit von Pierer und anderen früheren Vorständen baldmöglichst zu einer Einigung über die offenen Schadenersatzforderungen seitens Siemens kommen.

„Wir wollen das Unternehmen befrieden, befrieden mit seiner jüngeren Vergangenheit und mit den Persönlichkeiten, die über die dunklen Seiten hinaus auch für große Erfolge und wichtige Weichenstellungen stehen.“ Damit wolle er nichts unter den Teppich kehren, sondern darunter verstehe er, dass die Vergangenheit von allen Seiten akzeptiert werde, um „sich in die Augen sehen zu können, sich zu respektieren, aber eben auch Lebensleistungen in ihrer Gesamtheit zu würdigen“. Wessen Lebensleistung Löscher meint, ist den Aktionären klar – und offenbar teilen sie auch seine Einstellung: Unerwarteter Applaus für einen Nichtgenannten brandet auf, wenn auch kurz.

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