Siemens-Hauptversammlung: Geburtstagsgeschenk für den Ex-Chef

Siemens-Hauptversammlung: Geburtstagsgeschenk für den Ex-Chef

Bild vergrößern

Siemens-Vorstandschef Peter Löscher spricht auf der Hauptversammlung am 26. Januar 2010

von Michael Kroker

Während der Aufarbeitung der Schmiergeldaffäre gab es bei dem Elektrokonzern Siemens die eine oder andere spannungsgeladene Hauptversammlung. Dieses Mal steht die Zusammenkunft der Aktionäre jedoch ganz im Lichte von Vergleich und Schlussstrich.

Sogar Daniela Bergdolt, bayrische Landesgeschäftsführerin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), die sonst oft als scharfzüngige Kritikerin des Siemens-Managements auftritt, ist heute geradezu versöhnlich: „Der Vergleich mit ehemaligen Managern und Aufsichtsräten ist wichtig, damit Ruhe ins Unternehmen kommt und sich Siemens auf die Bewältigung der Krise konzentrieren kann.“ Mehr noch, die DSW-Rechtsanwältin sieht in dem Schlussstrich unter der Schmiergeldaffäre nach rund drei Jahren („in kurzer Zeit gut gemeistert“) sogar eine „Revolution für den Börsenplatz Deutschland, weil er zeigt, dass sich Manager der Verantwortung nicht mehr völlig entziehen können.“

Cromme versöhnlich

Da wundert es nicht, dass auch Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme während seiner Eröffnungsansprache eine persönliche Erleichterung anzumerken ist, als er die rund 7700 Aktionären in der Münchner Olympiahalle auffordert, den Vergleichen mit neun früheren Vorständen und Aufsichtsräten zuzustimmen. Sogar seinem früheren Spezi, der sich in den vergangenen Monaten immer mehr zu seinem persönlichen Intimfeind hochgeschaukelt hatte, gibt Cromme – mit einer knallroten Krawatte ungewöhlich auffällig gekleidet – ein wenig verbalen Balsam mit auf den Weg: „Insbesondere Heinrich von Pierer war einer ungewöhnlich intensiven Befassung der Medien mit der Thematik ausgesetzt, die eine Einigung zusätzlich erschwert hat.“ Der Vergleich sieht vor, dass der Ex-Konzern- und Aufsichtsratschef wegen Missachtung der Aufsichtspflichten fünf Millionen Euro Schadenersatz an seinen früheren Arbeitgeber bezahlt.

Anzeige

Geburtstagsgeschenk für Pierer

Genau dies wiederum ist manchem späteren Redner dann offenbar doch zu glimpflich. Heinrich von Pierer sei ja heute nicht anwesend, bemerkt etwa Harald Petersen, stellvertretender Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), süffisant. „Der feiert heute seinen 69. Geburtstag.“ Und zu jenem machten ihm die Aktionäre heute ein passendes Geschenk. „Dass Sie hier mit einer Zahlung von nur fünf Millionen Euro rausgehen angesichts des Schadens, den Sie angerichtet haben, ist doch ein Geschenk“, so Petersen an die Adresse von Pierers. Die gesamte Vergleichssumme, über den die Siemens-Aktionäre heute abstimmen, liegt bei rund 20 Millionen Euro. „Das ist nicht einmal ein Prozent des Schadens – und damit beinahe lächerlich gering“, legt Kleinaktionärsvertreter Petersen den Finger in die Wunde. Denn die Aufklärung der Schmiergelddaffäre inklusive Strafzahlungen hat dem Siemens-Konzern Kosten in Höhe von insgesamt rund 2,4 Milliarden beschert.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%